WIENER BERUFE

Gold- und Silberschmiedin Mandy Geppert

Wer sich einmal in die Innenstadt Wiens verirrt hat, der weiß, dass die Stadt voll von Juwelieren, Kunstschmieden, aber auch eher Läden voller weniger hochwertigen Schmuck ist. Ich habe mich mit der Gold- und Silberschmiedin Mandy Geppert zusammengesetzt, um mehr über die Verbindung Wiens zum Kunstschmiedehandwerk herauszufinden.

Christopher Gajsek: Zu Beginn möchte ich ganz einfach die Standard-Eingangsfrage stellen, wie es dazu kam, dass du Gold- und Silberschmiedin geworden bist und woher die Idee kam.

Mandy Geppert: Ich hoffe ich langweile jetzt niemanden mit meinen Antworten (lacht). Also zuerst hatte ich die Schule abgeschlossen und bin danach in einen AMS-Kurs gekommen, der hat "Mädchen in Technik" geheißen. Es ging darum, Frauen in 'Männerberufe' einzuführen, weil ja Gold- und Silberschmied solch einer war. Mein Trainer damals meinte - weil ich damals Piercings gern hatte - dass ich mir als Gold- und Silberschmiedin meine eigenen machen könnte, eine ganz witzige Geschichte eigentlich. Da hat es damals eine Ausbildungsmöglichkeit gegeben, bei der ich mich bewerben konnte und schließlich wurde ich unter vielen Bewerbern ausgesucht, um die dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung mit Lehrabschlussprüfung zu machen. Das war wie ein richtiger Job, eigentlich. Ich habe sie auch mit Guten Erfolg abgeschlossen und wurde anschließend von derselben Firma, bei der ich die Ausbildung gemacht hatte, genommen.

Ich bin eigentlich Goldschmiedin geworden, weil ich etwas Kreatives machen wollte und ein kreativer Mensch bin. Ich wollte auch Einrichtungsberaterin werden, das hat allerdings nicht so funktioniert. Der Beruf des Kunstschmiedes ist nicht nur kreativ, sondern man lernt auch nie aus bezüglich Bearbeitungstechniken und Material usw... und es ist auch ein Beruf, bei dem man fürs Leben lernt. Es gibt so viele Facetten des Berufs und es ist faszinierend, welche Tätigkeitsbereiche hier existieren. Es war mir bereits in der Probezeit klar, dass ich bleiben möchte. Wobei ich derzeit noch nicht ausgelernt bin, weil ich das volle Programm machen möchte und ich noch vieles lernen will. Eine Meisterprüfung abzulegen wäre in Zukunft auch ein Ziel von mir.

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C.G.: Wir haben ja vorher schon ein wenig geplaudert. An dieser Stelle wollte ich dich fragen - da unsere Reihe ja "Wiener Berufe heißt" - was der "wienerischste" Auftrag war, den du je bekommen hast. Du hast daraufhin gemeint, dass die Aufträge, die du bist jetzt bekommen hast, alle eher 'normal' waren. Deshalb möchte ich stattdessen fragen, was du mit der Stadt Wien und dem Beruf des Goldschmieds in Verbindung bringst. Ist das überhaupt für dich ein "Wiener Beruf"?

M.G.: Ja, also auf jeden Fall. Goldschmiede hat es in Wien schon immer gegeben, man braucht nur in Kirchen oder Museen gehen, da gibt es Stücke von Wiener Kunstschmieden seit Jahrhunderten. Gerade spannende Reparaturarbeiten aus Kirchen, die immer wieder bei meinen Chefs eingehen, sind etwas sehr Interessantes für mich. Aber auch zum Beispiel Silbermesser oder Zuckerdosen wurde immer von Gold- und Silberschmieden gemacht.

C.G.: Also es gibt typisch wienerische Kunstschmiedearbeiten? Einen Wiener Stil quasi?

M.G.: Genau.

C.G.: Ich habe auch gehört, dass es erst vor kurzem bei den Kunstschmieden ein Jubiläum gab?

M.G.: Ja, die 650-Jahrfeier, so lange gibt es die Zunft schon und man merkt auch, dass sie nicht ausstirbt. Es gibt immer noch Leute, die das Handwerk erlernen wollen. Und auch Leute, die etwas besonderes, handgemachtes, edles haben wollen, zum Beispiel Eheringe. Man schenkt sich da nicht nur ein Luxusprodukt, sondern auch Freude. Heutzutage gibt es ja, wie ich finde, viel zu viel billige Sachen, die man zwar günstig kauft, an denen man jedoch nicht lange Freude hat. Die schnell vergilbt aussehen oder kaputt werden oder auch Entzündungen hervorrufen etc. Mit Gold- oder Silberschmuck, die eben bessere Eigenschaften auf Grund der Materialien haben, hast du länger Freude: den hast du dein Leben lang, den kannst du deinen Kindern vererben, die Kinder haben später irgendwann mal etwas davon und es sind damit schöne Erinnerungsstücke an die Großeltern und damit nicht nur Materielles. Ich habe zum Beispiel auch viel von meiner Oma geschenkt bekommen, das ich auch mal weitergeben kann.

C.G.: Gibt es noch etwas, was du loswerden möchtest?

M.G.: Ja, ich könnte dir noch ein paar Nebeninfos für Interessierte geben. Ich arbeite zurzeit im Forum Goldschmiede, da bilden wir auch Lehrlinge aus. Es gibt viele fleißige junge Menschen, die sich dafür interessieren und ich würde jedem dazu raten den Meistergrad anzustreben. Es ist heutzutage sicherlich hart, selbstständig zu sein. Aber mit Fleiß und harter Arbeit kann man in diesem Beruf sehr erfolgreich sein. Die Leute sollten natürlich auch wissen, dass es bei diesem Beruf nicht immer nur um besondere Auftragsarbeiten handelt, sondern oft eher um Reparaturen, Ringgrößenänderungen und ähnliche Arbeiten.

C.G.: Apropos "Sonderanfertigungen". Was ist denn der seltsamste Auftrag, den du je bekommen hast?

M.G.: Die seltsamste, hm. Leider bis jetzt eigentlich noch nichts, aber ich würde sehr gerne was in die Richtung machen. Ich mag verrückte Kunden!

 

Also, an alle da draußen mit verrückten Schmiedewünschen - ab zu Mandy Geppert im Forum Goldschmiede!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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