WIENER BERUFE

Es gibt nichts anderes, was ich machen möchte

Kindergarten 2

Kinder können sehr, sehr anstrengend sein. Deshalb ist es gut, dass die moderne Gesellschaft sich um Arbeitsteilung gekümmert hat: nicht jede Mutter muss mehr zu Hause bleiben und sich permanent um ihren Nachwuchs kümmern. Stattdessen gibt es Kindergärten und dort – Gott sei Dank – Menschen, die einfach wirklich gerne mit Kindern arbeiten. So wie Viktoria.

Viktoria ist 30 und hat schon einige Berufserfahrung im Kindergarten. Auch in ihrem jetzigen in der Paradisgasse im 19. Bezirk, einem Kindergarten der Wiener Kinderfreunde. Ihr Berufsweg ist besonders, weil sie schon mit zwölf Jahren wusste, dass das ihr Traumberuf ist. Ausgelöst hat das ihre Cousine, die zehn Jahre jünger war. Viktoria merkte damals das erste Mal, wie viel Freude es ihr macht, sich um Kinder zu kümmern. Auch heute ist das noch so: "Es ist ein extrem erfüllender Beruf, weil mir das Vertrauen geschenkt wird und auch die Verantwortung, dass ein Kind sich bei mir wohl fühlt."

Ein Job als Kindergarten- oder Elementarpädagogin ist aber längst nicht das, was man sich einfach so vorstellt, wenn man seinen Alltag auf der Uni oder im Büro und fernab von Kindern verbringt. Teilweise auch mehr, als Eltern sich manchmal vorstellen. Die Arbeit im Kindergarten ist schließlich nicht bloß Kinderbetreuung, sondern legt die Grundlagen für alle motorischen, sprachlichen, sozialen, kognitiven und kreativen Fähigkeiten der Kinder. Wer selber nicht regelmäßig Kontakt mit Kindern hat, vergisst schließlich leicht, wie viel sie noch nicht können. Manche lernen im Kindergarten erst gehen, viele lernen einen Großteil ihres Vokabulars während dieser Zeit. Auch Essen mit Besteck und andere motorische Fähigkeiten wie Ballspielen oder Malen, müssen erst gelernt werden. Konzentrationsfähigkeit, die eigene Rolle in der Gruppe, das Erkennen der eigenen Lernfähigkeit und der eigenen kreativen Fähigkeiten sind wichtige Entwicklungsziele, die Schritt für Schritt erlernt werden. Das ist mehr, als einige Menschen sich vorstellen, wenn sie an den Kindergarten denken. Viel mehr, als einfach nur mit Kindern zu spielen.

Kindergarten 1BILDUNGSARBEIT
Die Frage des öffentlichen Bildes ist auch eine, die für Viktoria eine Rolle spielt. Oft werden die Elementarpädagoginnen noch immer als "Kindergartentanten" gesehen. Beim Wort "Tante" fehlt aber der Respekt vor dem Beruf. Viel eher wird ein familiäres Verhältnis aufgebaut, wodurch Eltern auch leicht in Versuchung kommen, eventuell zu spät zu kommen oder eigene Erziehungspflichten auf KindergärtnerInnen abschieben. Deshalb ist das richtige Abbild für Viktoria besonders wichtig: "Wir sind keine Tanten sondern gut ausgebildete Pädagoginnen."

In Viktorias Gruppe sieht man das auch schnell. Die Kinder sind quer durch den Raum verteilt, zeichnen an Tischen, sind in Rückzugsecken oder spielen gemeinsam. Jedes der Kinder hat eine eigene Portfolio-Mappe, in der Zeichnungen, Fotos und die von den Pädagogen und Pädagoginnen beschriebenen Lern- und Entwicklungsschritte über die Jahre gesammelt werden. Nachdem viele Gruppen in der Paradisgasse altersmäßig durchmischt sind, können die Kinder auch direkt voneinander lernen. Den Altersunterschied merkt man aber auch, wenn man sieht, wie stolz die älteren Kinder auf ihre dicken Mappen sind und selber alte Zeichnungen abtun mit Aussagen wie, "da war ich noch klein, damals hab ich noch nicht so gut zeichnen können". Die Entwicklung von Kindern im Kindergarten ist also nicht nur etwas, das Pädagoginnen wie Viktoria oder stolze Eltern mitbekommen, sondern auch ein aktiver Prozess. Vielleicht ist es gerade deshalb wichtig, dass auch viele andere Menschen verstehen, dass im Kindergarten wichtige Bildungsarbeit geleistet wird.

KINDERGARTEN: MEHR ALS EIN JOB
 
Zusätzlich zum täglichen Umgang mit Kindern und deren Bildung und Entwicklung muss Viktoria aber auch auf vieles andere achten. Eltern müssen regelmäßig am Laufenden gehalten werden, monatlich die Planung für die pädagogische Arbeit vorgenommen und die Entwicklung der Kinder regelmäßig schriftlich dokumentiert werden. Wie bewegt sich das Kind, sind die motorischen Fähigkeiten in Ordnung, entwickelt sich sein Vokabular altersgemäß. Kleinigkeiten, würde man denken. Dabei sind genau diese Details wichtig, um rechtzeitig Fachleute wie etwa SprachtherapeutInnen zu Rate zu ziehen und das Kind zu fördern.

Für Viktoria ist ihr Beruf deshalb nicht nur die Arbeit, mit der sie jeden Tag verbringt. Sondern stattdessen etwas, dass sie mit Freude macht: „Ich gehe gerne arbeiten und ich bin glücklich mit meinem Beruf. Es gibt auch nichts Anderes, was ich machen möchte.“

 


 

ÜBER DIE WIENER KINDERFREUNDE
Die Wiener Kinderfreunde betreuen und bilden in 155 Kindergärten und Horten rund 12.000 Kinder bis 12 Jahre. Sie sind damit der größte private gemeinnützige Kindergartenträger und haben sich hohen pädagogischen Standards verpflichtet. Sie setzen sich politisch für Kinderrechte und gegen Kinderarmut und Gewalt ein. Im November und Dezember laden Sie tausende Kinder ab 6 Jahren kostenlos zum jährlichen Kinderfreunde-Musical im Raimund Theater ein, heuer wird "Der Dschungel brennt" gespielt. Infos unter www.wien.kinderfreunde.at/musical

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