NOCH MEHR KULTUR

Kultur und Christkind

Nina Vasilchenko. Den Namen kennen wohl noch nicht viele Wienerinnen, aber was ihre Kunst ausmacht, kann sich jeder dieses Wochenende am Christkindlmarkt "Stadtklang" in Ottakring ansehen.

ninaweihnachtsmarkt

Aber zurück zum Anfang. Kunst am Christkindlmarkt ist nicht metaphorisch gemeint, dass in einer Ecke jemand unbemerkt Bilder verkauft. STADTKLANG ist ein eigener Christkindlmarkt, der sich auf Kunst und Kultur konzentriert, nachhaltige Produkte hat und sich auf die Hintergründe konzentriert. Der Gedanke kam daher, dass Weihnachten zu sehr vom Konsum gesteuert ist und Menschen sich oftmals mehr Nachhaltigkeit und Nutzen von Produkten wünschen. Deshalb wird der Markt mit Kunst und Kulturangeboten gekoppelt, es gibt immer ausstellende KünstlerInnen, Konzerte und permanente Kinderbetreuung – damit auch Eltern mal kurz Ruhe für einen Punsch haben. Die Programmaufteilung ist einfach: Kunst am Freitag, Musik am Samstag und Sonntags gibt es den Fokus auf Familienausflüge. Damit wäre zumindest das klar gestellt.

IMG-20181130-WA0014Und nun zurück zur Kunst. Nina Vasilchenko ist dieses Wochenende eine der ausstellenden Künstlerinnen. Eigentlich lebt die Architekturstudentin in Salzburg und arbeitet viel an der Konstruktion von Räumen für Theater, gleichzeitig aber auch mit Fotografie. Und genau die ist jetzt auch in Wien zu sehen.

ARCHITEKTUR ALS LEITMOTIV
Spannend an dem Konzept ist, dass die Fotografie die Basis für räumliche Umsetzung ist. Hier eine Linie, dort eine Linie. Allerdings nicht nur als Leitmotiv in den Bildern, sondern auch in der Gestaltung des Ausstellungsraumes. Viele der Fotos konzentrieren sich auf Detail, zoomen in unterschiedlichen Stufen auf Fenster oder Wände, bis das Gesamtobjekt dekonstruiert wird. Was dabei als spannende Bilder auf Papier gebannt wird und einen neuen Blickwinkel auf die Welt anbietet, steht aber auch in einem größeren Kontext. So finden sich einzelne architektonische Muster in der Kleidung von Menschen wieder, oftmals ist diese durch die Nähe gar nicht als Kleidung erkennbar. Diese Bilder werden in Kontrast zu einander gesetzt.

UNTERSCHWELLIGE GESELLSCHAFTSKRITIK
Neben den manchmal unmerklichen Vergleichen, steckt aber noch ein größeres Konzept dahinter. Die Fotos von diesem Wochenende sind in sieben Tagen in Italien, hauptsächlich in Rom entstanden. Einerseits gibt es dadurch viele Epochen und Baustile, gleichzeitig aber auch aktuelle Gesellschaftskritik. So sind unter den Bildern Fotos des Pradagebäudes, die in einem – optisch – Rennaisance-geprägten Gebäude untergebracht sind. Auf die unterschiedlichen Details dieses Hauses folgen allerdings Ausschnitte eines Mistplatzes, Konsumkritik auf subtile Weise also. Ebenso werden Ausschnitte der Villa Massimo gezeigt – dicht gefolgt von einem Fresko eines Hakenkreuzes. Denn die Villa bietet zwar Kulturstipendien für KünstlerInnen an und stellt quasi Kost und Logis, um freies Arbeiten zu ermöglichen. Frauen dürfen allerdings nicht hinein.

IMG-20181130-WA0011Die Kritik an unbequemen Umständen ist ohne das Wissen darum in den Fotos oft nur schwer zu erkennen. Trotzdem sind diese Gedanken für Vasilchenkos Kunst prägend und geben ihren Werken – wenn man es weiß – eine zusätzliche Dimension. Spannend ist dabei ihr Bewusstsein für Probleme, beispielsweise sollen die Nahaufnahmen von Treppen auf die mangelnde Barrierefreiheit der Stadt Rom hinweisen. Ähnlich detailliert ist aber auch die Konstruktion. Denn die sagen wir Kurzzeit-Ausstellung in Wien findet eigentlich nur in einem Zelt am Christkindlmarkt statt, weiße Wände sind die gesamte Oberfläche. Statt einer dreidimensionalen Aufbereitung, in der Decke und Boden berücksichtigt werden, musste das Konzept also geändert werden. Herausgekommen sind dabei Linien aus Fotos durch den Raum. Sie trennen die Wände, stellen den Ablauf der Reise dar und bringen zusammengehörende Fotos in direkten Kontrast zueinander.

Wer es nicht dieses Wochenende nach Ottakring schafft, kann dann zwar nicht mehr Vasilchenkos Kunst sehen, künstlerische Angebote gibt es dort allerdings immer. Und notfalls können Vasilchenkos Werke im Februar in Tiflis im Museum angesehen werden – also, wenn der Weg nicht zu weit ist. Falls doch, sollte man einfach heute noch schnell hinschauen, es gibt schließlich auch Punsch zum Aufwärmen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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