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There are no ugly women, only lazy ones

rubinstein03Gelebt hat Helena Rubinstein Zeit ihres Lebens in Krakau, New York, Paris, London und vielen anderen Städten und Ländern. Ihr Lebensweg und ihre Geschichte lassen deutlich erkennen, dass sie mit viel Ehrgeiz, Mut und Selbstbewusstsein gesegnet war. Mit nur 16 Jahren verließ sie ihr Heimatland Polen, machte einen längeren Zwischenstopp in Wien, worüber nicht viel bekannt ist, um schlussendlich ihren ersten Schönheitssalon in Melbourne zu eröffnen, was der Grundstein für ihr späteres Vermögen war und sie zur reichsten Frau der Welt machen sollte.

Nach Australien kehrte sie nach Europa zurück und baute ihr Imperium auf und aus. In jeder neuen Stadt, in der sie einen Salon eröffnete, blieb ein Familienmitglied zurück, um die weiteren Geschäfte zu führen. So war fast ihre gesamte Familie (sie hatte insgesamt alleine acht Schwestern, inklusive deren Ehemänner sowie ihrer Kinder) in Rubinsteins Unternehmen beschäftigt. Diesen Usus praktizierten auch andere traditionsreiche und bekannte jüdische Familienunternehmen, wie etwa die Rothschilds oder die Ephrussis. Helena Rubinstein selbst war als Aushängeschild für die Firma tätig. Sie war bis ins hohe Alter sehr gepflegt und eitel. Bereits damals ließ sie Fotos von ihr retuschieren.

rubinstein02Es steckte vermutlich ein hohes Maß an Selbstvermarktung hinter ihrem Auftreten, was die Madame (so wurde sie von allen angesprochen) noch genialer erscheinen lässt. So wie die Anekdote, dass sie in New York eine Wohnung mieten wollte, die ihr aus antisemitischen Gründen verweigert wurde, woraufhin sie das gesamte Gebäude (36 Stockwerke) kaufte. Oder Bilder von ihr im Arztkittel im Labor der eigenen Firma, die darstellen sollten, dass sie Wissenschaftlerin sei, dass hier wissenschaftlich gearbeitet wird und deswegen auf ihre Produkte Verlass sei.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum zeigt viele Fotos von ihr, von ihren Schönheitssalons, von ihren unzähligen Häusern und Wohnungen. Sie zeigt alte Schminkdöschen und ihr jeweiliges Design und drückt damit Helena Rubinsteins Sinn für Ästhetik und Anschaulichkeit aus. Das alles vermittelt ein abgerundetes Bild von ihr und der Kosmetikmarke. Genauso wie der Fakt, dass sie auch in den Vereinigten Staaten immer wieder mit Antisemitismus zu kämpfen hatte.

Helena Rubinstein förderte Kunst und Künstler*innen, investierte in Immobilien und Schmuck, protegierte junge Designer und blieb ihnen treu, förderte die Wissenschaften, leitete ein riesen Unternehmen mit etwa 30.000 Angestellten, konnte knallhart verhandeln und ging am Weg nach oben bestimmt auch über Leichen. Wenn man ihren Namen nicht erwähnen würde, würde man glauben, dass sei das Leben eines Mannes gewesen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Mai 2018 im Jüdischen Museum am Judenplatz 8 zu sehen.

 

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