NOCH MEHR KULTUR

Rundgang 2019

rundgang2019 1Wer war dieses Jahr eigentlich beim sogenannten Rundgang der Akademie der bildenden Künste Wien? Christopher war in der ehemaligen WU, Standort Augasse, und hat sich umgesehen.

DER ERSTE EINDRUCK: "WAS FÜR EINE WEIRDE LOCATION"
Zuerst muss ich sagen, dass mein Ersteindruck der Ausstellungsinstallationen schon allein dadurch ins Surreale überging, da der Veranstaltungsort die sonst doch eher menschenleeren und kargen Hallen der ehemaligen WU waren, wo sonst eher wenig los ist. Außer, dass man haufenweise Dämmmaterial beim Verrotten zusehen kann. Diese, man muss schon fast sagen, übriggebliebene Strukturen einer längst vergangenen "Kultur" sozusagen, mit so viel Kreativität und auch aggressivem Ausdruck gefüllt zu sehen, war schon ein denkwürdiger Anblick für sich. Denn sind Wirkungen von Kunstwerken nicht auch immer, abgesehen von ihren BetrachterInnen, von ihrem Ausstellungsort abhängig?

THEMEN DES RUNDGANGS
Das Hauptthema der dortigen Kunst war gegen rechtes Gedankengut, gegen Bevormundung und gegen Ignoranz, gegen Imperialismus und neokolonialistische Tendenzen. Weg vom wortwörtlich weißen Elfenbeinturm, sodass auch marginalisierte Gruppen sich selbst zu Wort melden können, anstatt dass andere für sie sprechen. Kurzum, gegen all die Dinge, die die "friedliche" Hälfte des sogenannten "aufgeklärten" 20. Jahrhunderts dann doch nicht mehr so "friedlich" und "aufgeklärt" erscheinen lassen.

Der Ausdruck der Kunstwerke war im Grundton den Themengebieten entsprechend aggressiv und oft abstrakt, die Ausstellung hätte überblicksmassig wahrscheinlich auch als eine poststrukturalistische, modern-zynische Spielart eines Dadaismus im late-stage-Kapitalismus bezeichnet werden können. Die Ton- und Filminstallationen waren ihrerseits allesamt gelungen und man merkte, wie viel Arbeit und theoretische Planung hinter ihnen gesteckt hat.

 ZUERST DAS SAUFEN, DANN DIE…
Wo in Österreich eine Versammlung von mehr als einer Person stattfindet, so darf ein breites Angebot an Essen und selbstverständlich alkoholischen Getränken nicht fehlen. Diese sind, wie von Studentenveranstaltungen gewohnt, günstig vor Ort zu erwerben gewesen. Ohne sich allzu kritisch anhören zu wollen, fällt einem da doch hin und wieder ein bisschen Brecht ein. Aber man muss auch bedenken, dass Revolutionen schon wegen so mancher Ebbe gestrandet sein sollen, also soll es den Leuten vergönnt sein.

 FAZIT
Bei der aktuellen Regierungskonstellation und den immer stärker werdenden populistischen Kräften von rechts, die einen der undurchsichtigsten und unehrlichsten Diskurse seit jeher führen; wo Worte und Phrasen verdreht werden, wo Leute "konzentriert" werden sollen, ohne dass Regierungsangehörige an diese Formulierungen problematische Aspekte finden können, da muss die Kunst die Menschen aus der Komfortzone holen. Und wenn schon nicht die mittlerweile hundertmal dekonstruierte "Wahrheit" dabei herauskam, dann konnte wenigstens wieder einmal Ehrlichkeit im Mittelpunkt einer Diskussion stehen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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