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Das orangene Gold Veneziens

aperol klein
Aperol Spritz im Sonnenuntergang genießen, Foto © Marco Verch, Creative Commons

Orange-glänzend, fruchtig, bitter: Von München bis Rom, von Bern bis Budapest, vom Arbeiterstrandbad in Donaustadt bis zum Hausmeisterstrand in Lignano-Sabbiadoro – kein Sommer ohne Aperol, am liebsten dargereicht in Form des üblichen Spritz! Sommerzeit ist Aperol-Zeit (auch wenn ich in den letzten Jahren zunehmend die Unsitte beobachte, dass Menschen in meiner Umgebung auch im Winter Aperol trinken. Geht gar nicht!), und dieses Jahr feiert der Lieblingslikör sein 100-jähriges Jubiläum. Grund genug, sich das orangene Gold genauer anzuschauen und ein paar Aperol-Facts auszuheben, mit denen ihr bei der nächsten Grillparty in diesem sich seinem Ende bereits zart zuneigendem Sommer noch einmal so richtig im Smalltalk glänzen könnt.

Erfunden wurde der Aperol denn von zwei Brüdern im Jahr 1919 in, no na, Italien. Silvio und Luigi Barbieri kamen aus Venedig, wo sie Anfang des 20. Jahrhunderts einen neuen Aperitif entwickelten, den sie auf der Internationalen Messe in Padua vorstellten – mit nachhaltigem Erfolg, wie wir wissen. Bei der Namensgebung ließen sie sich dabei von den Franzosen inspirieren: »Aperó« ist das französische Wort für »Aperitif«.

Man munkelt, dass die Barbieris sieben Jahre lang an der Rezeptur feilten. Diese ist bis heute unverändert geblieben und wird strenger (viel strenger wahrscheinlich) gehütet als seinerzeit der Schlüssel zu Silvio Berlusconis Bunga-Bungalow. Drinnen sind auf jeden Fall Rhabarber, Enzian, Bitterorange und Kräuter. Wenn das nicht das absolute mediterran-alpenländische Traumaroma ist, weiß ich auch nicht!

Der Aperol Spritz, den wir kennen und lieben, wurde dann erst in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfunden und ist eigentlich nur eine Variante des »Spritz Veneziano«. Der Name »Spritz Veneziano« bezeichnet schlicht die Kombination aus Mineralwasser, Weißwein (das kann auch ein Schaumwein sein) und einem Aperitif-Likör wie Campari oder eben Aperol.

Der Aperol Spritz ist ein durch und durch europäisches Getränk, vielleicht eines der wenigen Dinge, auf die man sich in ganz Europa im Großen und Ganzen einigen kann. Auf dem ganzen Kontinent liebt man den erfrischenden Spritz, der für viele das »italienische Lebensgefühl« besser verkörpert als sonst etwas; sogar die leicht zu pikierenden Briten sind dem Drink zugeneigt und werden sich diese Zuneigung wohl auch nach einem eventuell eines Tages vollzogenen Brexit bewahren. Die Amerikaner sind in Sachen Aperol Spritz dagegen verhaltener: so titelte etwa die New York Times im Mai diesen Jahres »The Aperol Sprits Is Not A Good Drink«. Naja, man kann die Leute nicht zu ihrem Glück zwingen. Sehr wohl kann man den Aperol Spritz aber gewissermaßen auch als europäischen Identitätsstifter sehen.

Am allerbeliebtesten ist das Getränk, abgesehen von Italien natürlich, aber immer noch bei den Bewohnern des deutschsprachigen Raums – Österreich ist sogar Spitzenreiter in Sachen Aperolkonsum. Ich würde lügen wenn ich sagen würde, das verwundert mich.

Was die richtige Zubereitung eines Aperol Spritz angeht, scheiden sich jedoch die Geister. Das offizielle Rezept des Campari-Konzerns, zu dem die Marke Aperol gehört, mischt Likör und Weißwein zu gleichen Teilen und fügt nur einen Schuss Soda hinzu, während andere einschlägige Quellen empfehlen, drei Teile Weißwein mit zwei Teilen Aperol und einem Teil Soda zu kombinieren, und etwa Wikipedia rät, Soda und Aperol zu gleichen Teilen zu mischen und etwas mehr Weißwein zuzufügen. Im Endeffekt gilt wohl, wie so oft, das Bonmot, dass »de gustibus non est disputandum«.

Auf den Promoseiten von Campari und Co wird im Kontext von Aperol übrigens viel über »ansteckende Lebensfreude« gesprochen. Ich glaube, wir können uns einig sein, dass das eine Chiffre für Trunkenheit ist. Aber sei's drum.

P.S.: Please enjoyed euren Aperol responsibly, eh klar.  

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