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Pen and Paper-Rollenspiele: Spiele ohne Grenzen. Heute und gestern und morgen

Lange vor dem Videospiel und irgendwann nach der Erfindung des Brettspiels, genau genommen Mitte der 1970er, kam eine Spielsorte auf, die bis heute Millionen von Menschen auf der ganzen Welt begeistert und verschiedenste Medien beeinflusst. Das "Pen and Paper"-Rollenspiel erfreut sich nicht nur bis heute einer großen Beliebtheit bei Alt und Jung, sondern erfährt gerade seit der Horror-Fernsehserie "Stranger Things" einen Zuwachs von SpielerInnen.

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Basics of Fun

Doch worum handelt es sich beim sagenumwobenen "Pen and Paper"-Rollenspiel genau? Dass man dazu Papier und Stifte braucht, scheint auf der Hand zu liegen, doch was noch? In Wirklichkeit bedarf es sogar nicht einmal dieser Utensilien, um diese Rollenspiele zu spielen, denn die erste und einzige Regel dieser Spiele ist "Habt Spaß“, der Rest hat Empfehlungscharakter. Die Regeln, nach denen man spielt, hängen zunächst vom jeweils ausgewählten Regelsystem ab, dieses kann anschließend endlos angepasst, ausgelassen und je nach Situation modifiziert werden, sodass keine Spielerunde je einer anderen gleicht. Gespielt wird dabei mit Würfeln, die dem Ganzen eine Prise Chaos beisteuern und vom Spielleiter oder der Spielleiterin, die das Spielgeschehen leiten und die Gegner und Nicht-Spieler-Charaktere (NPCS) des Spiels kontrollieren, als auch von den SpielerInnen kreative Lösungswege abverlangen.

Berühmte Spielesysteme, welche sich ganz den Fantasy-Welten widmen, sind unter anderem das legendäre und weitgehen bekannte "Dungeons and Dragons", das aus Deutschland stammende "Das Schwarze Auge", aber auch Horror-Spielesysteme sind seit über dreißig Jahren sehr beliebt. Zum Beispiel "Vampire: The Masquerade" oder mein persönlicher Favorit "Call of Cthulhu". Dabei sind dies längst nicht alle Varianten des Rollenspiels, auch Crime/Noir und Science-Fiction sind mögliche Szenarien, doch hier alle genauer zu erläutern, ist in einer einizigen Abhandlung einfach unmöglich.

Trotz all diesen großartigen Eigenschaften gibt es dennoch auch Schattenseiten, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Ich denke, um das Phänomen "Pen and Paper" jenseits von Klischees und Unwahrheiten zu erklären, bedarf es auch, eben diese negativen Gerüchte rund um das Hobby genauer zu identifizieren.

Pedanten mit Realitätsverlust?

Oftmals sieht man eines dieser Klischees in Mainstream-Fernsehserien aufkommen, wie zum Beispiel "The Big Bang Theory" - eine Serie, mit der ich, was Geschlechterrollen angeht, einige Hühnchen zu rupfen habe: je tiefer sich jemand, meistens sind das übrigens Männer, in ein Rollenspiel hineinversetzt, desto mehr Probleme hat er, sich in der Realität zurechtzufinden. Wenige Freunde, keine Empathie für andere und ein recht zurückgezogenes Leben wird hier Rollenspielern angedichtet. Doch ich behaupte, das Gegenteil ist der Fall! Gerade weil man beim Rollenspiel nur wirklichen Spaß mit anderen Leuten haben kann, baut man umso mehr soziale Fähigkeiten dabei aus. Das Klischee des Realitätsverlusts hängt wahrscheinlich mit der Natur der Regeln der Spiele zusammen. Und zugegeben, anfangs erscheinen mir die Regeln auch in ihrer Ausführlichkeit erschlagend und ich bekomme das Gefühl, dass niemand, der diese Regeln beherrscht, nebenbei irgendetwas anderes in seinem Leben tun kann. Doch auch hierbei muss ich einlenken. Die Regeln wirken zwar anfangs überbordend, aber, wie ich bereits in der Beschreibung dieser Spiele schrieb, sie sind bei weitem nicht dazu gedacht, das Spiel langwierig, oder -weilig zu machen, sondern um die kreativen Einfälle der SpielerInnen ein wenig in gelenkte Bahnen zu führen. Ich selbst habe noch nie mitbekommen, wie ernsthaft über Regeln gestritten wurde, lediglich deren Anwendung wurde unter SpielleiterInnen diskutiert. Aber mit welchem Ziel? Spaß natürlich!

Wenn euch also die derzeitige politische Lage nicht Science-Fiction/Fantasy genug ist, dann traut euch, sucht Gleichgesinnte und probiert das kreativste Spiel aller Zeiten. Doch seit gewarnt, 99% aller Menschen, die einmal damit angefangen haben, hören nie wieder damit auf!

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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