NOCH MEHR KULTUR

Neu hier - Instagram, ich komme!

chrisinstagramSoziale Medien sind im Jahr 2018 längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und ich bin mir sicher, dass weitaus fähigere und kundigere Soziologen, Medientheoretiker und auch Kultur- und Sozialanthropologen schon beträchtlich umfassendere Beobachtungen zu diesem Thema angestellt haben, als ich es je könnte. Dennoch denke ich, dass ein Faktor meine Beobachtungen dennoch interessant macht. Nämlich der Umstand, dass ich erst seit zwei Monaten aktiv auf Instagram bin. Gerade wegen der Neuartigkeit, die dieses Medium noch für mich mit sich bringt, denke ich, fallen mir Dinge auf, die Menschen, welche diese Netzwerke seit längerer Zeit nutzen, vielleicht gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Zum einen ist es für mich doch noch sehr befremdlich, was Leute alles mit der Welt teilen wollen, in welchem Format sie dies tun und wie der Inszenierungskanon, eine Art „how to behave on Instagram“, dieser Medien alle Menschen dazu bringt, vorgefertigte Internetpersönlichkeiten anzunehmen. Es scheint so, als ob die Natur des Mediums selbst einen dazu bringt, sich zu einem gewissen Grad zu verstellen, anzupassen, einzureihen. Dies fällt vor allem dann auf, wenn man sich die Profile von Menschen ansieht, von denen man annimmt, gänzlich unterschiedliche Meinungen und Perspektiven zu haben. Da ist es einfach augenscheinlich, wie sich ein Mitte-40-Untergrund-Rapper nur marginal anders präsentiert als ein Hollywood-Schauspieler Anfang 20. Das Schema „Bild plus ein wenig Text und viele Emojis“ ist ubiquitär.

Doch wozu die ganze Sache? Diese Beobachtungen sollen keineswegs bedeuten, dass Instagram negativ ist, es sind neutrale Beobachtungen. Ganz im Gegenteil – ich bin sehr angetan von dem Portal. Nirgendwo sonst habe ich so viele Möglichkeiten gesehen, sich zum Beispiel über Tätowierer und deren Portfolios zu informieren und wenn man diesen folgt, auch schnell spontane Termine zu erhaschen. Oder zum Beispiel die Accounts einiger Filmlegenden, wie die des Maskenbildners Tom Savini (die meisten werden ihn als Sex Machine aus „From Dusk Till Dawn“ kennen), der noch nie gesehene private Fotos von Filmdrehs postet. Interessant und wertvoll für Cineasten und Fans der Filmschaffenden.

In Sachen komödiantischer Trends ist man auf Instagram ebenfalls ganz vorne mit dabei. Nirgends wird man so schnell mit Memes, nihilistischem Humor in Form von Comics a la Joan Cornellà, oder der neuesten Vong-Speak versorgt. Für Tättoofans mit dickerer Haut (Achtung, Wortwitz) und einer gesunden Portion Selbstironie ist die IG-Seite tattoofrei.de auch sehr zu empfehlen.

Auch nicht geringzuschätzen ist die zwischenmenschliche Komponente, denn genauso, wie man sich mit Fremden im Internet beflegeln kann, kann man sich auch mit Freunden, die man leider selten sieht, so Kontakt pflegen.

Ich bin mir übrigens durchaus im Klaren darüber, dass es etwas Ironisches an sich hat, dass der Artikel nicht nur auf Instagram beworben wird, sondern auch, dass ich mir schon angewöhnt habe, meine Artikel bei meinen Followern zu bewerben - zu „regrammen“. So wird Instagram beim Verbreiten von Analysen seiner selbst zum medialen Perpetuum Mobile.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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