Oleg Soulimenko: Swimming Pool

Am 14. Januar lud das Brut zur Uraufführung von "Swimming Pool" ins nächtliche Jögerbad ein: Die auf drei Etagen zur Aufführung gebrachte Performance-Choreographie des russischen Künstlers Oleg Soulimenko lud zur Übung ein, nicht alles sofort verstehen und mit Sinn aufladen zu wollen, sondern zu erforschen, zuzuhören und -zuschauen und sich dem atmosphärischen Performancesog, der Wärme und der nahezu hypnotischen Wasseroberfläche auszusetzen und hinzugeben.

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"Ich bewege meinen Körper um andere Körper in Bewegung zu versetzen", sagt Soulimenko nach einer kurzen Geschichte an der Schlüsselausgabe des Bads, bevor sich die Schwimmhallen für die Besucher*innen öffnen:

Dort liegt das Becken des über 100 Jahre alten Jörgerbads bei Nacht bizarr unheimlich aber anmutig still da, bis vier der Performer*innen, darunter Soulimenko, das Becken betreten, sich zueinander drehen und beginnen, mit dem Mund Wasser zu sprudeln. Diese unerwartet komische Geste wird nicht die letzte ihrer Art an diesem Abend bleiben und markiert den Beginn einer durchchoreographierten Szenenlandschaft, in der keine Bewegung oder Beobachtung unabsichtlich zu passieren scheint: Ein Spiel von Körpern in Relationen, bekleidet oder weniger bekleidet, in Absprache und Zusammenspiel ohne tatsächlich gesprochenem Wort, entfaltet sich langsam.

swimmingpool02Doch nicht nur das Visuelle spielt eine tragende Rolle: Große Teile der gleichzeitig abstrakten aber auch soghaft sinnlichen Atmosphäre entstehen durch fast fremdartige, ab- und anschwellende Geräusche, dem Reißen und Rauschen des Abflusses, Wasser, das zuerst langsam und dann stärker, unter Beobachtung der Darsteller*innen, zu fließen beginnt, Klatschen und Schlägen auf der Beckenoberfläche und dem Rascheln von Folien, die sich durch Rutschen zwängen oder am Beckenrand wälzen. Oft entfaltet sich die Schönheit der Darstellung auch in kleinen Details, wenn eine Performerin Dinge aus dem Abfluss fischt, Wasser in einem Beutel ins Becken geleert wird, einer abrupten Bewegung, oder einer unerwarteten Handlung.

Im zweiten Stock und nun mit Aufsicht auf das Hauptbecken beginnt die nahezu hypnotisierende Wasseroberfläche und Wärme des Bads ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Präsenz des Wassers, das die Körper der Performer*innen umschließt, und sinnlich andächtige Augenblicke, in denen das Anziehen von Kleidung und deren Reibung auf der Haut in scheinbar endlosen Momenten eingefangen wird, verschmelzen zu einer langsamen Poetik des Raums, bis eine auf und zuschlagende Kabinentür abrupt zum weiteren Erforschen einlädt, denn auch dort sind Performer*innen versteckt.

swimmingpool03Die Szenen des Abends laufen gleichzeitig ab, was fast zu der Entscheidungsnot führt, welcher Teil zuerst erforscht werden soll, ob man dem Entstehen einer Unterwasser-Ausstellung zusieht, oder die Kabinen durchsucht.

Schließlich verlassen die Darsteller*innen nach einer Gruppenbeckenperformance die Halle und beginnen in Dauerschleife ein Abspannlied über das Schwimmen live zu performen, bis alle Zuseher*innen die Halle verlassen haben.

Die Performance hinterlässt letztendlich ein ambivalentes Gefühl, das aus der Zerrissenheit zwischen dem Drang, alle Ebenen des Bads abzugehen und in den Kabinen nach Darsteller*innen und Projektionen zu suchen, oder hypnotisiert von Wasseroberfläche und Wärme und der Bewegung der durchchoreographierten Abläufe der Hauptperformance, stehen zu bleiben und ruhig zu werden, sich zu öffnen und auf die Bilder einzulassen, entstanden ist.

Für eingeschweißte Fans von selbst zu erforschenden Performanceräumen und experimentierfreudige Performanceneulinge gibt es daher eine wärmste Empfehlung. Weitere Termine finden am 21.01., 04.02., 11.02. und 18.02. statt.