WIENER BERUFE

Zwischen Spiel und Sein

Johanna Hainz lädt mich für dieses Gespräch in ihre Wohnung ein, wo sie mich freundlich begrüßt. Es wird Kaffee gekocht und dann setzten wir uns, bald sehr ins Gespräch vertieft, an den Tisch.

Johanna Hainz kam 2011 nach Wien, aufgewachsen ist sie in Bleiburg, einem kleinen Ort in Kärnten. Nach Wien zog es sie, weil sie immer schon das Bedürfnis hatte, irgendwo hin zu gehen, wo was los ist: Wo viele Leute leben, wo es viel gibt, was man sich anschauen kann und da gäbe es in Österreich eben nur Wien. Außerdem gäbe es in Wien auch viel mehr Vielfalt und Auswahl, was die Theater anbelangt - in Kärnten sei da nicht so viel. Johanna Hainz kann es sich auch nicht vorstellen wieder für immer zurückzugehen, was aber nicht bedeutet, dass es sie nicht in eine andere Großstadt verschlagen könnte.

schauspielerin01Mit dem Schauspielern fing Hainz an, weil sie immer schon dachte, dass das etwas sei, was ihr gefallen könnte. Sie war der Meinung, es mache sehr viel Spaß Leute nachzuahmen und jemand zu sein, der man eigentlich nicht ist. Diese Einstellung habe sich inzwischen aber sehr verändert, da es sie nicht mehr interessiere, jemand anderer zu sein als sie selbst. Jetzt gehe es eher darum zu erkennen, welche ihrer eigenen Charaktereigenschaften sie mit ihren dargestellten Figuren teilt. Das heißt, nicht die Figur künstlich darzustellen, sondern in sich selbst das zu finden, was sie mit der Figur verbindet. Das sei auch das Spannende am Schauspielern. Sich selber treu zu bleiben sei auch eine der großen Herausforderungen, die das Schauspiel mit sich bringt. Das heißt, zu wissen, wie sehr man sich verbiegen will um z.B. eine Rolle zu bekommen. Andererseits sei es aber auch wichtig, am Boden zu bleiben. Eine weitere große Herausforderung sei es auch, immer frisch und neu an die Sache heranzugehen. Dies wird vor allem schwierig, wenn man ein Stück sehr oft spielt. Man solle versuchen, sich immer selbst zu überraschen und etwas Neues an der Rolle zu entdecken. Immer präsent und im Jetzt zu sein, und nicht schon an die nächsten Produktionen zu denken, hilft, es spannend zu halten. Hainz sagt aber auch, dass ihr das selbst nicht immer gelinge, aber wenn es gelingt, erkenne sie wieder, warum sie Schauspielerin geworden ist. Wichtig sei es auch, auf sich selbst zu achten, auch während probenintensiven Phasen. Das gelinge ihr weniger, meint Hainz, da verschwinde sie quasi komplett vom Erdboden und es gäbe zu der Zeit nichts anderes. Aber da passiere für sie auch ihre eigentliche Arbeit, bei den Proben, in der Auseinandersetzung mit Kollegen und Regisseuren.

Konkrete Ziele habe sie weniger. Johanna Hainz will vor allem immer coole neue Sachen machen, die Sinn ergeben und Spaß machen. Ein Teil von etwas sein, wodurch Themen oder Figuren an die Öffentlichkeit gebracht werden, die ihrer Meinung nach etwas zu sagen haben. Wie z.B. "Hertha Kräftner", die kaum jemand kenne, und für Johanna Hainz ist es schon sehr wertvoll, wenn sie diese Figur auch nur einem Menschen näher bringen kann, der sich dann vielleicht noch weiter damit auseinandersetzt. Die Rolle der Hertha Kräftner ist auch eine der Rollen, die sie sicher noch länger begleiten werde, nicht nur weil das Stück "Der Bogen meiner Brauen ist kein Weg" immer wieder aufgeführt werde. Dieses Solostück (UA Bleiburger Theatertagen 2016) ist eine szenische Collage aus Kräftners Gedichten, Tagebucheinträgen, Briefen etc. Kräftner habe sehr viel mit Hainz gemacht, so kann sie auch bei keiner Birke vorbeigehen, ohne dass ihr eine Textzeile dazu einfällt. Auch das Reserl aus Paulus Mankers Inszenierung "Alma" werde sie wahrscheinlich noch eine Zeit lang begleiten, da dies einfach eine sehr schöne Rolle war. Aber Johanna Hainz betont auch, dass es wichtig ist, sich von den Rollen zu trennen und sie sozusagen auf der Bühne zu lassen. Sie trägt die Emotionen nicht mit nach Hause, da sei sie sehr pragmatisch.

Das Schauspielern nimmt eine große Rolle in Johanna Hainz’ Leben ein, und es sei "schön, schiach, und es gibt nichts Besseres."

Die nächste Vostellung von "Der Bogen meiner Brauen ist kein Weg" ist am 17. November 2017 in der Bauermühle in Mattersburg.

 

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