LITERATUR

Anna, Holpeltopel und der Seemann: diese Kinderbuch-Helden haben uns beigebracht, mutig zu sein

Ein Kind zu sein ist alles andere als leicht: der Keller ist dunkel, die anderen Kinder haben viel tollere Spielsachen, und Mama und Papa streiten so laut. Außerdem könnte man aus der Haut fahren, wenn der Lego-Turm zum fünften Mal umfällt, und wie soll man eigentlich einschlafen, wenn in der Dunkelheit Monster lauern? Kurzum, das Leben ist voller Herausforderungen. Aber zum Glück gibt es ausgezeichnete Kinderbücher, die kleinen Menschen zeigen, wie man sich diesen Problemen mit Mut und Witz stellt. Wir haben uns für euch ganz allein (!) auf den dunklen Dachboden getraut, und unsere größten Kinderbuchschätze hervorgekramt.

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Als Kind lernt man nicht nur, sich die Schuhe zuzubinden und Fahrradzufahren, sondern auch, wie man mit Angst, Wut und Neid umgeht. Eine unverzichtbare Stütze dabei sind Kinderbücher, die einfühlsam und klug von den Herausforderungen des Lebens berichten, die Kinder ermuntern sich Abenteuern zu stellen und ihnen dafür großartige Vorbilder liefern. Hier folgen unsere Kinderbuch-Lieblinge zum Tränenwegwischen und Mutmachen:

 

MICHAEL HAT EINEN SEEMANN

Wolf Harranth, Bilder von Josef Paleček, Jungbrunnen

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Michael hat Angst. Vor dem Keller, vor dem Löwen im Zoo, und davor einen Salto zu machen. Doch dann taucht eines Tages ein unsichtbarer Seemann auf, und plötzlich traut sich Michael sogar in den finsteren Keller mit der rumpelnden Waschmaschine. Dieser Kinderbuchschatz ist ein Muss für alle Kinder mit großen und kleinen Ängsten, die dringend einen Seemann brauchen.

"Was werde ich jetzt machen ohne dich?" fragt Michael. "Alles mögliche, mein großer Matrose", sagt sein Seemann, "und gar nicht ohne mich. – Ich muß zwar fort", sagt er, "aber ich bleibe bei dir. Ich brauche doch auch jemanden, der von Zeit zu Zeit auf mich aufpaßt."

 

KANNST DU NICHT SCHLAFEN, KLEINER BÄR?

Martin Waddell, Bilder von Barbare Firth, Betz

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Der kleine Bär kann nicht einschlafen, die Dunkelheit ist ihm gar nicht geheuer. Auch die kleine Laterne, die ihm der große Bär bringt, kann daran nichts ändern. Doch zum Glück hat der große Bär noch viel mehr Tricks auf Lager. Das Genie der legendären Illustratorin Barbara Firth ist unübertroffen. Gemeinsam mit Martin Waddells sanfter Erzählstimme werden die Bärengeschichten zu purer Magie.

"Warum fürchtest du dich, kleiner Bär?" fragte der große Bär.
"Ich mag die Dunkelheit nicht", sagte der kleine Bär.
"Was für eine Dunkelheit?" fragte der große Bär.
"Die Dunkelheit rundherum", sagte der kleine Bär.
"Aber ich hab dir doch eine Laterne gebracht!" sagte der große Bär.
"Ja, aber nur eine ganz kleine", sagte der kleine Bär, "und die Dunkelheit ist so groß."

 

ANNA UND DIE WUT

Christine Nöstlinger, Bilder von Christiana Nöstlinger, J&V

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Anna hat ein Problem: Sie wird wahnsinnig schnell wütend, und zwar so wütend, dass ihre Wangen knallrot werden und ihr die Haare zu Berge stehen. Die anderen Kinder lachen sie aus und finden es viel zu mühsam, mit ihr zu spielen. Doch dann schenkt ihr der Opa eine Trommel, die die Wut im Nu vertreibt. Die Geschichte von der trommelnden Anna muss man einfach lieben, und außerdem: niemand flucht so schön wie die Kinder in Christine Nöstlingers Büchern.

Anna holte die Bausteine, baute einen Turm und sagte zum Opa: "Wenn der nicht zwei Meter hoch wird, krieg ich einen Wutanfall!" Nicht einmal einen Meter hoch war der Turm, da stürzte er schon ein. "Verdammter Mist!" brüllte Anna.

 

GEHEN WIR HEIM, KLEINER BÄR

Martin Waddell, Bilder von Barbara Firth, Betz

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Beim Waldspaziergang hat der kleine Bär ziemlich Angst: Kein Wunder, bei all den unheilvollen STAMPF-PLANSCH-PLUMPS-Geräuschen. Da versteckt sich doch sicher ein PLUMPS-Monster hinter dem nächsten Gebüsch! Aber zum Glück hat der kleine Bär den großen Bären an seiner Seite, der ihm liebevoll und geduldig die Geräusche des Waldes erklärt. Auch dieses Buch von Waddell und Firth ist einfach nur schön. Die stimmigen Illustrationen und der klangvolle Text entführen Groß und Klein in die Welt der Waldmonster.

Der große Bär drehte sich um und horchte und schaute. Aber es war kein Plumpsmonster da. "Gehen wir heim, kleiner Bär", sagte der große Bär. "Das Plumpsen ist der Schnee, der von den Ästen fällt.

 

VALERIE UND DIE GUTE-NACHT-SCHAUKEL

Mira Lobe, Bilder von Winfried Opgenoorth, Jungbrunnen

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Valerie will nicht ins Bett, und zwar so überhaupt gar nicht, viel lieber will sie noch schaukeln. Doch als Papa ihr einen Schubs gibt, fliegt sie – schwupps – in das Bild an der Wand, wo sie so einige Abenteuer erlebt. Nicht umsonst ist "Valerie" ein absoluter Klassiker. Vielleicht aus heutiger Sicht nicht immer politisch korrekt, aber so herrlich farbenfroh, frech und mutig. (Das Buch wurde übrigens auch grandios vertont.)

Wie ein echter Kapitän
darf sie jetzt am Steuer drehn,
Valerie, die Wasserratte.
Drüben, in der Hängematte,
liegt der alte Käptn Klaus,
reckt sich,
streckt sich,
ruht sich aus,
lacht gemütlich:
„Halt dich immer nord-west-südlich!
Tschüs! Mach’s gut
und laß mich schlafen!
Weck mich auf im nächsten Hafen!

 

STREITEN GEHÖRT DAZU, AUCH WENN MAN SICH LIEBHAT

Dagmar Geisler, Bilder von Jana Frey, Ravensburger

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"Heute kocht Papa", verspricht Mama, als sie Tom vom Kindergarten abholt. Doch als die zwei zuhause ankommen, ist die Wohnung ein Schlachtfeld, das Essen nicht fertig, und Papa und Baby Marie machen genüsslich ein Nickerchen auf der Couch. Was folgt, ist ein furchtbarer Streit, der Tom gehörig Angst macht. So einfühlsam erklärt kein anderes Buch, dass Streiten zum Leben dazugehört, dass man Schreien und Weinen darf, aber dass es am Ende (meistens) eine Versöhnung gibt.

Schließlich kneift Tom die Augen zu, ganz fest, und wünscht sich, daß der scheckliche Streit endlich vorüber ist. So wie die wilden Ritterspiele im Kindergarten. Die gehen schließlich auch jedesmal schnell zu Ende. Eine ganze Weile steht Tom so da. Es kommt ihm vor wie eine Ewigkeit. Als er die Augen vorsichtig wieder öffnet, seufzt er enttäuscht. Blinzelnd steht er da, und der Streit ist keineswegs zu Ende.

 

 

ALLES MEINS! ODER 10 TRICKS, WIE MAN ALLES KRIEGEN KANN

Nele Moost, Bilder von Annet Rudolph, Esslinger

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Der kleine Rabe kann eigentlich gar nichts dafür: Manchmal passiert es ihm einfach, dass die anderen Rollschuhe, eine Spieluhr oder ein Feuerwehrauto haben, die er so sehr selbst haben will, dass er sie stibitzen muss. Am Ende erkennt er aber, dass die tollsten Spielsachen schnell langweilig werden, wenn man niemanden hat, mit dem man sie teilen kann. "Alles meins" ist eine unterhaltsame Geschichte, in der der kleine Rabe mit verschiedensten Tricks seinen Besitz vergrößert, aber am Ende ziemlich alleine dasteht. Sollte sich auch der eine oder andere Erwachsene zu Gemüte führen.

Da saß der kleine Rabe nun in seinem Nest und hütete seine eroberten Schätze.
"Kommst du runter, spielen?" riefen die Tiere.
"Nein", krächzte der Rabe, "ich muß oben bleiben." Und in Gedanken fügte er hinzu: "Ich bin doch nicht blöd. Ich passe auf! Sonst kommt noch einer und KLAUT etwas."

 

DIE GEGGIS

Mira Lobe, Bilder von Susi Weigel, Jungbrunnen

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Die Sumpfgeggis leben im Wasser, und die Felsengeggis in den Bergen, und die beiden Gruppen verstehen sich alles andere als gut. Von klein auf hat Sumpfgeggi Gil gelernt, dass die "Schluchtenhaxler" ihn verachten, und das Felsgeggi-Kind Rokko weiß auch ganz genau, dass die "Sumpfgatschler" ganz übel stinken. Kein Wunder also, dass die beiden sich erstmal ordentlich in die Haare kriegen, als sie sich zufällig über den Weg laufen. Aber siehe da, die Vorurteile, die man ihnen eingetrichtert hat, stellen sich als völliger Blödsinn heraus! Dieses Buch hat alles: Freundschaft, Streit, Versöhnung und Abenteuer. Die grandiosen Reime von Mira Lobe machen auch Erwachsenen Spaß, und das begleitende Geggi-Musical garantiert lebenslange Ohrwürmer.

"Du Lügenerzähler! Du Sumpfgeggi-Quäler! Ich rate dir, schleunigst abzuschwirrn!"
"Du Schlammgatsch-Trinker, du Sumpfmoor-Stinker, du hast wohl Taubenmist im Hirn!"

 

HOLPELTOLPEL STARKER FREUND

Hermann Moers, Bilder von Jόzef Wilkoń, Nord-Süd Verlag

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Kaum hat Evis Mama die Wohnungstür hinter sich zu gemacht, schon kriecht die Angst aus allen Ecken der leeren Wohnung. Zum Glück hat Evi ihr Buch über den "stärksten Bären" der Welt namens Holpeltolpel. Als Evi ihm spontan das Angebot macht, ihr Freund zu werden, nimmt er es ohne zu Zögern an und klettert aus dem Buch heraus. An der Hand des mächtigen Bären fürchtet sich Evi nicht mal mehr vor der gemeinen Nachbarin Frau Grantelhuber! Prädikat: einzigartig. Kindern werden die nicht immer legalen Abenteuer von Evi und Holpeltopel zweifellos gefallen, und die kunstvollen, surrealistischen Illustrationen von Jόzef Wilkoń machen dieses Buch auch für Erwachsene zu etwas ganz Besonderem.

"Die Frau Grantelhuber sagt immer, daß ich auf der Treppe zu laut bin. Ich glaube, die kann Kinder einfach nicht leiden." "Versteh ich nicht", brummt Holpeltolpel. "Ohne Kinder gäbe es doch keine Menschen. Und Bären auch nicht."

 

WEISST DU EIGENTLICH, WIE LIEB ICH DICH HAB?

Sam McBratney, Bilder von Anita Jeram, Sauerländer

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Das weltbekannte Buch über den kleinen und den großen Hasen, die in zunehmend ausufernden Vergleichen darum wetteifern, wer den anderen lieber hat, bedarf keiner Zusammenfassung. Die perfekte Kombination aus einer universell verständlichen Geschichte übers Liebhaben, einer schlichten, kindgerechten Sprache und den charmanten Illustrationen machen dieses Buch zur Pflichtlektüre. Botschaft: Über Gefühlen reden ist mutig!

Der große Hase hatte viel längere Arme.
"Aber ich hab dich sooo sehr lieb", sagte er.
Hm, das ist viel, dachte der kleine Hase.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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