NOCH MEHR KULTUR

Unsinn & Seifenschaum

Aufregung: neue Lebenswege. Ablenkung: Teetrinken oder Siebenstern? Die Vorstellung Tee zu trinken und literweise "Innere Balance" aufgelöst in heißem Wasser in mich hineinzuschütten, ist zwar verlockend, diesmal gewinnt aber die Kultur. Also raus aus dem Bett und rein in die Poesie – nicht im eigenen, sondern im gemütlichen 7Stern-Wohnzimmer in der Siebensterngasse des 7. Wiener Gemeindebezirks.

Vergangenen Dienstag, den 21.3.2017, gastierte die Lesebühne Sinn & Seife - Die Poetry Soap, veranstaltet von FOMP, zum bereits achten Mal im Kulturzentrum 7Stern. Sieben WG-Mitglieder, allesamt Schriftsteller und Schriftstellerinnen, Poetry Slammerinnen und Poetry Slammer, erzählen monatlich von Sinn und Unsinn des Lebens. Sie erschaffen eine Seifenoper mit Schönheitssinn für Sprachkunst, finden auf der Suche nach dem Sinn die Seife und schildern in Seifenschaum aufgehende Träume, die platzen wie Seifenblasen – das macht aber nichts, denn Träume sind Schäume.

siebenstern01Zwischen Makava & Musik.
Zwischen Alltag & Abenteuer.
Zwischen Unistress & Liebelein.
Zwischen Frühlingsluft & Traurigkeit.
Zwischen Harmonie & Disharmonie.
Zwischen Sieben & Stern.
Zwischen Sinn & Seife eben.

Bei Wein und Kuchen findet sich an besagtem Dienstag ein großteils junges Publikum im sehr vollen Wohnzimmer ein, um Sprachbildern und Wortkunst zu lauschen. Schon nach wenigen Minuten taucht man in die Dichtkunst ein und wird fortgetragen in eine Welt voller Sprachmusik und Wortwitz. An diesem Abend entführen drei der sieben Bewohnern und Bewohnerinnen, Markus Köhle, Yasmo, Christian Hütmannsberger, und ein Couchsurfer namens Jean-Philippe Kindler, in wirklichkeitsgetreu erfundene Welten. Yasmo moderiert durch den Abend, wobei Jophi Kindler als Deutscher einige Witze auf seine Kappe nehmen muss. Ach, dieses ewige Ösi-Piefke-Gezanke! Beiseite.

siebenstern02Den Abend eröffnet Christopher Hütmannsberger und raunt mit wunderbar tiefer Stimme den "Skandal der Woche" ins Mikrofon. Dafür wurden im vergangenen Monat als Gerüst der Geschichte Worte aus dem Publikum gesammelt. Christopher nimmt uns mit auf eine Kanufahrt in das eisig-kalte Schweden, Nebel und ein türkischer Präsident kommen darin vor. Gelächter, Beifall und Neugierde, auf das was noch kommt, folgen.

Der Gast-Poet ergreift das Wort und erobert sogleich die Herzen des Publikums mit einer Liebeserklärung an das Perfekte des Unperfekten. Ein Text über Schönheitsideale, der fettfreien Käse verpönt – und das im schönsten Wortlaut. Applaus, Lachen, Pfiffe aus dem Publikum.

siebenstern03So wechseln sich die drei Sprachkünstler ab, philosophieren über Schminktipps und Trinkgewohnheiten, bis es Zeit wird für die Gutenachtgeschichte: ein Western von Markus Köhle. Ein Text über einen Reiter und sein Pferd auf der Flucht und ihren Kampf um das Überleben in der Wüste. Dieses lässt sie zu drastischen Mitteln greifen, mit denen sie sich gegenseitig vor dem Verhungern retten. So bleibt am Ende jedoch nicht mehr viel von ihnen übrig.

Von dem Abend im 7Stern bleibt die Liebe zu Literatur und Sprache. Das Publikum verließ das Wohnzimmer mit einem Lächeln. Ideen und Emotionen schwirren mit den Gedanken durch den Kopf. Für mehr davon muss man zum Glück nicht allzu lange warten. Poetry Slam-Fans aufgepasst: Die nächste Gelegenheit die sinnvolle Seifenoper zu besuchen bietet sich am 25. April bei Eintrittspreisen von 11€ bzw. 8€ (ermäßigt).

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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