NOCH MEHR KULTUR

Totalüberwachungsschmäh

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TAXI ORANGE. Dass die österreichische Fernsehkreationen oft ein Abklatsch von Produktionen anderer Länder waren und sind, ist kein Geheimnis. So wurde auch die deutsche, beziehungsweise ursprünglich holländische Show "Big Brother" – ein Titel, der dystopischer kaum sein kann – "österreichisiert" und unsereins kam, Schaulust sei Dank, auch den Genuss dieses fragwürdigen Fernsehformats in lokaler Couleur.

Der Anfang des neuen Jahrtausends, das Ende einer Ära

" DU BRAUCHST KEIN SCHEICH ZU SEIN, UM REICH ZU SEIN". Dieser zwar damals schon eher beschränkt kreative, aber vor dem 11. September 2001 zumindest noch nicht derart negativ besetzte Ausdruck, fasst unfreiwillig ein Stück österreichischer Fernsehgeschichte namens "Taxi Orange", ganz gut zusammen. Es ging bei der ORF(!)-Produktion hauptsächlich sowohl um Isolation von der Außenwelt als auch totale Überwachung - ein bisschen Vorgeschmack auf kommende, politische Trends, beachtet man den Zustand der Welt nach einem der medial ausgeschlachtetsten Terroranschläge der Geschichte. Die erste Staffel der Sendung lief von 16. September bis 30. November 2000 und wurde 2001 mit Staffel 2 fortgesetzt, welche von 20. April bis 27. Juni lief. Die Serie hatte somit eher nur mäßigen Erfolg, woran das liegen mag ist nur schwer zu eruieren, vielleicht hatten die Leute ja ohnehin genug Endzeitstimmungsunterhaltung mit Schwarz/Blau, diese Horrorserie wurde immerhin bis 2005 ausgestrahlt und läuft momentan wieder als seltsamer Reboot über die heimischen Narrenkastln.

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Isolation und Konkurrenz mit Unterhaltung

Da es dann doch in den meisten Ländern der westlichen Zivilisation verpönt ist, Menschen in Käfige zu stecken und komplett von ihrem Umfeld zu isolieren, musste man diese Idee noch ein wenig "aufpeppen", um sie übertragungsfähig zu machen. So wurde neben dem damals bereits etablierten Container-Modell noch eine Komponente hinzugefügt, die zwar das Konzept der totalen Isolation etwas relativiert, aber zumindest den ZuschauerInnen weitere skurrile Momente bescherte. Wie der Name schon verrät, mussten sich die KandidatInnen während ihrer Zeit bei der Show als TaxifahrerInnen verdingen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Zentrale des Geschehens war dabei übrigens der "Kutscherhof" genannte Bau auf der Speisinger Straße 66 im 13. Wiener Gemeindebezirk. Heute befindet sich hier, nach einem Umbau in den Jahren 2014/2015, ein Wohnhauskomplex. Der Gewinner der Sendung, der mit Zuschauer-Votings eine Art Battle Royal-Spielart hatte, gewann 1 Million Schilling. 72672.83 Euro wären wahrscheinlich weniger gut im Fernsehen angekommen.

Wenn man heutzutage "Taxi Orange" und "Kult" in einem Satz verwendet, so drängt sich einem eher das "kultische" der "Manson Family" auf, als eine Beschreibung für popkulturelle Phänomene, wie zum Beispiel "ABBA". Erinnern wir uns dennoch zusammen an eine Sendung, die wohl heute Krawalle auslösen würde, allein schon bei den GIS-Rebellen. "There’s no business like show business", wie es so schön heißt.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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