WIENER BERUFE

Sofies Welt

Künstlerisch wird man nicht, man ist es. Meistens ist es so. Ähnlich ist das auch so bei Sofie Strasser. Ihr Illustrationslabel POSTMINIMAL gibt es zwar erst seit 2017, die Kunst begleitet sie aber schon seit ihrer Schulzeit. Zumindest seit sie 16 ist, da hat sie nach dem Schulabbruch auf eine Fachschule für Holz- und Steinbildhauerei gewechselt. Das klingt jetzt nicht ganz nach Illustration, aber es gibt ja für alles Erklärungen.

Nach dem Schulabschluss ist Strasser aus Salzburg weggegangen, direkt auf die Angewandte in Wien. Obwohl dreidimensionale Kunst das Ziel war, hat sie schon während des Studiums mit Auftragsillustrationen begonnen. Heute entscheidet sie selbst über die Motive, die quasi zur Gründung von Postminimal führten. Am Anfang steht so gesehen ein Ende.

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POST FÜR JEDEN ANLASS
POSTMINIMAL hat mit Schlussmachpostkarten begonnen, die im Miniformat verschickt werden sollten – daher auch der Name des Labels. Die Post hat aber eine Mindestgröße für den Versand, deshalb ist von der Idee nur der Name geblieben und die Karten haben doch alle die Standardgröße von Postkarten oder eben Billets bekommen.

Die Motive wechseln dabei, die Schlussmachkarten gibt es nach wie vor, auch für Geburtstage und Weihnachten kann vorgesorgt werden. Gleichzeitg gibt es aber auch, sagen wir, eigenwillige Anlässe, wie Karten für die, die immer zu spät kommen. Falls man sich doch einmal dafür entschuldigen will – oder eben nicht. Mittlerweile gibt es aber nicht mehr nur Postkarten – wie auch hübsche Weihnachtskarten – das Sortiment ist ordentlich gewachsen. Dazugekommen sind gedruckte Illustrationen und Linolschnitte.

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IN DER TIERWELT
Bei den Illustrationen gibt es ein Hauptmotiv: Tiere. Die meisten sind süß und hübsch, Hunde, Katzen, Meerestiere, Fische und Vögel. Die Fische und die Vögel sind aber nicht einfach so gezeichnet, sondern werden gehalten. Als Inspiration dafür dient oft Instagram, wo sie nicht nur einen EIGENEN CHANNEL betreibt, sondern auch Ideen findet. So etwa für die Serie "Heimische Fische halten": "Dort gibt es eine eigene kleine Welt, wo Menschen einfach nur Fische halten. "Ich finde diesen Akt des Posierens total schön, weil der Fisch Angst hat, aber komplett ruhig hält. Viele Angler wollen den Fisch nur erwischen und werfen ihn danach zurück ins Wasser. Dieser Akt des Haltens hat eine ganz eigene Poesie."

Diese Poesie sieht man auch in der Serie "Heimische Vögel locken". Auch sie sehen aus, als ob sie sich nur kurz auf einer Hand niedergelassen hätten. Einer davon ist noch gar nicht gelandet. Auf Wunsch zeichnet sie die Vögel oder Fische aber auch ohne Hände. Denn Strasser sieht sich nicht unbedingt als Künstlerin, sondern auch als Dienstleisterin und Handwerkerin. Wer also jemanden sucht für ein Wunschbild, weiß jetzt, wo er hingehen kann.

HANDWERK STATT KUNST
Das Handwerk bemerkt man so richtig bei den Linolschnitten: "Die Drucke von Linolschnitten sind eine viel technischere Arbeit. Jeder Schnitt wirkt sich in den Ebenen aus, wie sich Motiv und Hintergrund verändern, das braucht viel mehr Planung als Zeichnungen."

Deshalb ist Linol ein anspruchsvolleres Material als Papier. Denn jeder Schnitt ändert das Material, nichts kann rückgängig gemacht werden. Außerdem kann ein Bild nur mit einer Farbe gedruckt, alles an Tiefe und Dimension muss über die Druckebenen einer einzigen Vorlage ausgedrückt werden. Die Linolschnitte waren eine Rückkehr zu Strassers Anfängen, immerhin hat sie die Technik schon in der Bildhauerschule gelernt und kann sie deshalb auch gut selber drucken.

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RÜCKKEHR ZUR KUNST
Ähnlich wie die Rückkehr zu Linol war auch POSTMINIMAL die Folge einer Rückkehr zur Kunst. Nachdem Strasser die Angewandte abgeschlossen hatte, spielte Kunst zeitweise eine kleinere Rolle: "Ich habe damals die künstlerische Seite ein bisschen an den Rand geschoben und wollte eine solidere Karriere haben. Also habe ich Raumplanung an der BOKU studiert." Dieser Weg hat sie bis nach New Orleans geführt, wo sie den Master in Urban Planning gemacht hat. Nach der Rückkehr nach Wien 2015 ist die Kunst aber auch abseits von kleineren Illustrations-Jobs zurückgekommen.

Die Botschaften sind mittlerweile mehr geworden, wer Strasser kennenlernt, hat zusätzlich aber noch das Gefühl einer weiteren Botschaft: Als ob alles ein bisschen hübsch und verspielt sein sollte, um Spaß zu machen. Denn sogar die Stille, wenn ein Fisch gehalten wird, wirkt auf ihren Illustrationen zierlich.

POSTMINIMAL gibt es auf der EIGENEN SEITE, bei diversen HÄNDLERN und im ETSY-SHOP.

 

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