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Der Krieg der Sprache

Der bedenkliche Begriff "Gutmensch" geistert im deutschsprachigen Raum nicht erst seit der Ära Haider herum und international ist spätestens seit der Gamergate-Affäre der Begriff "Social Justice Warrior", kurz "SJW", auf internationaler Ebene aufgetaucht. Beide Begriffe beschreiben ähnliche Konzepte und haben ähnliche Mitte-rechts- bis Rechts-außen-Ursprünge.

Unapologetische BenutzerInnen dieser Begriffe meinen selbstverständlich das Gegenteil damit, denn niemand würde es verurteilen, oder als negativ bewerten, "gut" zu sein, oder für "social justice" einzustehen, oder?

kriegdersprache

Ob diese Begriffe sinnvoll sind, oder doch nicht sinnentleerte Worthülsen, ist eine Diskussion ohne Ende. Doch was unterschwellig mit Sprache und Wortassoziationen angestellt wird, ist auf jeden Fall bedenklich - bedenkt man das Umfeld aus dem sie kommen und den Kontext in welchem sie hauptsächlich verwendet werden. Sowohl Umfeld als auch Kontext sind kaum klar definiert, somit beiderlei Begriffe scheinbar wahllos umhergeworfen werden. UmweltaktivistIn? Gutmensch! Jemand, der behauptet, Videospiele seien Kunst? Vorsicht, ein SJW! Es scheint keine Grenzen zu geben, wer oder was zu diesen Gruppen gehören kann. Das einzige Merkmal, welches alle Ziele dieser Begrifflichkeiten zu teilen scheinen, ist eine linke und liberale Weltsicht.

Zum Nachdenken regt die Tatsache an, dass es ja immer schon auch andere Wörter gab, die Verwendung fanden. Das deutsche "scheinheilig" hat sein englischsprachiges Pendant in der "hypocrisy". Warum also werden der "Gutmensch" und der "SJW" in manchen Kreisen so hochgehalten, während andere Begriffe so stiefmütterlich wie nichteheliche Kinder von kirchlichen Würdenträgern behandelt werden? Ist dieser Umstand schlicht und ergreifend der "unpolitischen" Sprach- und Ausdrucksvielfalt zuzuschreiben? Zufall also? Oder hat es doch mehr damit zu tun, dass in konservativen Kreisen Begriffe, die in der Nähe des Klerus zu suchen sind, doch eher bewusst gemieden werden, weil man sich sonst an einige unschöne Teile seiner eigenen Ideologie erinnert fühlt?

Das Hauptproblem der Sache ist jedoch ein ganz anderes. So wie ich es sehe, werden mit inflationärem und unreflektiertem Gebrauch Definitionen von "Gut" und "Gerechtigkeit" unterminiert, bis sie nur noch mit zynischer Assoziation gesehen werden. Langsam werden hier Grundwerte der Demokratie untergraben - und zwar mit den Mitteln der Demokratie. "Man wird da ja noch wohl sagen dürfen" beinhaltet die unterschwellige Botschaft, Angst vor Zensur durch die anderen (das sind wahlweise StaatskünstlerInnen, die Medien, Reptiloiden, Chemtrails oder Aliens) zu haben, wobei man hier Kritik an der eigenen Meinung mit einem Verbot dieser gleichstellt.

All diese Gründe sind wichtige Hinweise, warum es notwendig ist, den eigenen Sprachgebrauch gründlich zu überdenken und das Konzept "das ist halt so" aus seinem Denkmuster zu streichen. 

 

Wien. Mehr Kultur.
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