NOCH MEHR KULTUR

Do androids dream of electric cowboys?

westworldAlles begann 1973 mit dem Sci-fi-Western-Abenteuer "Westworld" unter der Regie Michael Crichtons, dessen Buch "Jurrasic Park" von Steven Spielberg zwei Jahrzehnte später verfilmt werden sollte und zu einem Klassiker der Filmgeschichte wurde. Aber es sollte nicht bei nur einem Film bleiben, denn 1976, nur wenige Jahre später, erschien "Futureworld", eine Fortsetzung und Vertiefung der Themen aus dem Vorgänger. Diesmal führte Richard T. Heffron ("I will Fight No More Forever", "La Révolution Française") Regie. Vor allem der für seine Darbietungen in "The Magnificient Seven", "The Ten Commandements" und "The King and I" bekannte Yul Brynner überzeugte sowohl in "West-" als auch in "Futureworld", die bist heute als Kult gelten.

Der erste Versuch einer Fernsehserie Anfang der 80er-Jahre blieb relativ erfolglos, erst Ende 2016 gelang der Durchbruch im Hause HBO, das sich mit "Westworld", im Hinblick auf das absehbare Auslaufen ihrer Hitserie "Game of Thrones", ein weiteres Mal als Produzent von herausragenden Serien den Thron der Fernsehunterhalter erkämpfen will. Nach 10 Folgen, welche die erste Staffel der Serie bilden, ist bereits festzustellen, dass hier wohl wieder Fernsehgeschichte geschrieben wird.

Allein die Tatsache, dass zwei der Hauptdarsteller Sir Anthony Hopkins und Ed Harris heißen, sollte schon einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber anstatt einsame Spitzen zu sein, reihen sich ihre grandiosen Darstellungen ein in eine ganze Reihe an tollen schauspielerischen Leistungen innerhalb der Serie.

Längst geht es um weit mehr als Roboter, die als Cowboys verkleidet Amok laufen. Es geht um Menschlichkeit und was diese eigentlich ausmacht. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen sei gesagt, dass zum Beispiel Ridley Scotts "Bladerunner" eindeutig als große Inspirationsquelle gedient hat. Crichtons Lieblingsszenario, sein Faible für Freizeitparks, die sich nach unvorhergesehenen Ereignissen als Horrorszenarios entpuppen, wird hier ebenfalls stark verdeutlicht. Doch statt destruktiven Dinosauriern, die munter Mitmenschen malträtieren, sind es hier aggressive Androiden, die mit ihrer Gesamtsituation als unfreiwillige Unterhalter tyrannischer Touristen unzufrieden sind. Doch nicht nur der narrative hochkomplexe Inhalt der Serie weiß zu überzeugen, auch die Art der Präsentation, wie mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt wird, offenbart sich hier als Produkt einer Meisterklasse.

Neben der zweiten Staffel der Phillip K. Dick Adaption "The Man in the High Castle" definitiv ein Highlight des Serienjahres 2016. Es bleibt spannend, denn die zweite Staffel der Serie sollte gegen Ende diesen Jahres erscheinen und wieder einige "Bingewatching"-Sessions verschulden. "Westworld" wirkt dunkel und erfrischend aggressiv, ein Karrieresprungbrett für seine jüngeren und noch unbekannteren DarstellerInnen und eine weitere großartige Performance für seine bekannten Gesichter, die sich hinter Weltklassikern nicht zu verstecken braucht. Definitiv für Enthusiasten der Science-Fiction aber auch für Freunde von generell hochgradig niveauvollem Schauspiel zu empfehlen.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
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