NOCH MEHR KULTUR

Morbide Museen

morbideswien03Für mich hat die "Lange Nacht der Museen" nicht nur den Charme, sehr günstig viele verschiedene Museen bis spät in die Nacht besichtigen zu können – sie läutet für mich auch die gruseligste Zeit des Jahres ein, wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden.

HOLTER-DI-FOLTER
Das erste Museum, das ich vorstellen möchte, ist das zwar allseits bekannte, aber wie ich finde, viel zu selten besprochene Foltermuseum. In der Nähe vom Haus des Meeres angesiedelt, hat dieser umgebaute Zweiter-Weltkriegs-Bunker des Naziregimes einen ganz eigenen Trash-Charme und auch durch eben diesen Standort ergibt sich ein interessanter Metakontext aus Museumsstandort und Ausstellungsinhalt. Der Ausstellungsshop ist überschaubar und wenig abwechslungsreich (man kann nur eine gewisse Anzahl an Totenkopfaschenbechern sehen, bevor es langweilig wird) und die Ausstellung selbst ist auch ein wenig statisch mit seinen nur durch mangelnde künstlerische Begabung der MacherInnen gruselig wirkenden Figuren, die es wohl nicht einmal in eine zeitgenössische Kindergeisterbahn schaffen würden. Nichtsdestotrotz kann man ruhig einmal reingehen, der von Amnesty International organisierte Teil der Ausstellung zum Thema der aktuellen Lage rund um Folter ist immerhin recht informativ.

DRAH DI NED UM
Das Wiener Kriminalmuseum ist wirklich ein Schatz. Für gerade mal 6 Euro bekommt man in der lauschigen Großen Sperlgasse im 2. Bezirk so einiges geboten. Mord und Totschlag, Gift und Enthauptungen, morbides Wiener Herz, was willst du mehr? Hier wird ungeschönt und unzensiert so mancher Tatort gezeigt, der einem/einer sogar ein wenig auf den Magen schlagen könnte. Aber nicht nur verschiedenste Mordarten werden gezeigt, sondern auch Morde im Wandel der Zeiten, von der Neuzeit bis in die Gegenwart sind repräsentiert. Übrigens sind nicht nur Tatwaffen und Mordopfer dokumentiert, sondern auch die Köpfe einiger hingerichteter Mörder ausgestellt.

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ORGANISIERTE ORGANE
Der Narrenturm braucht wohl den wenigsten LeserInnen vorgestellt werden, liegt er doch am Rande des alten AKH Universitätscampus unübersehbar rund und närrisch im Gegensatz zu den anderen Gebäuden. Die darin befindliche anatomische Sammlung ist ebenfalls nichts für schwache Nerven, sind hier doch auch einige weniger ansehnliche Präparate von zum Beispiel Raucherlungen oder von Wunden, die von Strom-Unfällen herrühren, ausgestellt. Der Museumsshop hat überraschenderweise trotz sonst eher ernster Atmosphäre (es herrscht striktes Fotografieverbot) ein interessantes Angebot an Pulp- und Trashliteratur anzubieten. Abgesehen davon ist auch dort das Begleitbuch zur Geschichte des Narrenturms und seiner Sammlung erhältlich, das den passenden Namen "Faszination und Ekel" trägt.

morbideswien01FRIEDLICH
Mein absolutes Lieblingsmuseum ist allerdings das Bestattungsmuseum am "Wiener Zentralfriedhof". Ja noch "zentraler" geht es wirklich kaum, nämlich gleich bei Tor 2 ist das kleine, aber feine Museum gelegen. Apropos "gelegen": einer der größten Highlights der "Langen Nacht der Museen" war selbstverständlich das Sargprobeliegen, bei dem gleich drei Modelle drauf warteten, einem die letzte Ruhe ein wenig bequemer zu gestalten. Die Ausstellungsstücke des Museums beinhalten einige Kuriositäten aus der Geschichte der Bestattungsriten in Wien, wie etwa einen mehrfach einsetzbaren Sarg oder auch die berühmte Grabesklingel, mit der man sichergehen wollte, niemanden lebendig unter die Erde gebracht zu haben, hallo Taphephobie! Der Museumsshop ist voll herrlicher morbider Kuriositäten, von "Totenkopfpasta" bis zur originalen "Wiener Leichentram" aus Lego. Und wer sich in kompletter Dunkelheit nicht fürchtet, kann anschließend an den Besuch des Museums ebenfalls einen Spaziergang über den Friedhof unternehmen, doch sollte man nicht allzu weit vom Weg abkommen.

Wer nicht gewusst hat, wie er sich vor Halloween noch so richtig in Gruselstimmung versetzen kann, dem ist hiermit hoffentlich Inspiration geboten.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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