WIENER BERUFE

Junge KünstlerInnen tanzen anders

Performances treffen den Puls der Zeit, wie es jedes Jahr zu sehen ist beim ImPulsTanz Festival, wenn die hippen Leute sich im Vestibül versammeln. Sophia Hörmann ist im Jahr 2018 Stadttänzerin von Klagenfurt. Im Zuge dieser Residency wird es ihr ermöglicht an ihrem Projekt weiterzuarbeiten, das mehrere Performances beinhalten wird – ein Porträt über Sophia, ihre Tanzkunst und das Ich in dieser.

"Glowing" heißt der erste Teil ihres Projektes. Dabei bewegt sie sich auf einer mit Vaseline eingeriebenen Plastikfolie zu harten Technosounds von Sounddesigner Garcia. Der Körper will im Rhythmus der Beats mitwippen. Sie bemüht sich gegenzuhalten und bewegt sich kontrolliert und langsam. Es soll einen kalten Kontrast darstellen zur Musik, unterstrichen wird dieser Umstand durch ein lila-blaues Lichtsetting. Die Umgebung wirkt unterkühlt und eisig. "Glowing" ist nicht für die große Bühne gemacht, nein, auch gar nicht so konzipiert – in einem Londoner Club führte sie die Performance z.B. kürzlich auf und in einem solchen Setting muss man sie auch sehen. Sie braucht diesen intimen Moment, wenn die ZuschauerInnen nur zehn Zentimeter von Sophia entfernt stehen und ihre Schweißperlen auf der Stirn zählen können.

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Die drei anderen Performances des Projektes werden "Transforming", "Vibrating" und "Flying" heißen und erinnern in ihrer Betitelung an Instagram-hashtags über moods, wobei dieser Begriff schon so oft zu lesen gewesen ist, dass er sich schon gar nicht mehr wie ein Wort anhört und man sich gar nicht mehr sicher ist, was damit eigentlich genau gemeint ist. Aber das wird Sophia ja jetzt für uns klären.

Meistens hat Sophia einen Sound oder ein Thema im Kopf. Dann macht sie sich an die Arbeit, stellt sich in einen Proberaum und beginnt ihren Bewegungsresearch, wie man es in der Fachsprache bezeichnet. Trotzdem ist es wichtig, dass man sich Hilfe von außen holt.

Bei "Glowing" ist ihr dieser Aspekt ganz stark aufgefallen. Durch ihre Residency im Tanz*Hotel Wien wurde ihr ermöglicht über mehrere Monate hinweg an einem Stück zu arbeiten. Manchmal war es zu viel alleine mit sich selbst zu sein und seine eigenen Bewegungen und Beweggründe immer wieder zu analysieren und zu motivieren. Vor allem der dramaturgische Aspekt ist einfacher zu bewerkstelligen, wenn jemand Ahnung davon hat und eine Perspektive von außen bietet.

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Eine Performance ist auch immer eine Konfrontation mit dem eigenen Ich. Das Publikum hat man im Hinterkopf. Wenn sie von ihren Motivationen und Beweggründen, die hinter ihren Performances stecken, spricht, fühle ich mich fast an Aristoteles und seine Dramentheorie erinnert mit seinen Begriffen wie Katharsis oder Mimesis.

Der Weg ist das Ziel oder so ähnlich; und ihr Ziel ist es, einen individuellen, wiedererkennbaren Bewegungsstil zu entwickeln. Was ist sie denn nun? Tänzerin? Performerin? Künstlerin? Choreographin? Von allem ein bisschen etwas und doch mehr. Es ist eine Kunstform, die gerne interdisziplinär arbeitet und vielen KünstlerInnen die Chance gibt, mit unterschiedlichen Menschen zu kollaborieren. Performances und Projekte bringen einen als TänzerIn immer wieder an seine Grenzen und dadurch neue Möglichkeiten zu erforschen und sich auszudrücken. Denn darum geht es: Weiterentwicklung. Hauptsache man vergisst auch den Spaß an der Kunst nicht. Und das tut Sophia und auch das Publikum nicht, wenn es zusieht bei ihren ausdrucksstarken und lebendigen Aufführungen, die nicht nur berühren, sondern mitreißen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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