NOCH MEHR KULTUR

Tom Hardys ewiger Hunger

taboo"Among christian soldiers it is costumary to bury the bodies of your fallen enemy... to shoo away the dogs and crows that come for the carrion... not kneel down beside them."

Dieser Satz beschreibt mit seiner poetischen Eleganz, aber gleichzeitig auch unheimlichen Aura der Verdammnis, perfekt die Stimmung der Serie "Taboo". Er beschreibt nicht nur einen tabuisierten Aspekt, sondern gleich mehrere, da er Anspielungen auf Religion und Kannibalismus beinhaltet, die neben Inzest, Hochverrat, Ehen von Briten mit amerikanischen Ureinwohnern, Rache und Sklavenhandel nur einige die Vielzahl an Aspekten sind, die man auf den ersten Blick als Tabu erkennen kann. Um den Serientitel jedoch vollends zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass er eine Anspielung auf F.W. Murnaus "Tabu: A Story of the South Seas" (1931) und Miguel Gomes' Liebesgeschichte im Kolonial-Setting "Tabu" (2012) ist, in denen es ebenfalls, unter anderem, um verbotene Liebe geht.

Tom Hardy, sein Vater Chips Hardy und Steven Knight haben in einer Produktion von Ridley Scott eine Serie mit eigenem Flair und frischen Ideen hervorgebracht, die sich qualitativ nicht hinter irgendeinem Konkurrenten zu verstecken braucht (Stand: Folge 6 von 8).

1814, viele Jahre nach seinem Verschwinden in Afrika kehrt James Keziah Delaney (Tom Hardy) rechtzeitig zur Beerdigung seines Vaters nach London zurück. Seine Rückkehr ist wie der Startschuss für eine infernalische Maschinerie aus Intrigen, Hass und mitunter sogar Idealismus. Sein unerwartetes Auftauchen und die Informationen, die er mit sich bringt, durchkreuzen die Pläne der mächtigen "East India Company", die es auf eine gewisses Stück Land seines Vaters in der neuen Welt abgesehen hat, das auch ein wichtiger Handelsposten für die sich mit Großbritannien im Krieg befindlichen "Vereinigten Staaten von Amerika" ist. Der Besitz dieses Stück Landes macht ihn zum rechtmäßigen Besitzer der später "Vancouver Island" genannten Landmasse vor der Küste Amerikas und schon bald wird darüber erstes Blut vergossen. Ist Delaney nur ein verwilderter Wahnsinniger, oder spielt er nicht eher ein meisterhaftes Spiel des Tricksens und Täuschens, in das nicht nur mächtige Handelsfirmen, sondern auch die englische Krone und die jungen U.S.A. hineingezogen werden? Die Antwort liegt recht schnell klar auf der Hand.

In den ersten Folgen wirkt Hardys Schauspiel unglaublich einschüchternd und aggressiv. Er wirkt wie eine Videospieler, der ein Spiel zum hundertsten Mal durchspielt, während andere mühsam in das Spiel hineinfinden müssen. Er leistet neben David Hayman, als Delanys Butler Brace, und Jonathan Pryce, als mächtigen Kopf der "East India" Sir Stuart Strange, hervorragende Arbeit. Auch Franka Potentes Darbietung als Hafenprostituierte Helga ist stimmig. Doch dies sind lediglich ein paar Beispiele aus dem tollen Ensemble. Die Chemie zwischen die Charakteren stimmt einfach, wobei sie häufig eher korrodierender Natur ist.

Mit nur noch zwei Folgen der Miniserie ausstehend, bleibt hier nur zu sagen, das viele schon sehnsüchtig auf das Finale warten, unter anderem, aber nicht nur, weil Hardys Hinweise auf dessen Inhalt wirklich Lust auf mehr machen. Ich denke, dass das Format einer Miniserie wirklich viel zu selten genutzt wird und bin sehr froh darüber, wie gut es für "Taboo" funktioniert. Der Erfolg oder Misserfolg der Serie wird in Zukunft wohl darüber bestimmen, ob weitere Projekte aus dem Hause Hardy und Hardy zu sehen sein werden und ich persönlich würde ersteres bevorzugen.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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