NOCH MEHR KULTUR

U.S. Konsumwahn oder zurückgekehrter Brauch?

chrishalloween01Schon seit fast zwanzig Jahren ist Halloween fixer Teil der Party und Veranstaltungswelt Österreichs, jährlich werden am 31. Oktober Kürbisschnitzwerkstätten, Umzüge, Stadtführungen und Partys in Großraumdiskos unter dem Motto "Horror" veranstaltet und doch besteht noch immer die Frage, ob denn Halloween ein österreichischer Brauch ist, oder lediglich ein Stück amerikanischer Konsumkultur, die irgendwann zu uns übergeschwappt ist.

Sagen wir einmal super schwammig darauf: Jein. Denn während schon unsere Großeltern "Kürbisfeste" feierten und "Allerseelen" der Toten bedachten, so ist dem heutigen Halloween eindeutig der (anglo)-amerikanische Einfluss anzusehen. Denn viele der mit Halloween verbundenen Charaktere haben eindeutig ihren Ursprung in der amerikanischen Popkultur. Mittlerweile gibt es hier ja das interessante Phänomen, dass Horrorfilme, die einst Halloween als stimmigen Background verwendeten (allen voran John Carpenters "Halloween"-Reihe), nun selber ein fixer Bestandteil des Halloween Pantheons wurden, der nichtmehr wegzudenken ist. Graf Dracula, die Mumie, Frankensteins Monster, der Wolfmensch und die Bestie bilden hier wohl die erste Generation, während Michael Myers, Jason Vorhees und Freddy Kruger bereits selber längst von der alten Schule sind.

Wie dem auch sei. Ich finde, dass man hier dem gesellschaftlichen Wandel beachten sollte, hier hat das Bundesministerium für Inneres ganz gut entschieden. Und auch ein Fest willkommen heißen, dass nicht ganz ursprünglich österreichisch ist. Wo ist denn auch der Schaden dabei?

Da dies nun geklärt ist (so einfach kann es gehen, wenn man nur einen Monolog hält), möchte ich nun noch eine Leseempfehlung für Halloween abgeben, und zwar Ray Bradbury‘s Klassiker "The Halloween Tree", der hierzulande viel zu wenig Beachtung bekommt. Eine Gruppe von Jungen wagt sich zu Halloween zum gruseligsten Haus der Stadt, sein Bewohner, Chitinus Charybtis Downground, weiß absolut alles über Halloween und um ihren Freund zu retten, beginnen sie mit ihm eine Jagd durch die Jahrtausende. Vom kulturellen Ursprung des Verlangens nach Halloween bis zu anderen Kulturen und ihren Halloweenfeiern im 20. Jahrhundert wird alles abgedeckt.

Bradbury, der Meister der Robotergeschichten, zeigt sich hier von seiner magisch-gruseligen Seite und zeichnet ein wunderbares Bild von Halloween, das auch mich einst in seinen Bann zog und von einem einfachen Halloween Fan zu einem glühenden Anhänger des Feiertags machte. Bis heute habe ich das Buch wohl mindestens zehn Mal gelesen und es ist aus meinen Oktobernachmittagen nicht mehr wegzudenken.

Also lasst euch nicht den Spaß von Maskottchen-Vernehmern und Legomännchen-Kontrolleuren verderben und zeigt euer Schaurigstes an Halloween!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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