MUSIK

Amadeus 2016: Nur einer gewinnt

Am Sonntag ist der Amadeus Award zum 16. Mal vergeben worden, insgesamt in 18 Kategorien. Gut, da würde man jetzt sagen, dass es dann 18 Preisträger gibt, aber davon sind wir weit entfernt. Abgesehen davon, dass viele der Preisträger schon mindestens einen Amadeus daheim stehen haben. Verdient haben die Preisträger sich ihre heurigen Awards aber schon, die Liste ist quasi eine Zusammenfassung des musikalischen Jahrs 2015.

amadeus2016 04

Von vielen erwartet wurde der Wettkampf zwischen Bilderbuch und Wanda, beide Bands waren für fünf Awards nominiert, bei vieren in der selben Kategorie. Es war also absehbar, dass nur einer gewinnen kann. Manuel Rubey hat seine Moderation auch gleich mit dieser Ankündigung begonnen, sich dabei ganz nebenbei aber wahrscheinlich keine Freunde gemacht. Er hat mit seinem Verweis auf die "Grosse Publikumsumfrage" von Noisey (dem Musikmagazin von Vice) und das Niveau ihres Musikjournalismus gleich für einen der ersten Lacher im Publikum gesorgt. Stimmt schon, wer das größere Alkoholproblem hat, ist nicht unbedingt fachlich. Bei Vice hat damals Bilderbuch gewonnen; Bei den Amadeus Awards heuer Wanda (mit drei gegen zwei). Welcher Sieg mehr bringt ist eine andere Frage, aber zumindest das Urteil der Branche ist eindeutig.

Trotzdem sind beide Wiederholungstäter, wie Wanda und Bilderbuch vergrößern aber noch andere Acts ihre Sammlung. Beispielsweise  Parov Stelar (Electronic/Dance), Andreas Gabalier (Volksmusik) und Norbert Steiner (Jazz/ World/ Blues). Und zwar jeweils in Kategorien, in denen sie sowieso schon einmal ausgezeichnet worden sind. Natürlich ist der Preis auch dazu da, die Leistungen des vergangenen Jahres zu würdigen, irgendwann wird es aber langweilig. Möglicherweise war es Andreas Gabalier deshalb gar nicht mehr wert, den Weg nach Wien auf sich zu nehmen.

Andererseits könnte es aber auch die Politik gewesen sein. Vergangenes Jahr hat der "Volks-Rock'n'Roller" sich bei der Verleihung unbeliebt gemacht, weil er mehr Toleranz für "die andere Seite" verlangte und sich gegen den Vorwurf rechter Inhalte verteidigte. Heuer gab es stattdessen aktives Auftreten für Toleranz. So haben Skero (Kategorie Hip Hop/Urban) und Turbobier (Kategorie Hard & heavy) in ihren Dankesreden aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz plädiert, Parov Stelar widmete seinen Award in Gedenken an die Pariser Anschläge der künstlerischen Freiheit.

amadeus2016 03

Als Symbolfigur für Toleranz wurde wieder Conchita angekündigt, sie wurde zum zweiten Mal in Folge als Künstlerin des Jahres ausgezeichnet. Leider wurde damit ein weiterer Preis gemäß der Erwartungen vergeben, auch ihr Auftritt war eher unspektakulär. In Erinnerung bleiben wird aber Dagmar Kollers Laudatio, die Grand Dame der österreichischen Promi Szene hat selbst Conchita dabei ein bisschen  aus der Fassung gebracht. Für Abwechslung auf der Bühne gesorgt haben dafür Wanda (gut wie immer, aber ausnahmsweise ohne Weinflasche auf der Bühne), die Poxrucker Sisters mit the Baseballs (Volksmusik gemischt mit 50-er Rock) und Hannah (mit einer überraschenden Rock-Version von Volksmusik). Auffällig auf der Bühne waren aber besonders  Seiler & Speer (die gleich zweimal für "Ham kummst" ausgezeichnet wurden). Direkt und offen, wie in den Songtexten war nämlich ihr Dank - Sinngemäß: "Bin ich froh, dass wir den jetzt endlich haben, sonst hätt ich wem vor lauter Grant weh getan."

Viele der potenziellen Preisträger waren gleich mehrmals nominiert, verdient wäre der Amadeus auch noch für Filous gewesen. Aber auch Tagtraeumer, die 2015 als Band des Jahres ausgezeichnet wurden, sind trotz Doppelnominierung ohne Trophäe nach Hause gegangen.

amadeus2016 02

Insgesamt geht es beim Amadeus aber nicht nur um den Preis, sondern um die Branche selbst. Hauptgrund zum Feiern war trotz der üblichen - und oft angebrachten - Kritik am ORF und besonders an Ö3 aber die Quote. Mittlerweile macht österreichische Musik nämlich gut 15% der im Radio gespielten Lieder aus - ein Grund zum Feiern. Schließlich war das schon einmal anders, wie Hubert von Goisern bemerkte. Er wurde als Künstler des Jahres ausgezeichnet und erinnerte daran, dass die Quote bei der ersten Verleihung des Amadeus bei 3% lag. Der Erfolg österreichischer Musik ist an seinem Beispiel (er hat gerade seine erste USA-Tour abgeschlossen), aber auch generell an den österreichischen und auch deutschen Charts zu erkennen. Grund zum Feiern gab es also ausreichend, besonders für die Gewinner.

 

Die Amadeus-Gewinner 2016 im Überblick:
Song des Jahres: "Ham kummst" von Seiler & Speer
Album des Jahres: "Schick Schock" von Bilderbuch
Band des Jahres: Wanda
Künstler des Jahres: Hubert von Goisern
Künstlerin des Jahres: Conchita
Live-Act des Jahres: Wanda
FM4-Award: Schmieds Puls
Songwriter des Jahres: Bernhard Speer und Christopher Seiler für "Ham kummst" (Seiler & Speer)
Alternative: Der Nino aus Wien
Electronic/Dance: Parov Stelar
Hard & Heavy: Turbobier
Hip-Hop/Urban: Skero
Jazz/World/Blues: Norbert Schneider
Pop/Rock: Wanda
Schlager: Die Seer
Volksmusik: Andreas Gabalier
Tonstudiopreis "Best Sound": Bilderbuch, Zebo Adam, Alex "Fire" Tomann und Martin Scheer für "Schick Schock"
Lebenswerk: Marianne Mendt

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top