WIENER BERUFE

Nächster Halt, Prater!

90 Jahre, seit 1928, dreht die weltbekannte Liliputbahn ihre Runden. Zunächst noch als Dampflok, heute mit einem Dieselmotor. Es wird derzeit aber schon an einer umweltfreundlichen Elektroversion gearbeitet, erklärt mir der Liliputbahnfahrer- und Schaffner Alfred Zadrazil, als wir uns zu einem Plausch beim Kassahäuschen im Wurschtlprater treffen. Es ist herrliches Wetter und viele Besucher*innen steigen bereits in die Liliputbahn ein.

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Der Profi-Musiker und gelernte Elektriker fährt bereits in der 5. Saison die Liliputbahn vom Prater zum Stadion und wieder zurück.

Durch Zufall ist er zu diesem Beruf gekommen. Eines Tages war ein Schreiben vom AMS in seinem Briefkasten und er hat sich beworben. Selber wäre er nie auf die Idee gekommen sich dort vorzustellen, es weckte aber doch sein Interesse.

Seine allererste Fahrt „war echt kurios, total außergewöhnlich. Muss man dann doch irgendwie da drinnen zu zweit sitzen, damit man sieht, wie das funktioniert. Das ist dann doch beengt.“

Für ihn und seinen Chef hat es gepasst, und er durfte bei der Liliputbahn bleiben. Schnell lernte er alle Vorschriften aus dem Lehrbuch und bekam durch viel Praxis die nötigen Kenntnisse. Eigentlich sind Liliputbahnfahrer Schausteller. „Wir sind da im Prater, da sind alle Schausteller.“

Das Arbeiten ist eine absolute Teamgeschichte und in diesem fühlt sich Alfred sehr wohl. „Es ist eher so als würd' man sich mit Freunden treffen, wie ein Verein“. Gemeinsam teilen sie die Liebe zur Musik, viele der Fahrer beherrschen ein Instrument. Bei der 90-Jahre-Feier spielten Alfred und ein Kollege von ihm auf.

Als Liliputbahnfahrer fährt man nicht nur abwechselnd als Fahrer und Schaffner im Kreis. Beim Hauptbahnhof der beliebten Bahn gibt es eine Werkstatt, in der auch gearbeitet wird. Im Liliputbahnteam finden sich auch Ingenieure, Schweißer, Schlosser und eben Elektriker, wie Alfred einer ist, die in der Werkstatt an neuen Ideen, Projekten und Innovationen tüfteln. Stolz erzählt er, dass er selber auch schon mitgewirkt hat. Es wurden neue Schwellen und Gleise eingebaut. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat er eine Hilfe erfunden, die einiges an Arbeit erspart hat. „Da kann man sich ein bisschen selbst verwirklichen, das macht mir sehr viel Spaß."

liliput02Am liebsten fährt er, wenn „so ein Wetter ist wie heute“. Gerade die Strecke im Wald hat es ihm angetan. Bevor er angefangen hat im Prater zu arbeiten, lag seine letzte Fahrt weit zurück, „es ist überraschend, wenn du plötzlich durch so viele Bäume fährst.“ Im Regen macht es weniger Spaß, da die Bahn keine Wände besitzt, wird alles sehr schnell nass.

Einige Wiener*innen haben sich um 80€ eine Jahreskarte der Liliputbahn geleistet. Wie ein Paar, dass jeden Tag mit dem kleinen Zug ins Stadionbad fährt. „Sie wird also auch als Verkehrsmittel genutzt“, erklärt Alfred. Er hat schon grölende Fußballfans mitgenommen, aber auch Konzertbesucher, die sich im Stadion Helene Fischer angeschaut haben. Sonst sind oft die Mamas mit ihren Kindern an Bord und natürlich die Touristen. „Mir würde jetzt kein Land einfallen, dass noch nicht da war.“

Doch auch bekannte Persönlichkeiten wie den ORF-Physiker Werner Gruber hat er durch den Prater chauffiert. Natürlich hat er sich den Filmdreh von Josef Haders Regie-Debut „Wilde Maus“ (große Empfehlung meinerseits!) nicht entgehen lassen. Sie wurde in der Nebensaison gedreht und er durfte hinter der Kamera alles beobachten.

Wenn man nun selber Liliputbahnfahrer werden möchte, empfiehlt Alfred Zadrazil, sich „einfach zu melden – Prater 99.“ Ein gewisses Interesse an Zügen und Technik sollte aber vorhanden sein.

Gemeinsam haben wir auch einen Blick in die Zukunft gewagt. Wie lange wird noch durch den Prater fahren? Alfred überlegt kurz: „Solange es den Prater gibt, wird es die Liliputbahn geben.“

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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