MUSIK

Evita - das Musical verpasster Chancen

EvitaAndrew Lloyd Webber ist bekannt dafür, erfolgreiche Musicals zu produzieren. "Evita" war eines davon, auch die Verfilmung mit Madonna nach seiner Vorlage ist beim Publikum gut angekommen. Also haben sich die Vereinigten Bühnen Wien wohl gedacht, dass man mit dem Stück sicher viele Karten verkaufen kann.

Kann man auch. Allerdings zahlt sich der Preis (zumindest auf den guten Plätzen) nicht wirklich aus. "Evita" ist ein bisschen schief gewichtet. Die Geschichte von Evá Pérons Aufstieg vom kleinen Landmädchen an die Staatsspitze ist in erster Linie ihre persönliche. Natürlich ist ihr Trieb zur Macht wichtig und Evitas eigener Weg die Hauptstory. Dennoch sollte nicht unbedingt alles an dem Stück auf sie konzentriert sein. Evitas Geschichte ist schließlich gleichzeitig die vom Aufstieg Argentiniens, von politischen Intrigen und Repression. Allerdings nicht im Ronacher.

Die Vereinigten Bühnen Wiens wiederholen in "Evita" den Fehler einiger vergangener Stücke. Bei " Elisabeth" und "Mozart" hat es sich zwar ausgezahlt, das Stück nur an den einzelnen Hauptrollen aufzuhängen. Bei "Rebecca" oder "Rudolf - Affaire Mayerling" ist diese Herangehensweise allerdings nicht so gut angekommen. Auch bei "Evita" hat die Adaption dazu geführt, dass einige kritische Elemente wegfallen. Natürlich ist es für die Entwicklung der Geschichte relevant, dass Evá Péron schließlich krank wird und sich deshalb aus der Politik zurückziehen muss. Wichtiger ist allerdings, wie sie das politische System davor lenkt. Deshalb ist es doch etwas schade, dass das System von Repression, Enteignung und der Volksaufstände nur kurz von Drew Sarich als Erzähler aufgearbeitet wird.

Katharine Mehrling bringt auf der Bühne zwar Evás Hunger nach mehr gut herüber, aber ähnlich wie ihrer Rolle verliert sie im Laufe des Stückes ein bisschen die Kraft dahinter. Der Schwermut der Rolle übernimmt sozusagen. Genau dieser Aspekt führt das Stück ad absurdum, Evitas Leben ist geprägt von dem Trieb mehr zu erreichen. Sie das am Ende des Stücks bereuen zu lassen, ist meiner Meinung nach keine Moral, die man dem Publikum im 21. Jahrhundert mitgeben sollte.

 Drew Sarich spielt den Erzähler dagegen mit voller Begeisterung, verkörpert als einziger auf der Bühne den Wiederstand gegen Evás Charme. Seine Rolle erinnert sehr stark an den Erzähler Luigi Lucheni in "Elisabeth", bringt aber wenigstens Abwechslung in "Evita" und auch eine kritische Gegenstimme zu ihrer Rolle. Erfahrung mit dieser Rolle hat auch  Thomas Borchert, der auch schon den Erzähler in "Elisabeth" gespielt hat. Diesmal ist er als Juan Péron Evitas Schlüssel zur Macht. Leider muss man aber zugeben, dass er aufgrund des Rollenaufbaus in dem Stück ein bisschen untergeht. Leider geht es dem Ensemble genauso, das in wenigen einzelnen Liedern zwar die Führung übernimmt, großteils aber durch einfallslose Choreographien und langweilige Texte und Melodien vernachlässigt wird.
Insgesamt ist "Evita" zwar besser als so manches Stück, das die VBW in den letzten Jahren produziert hat, jedoch bei der Umsetzung haben sie sich selber einiges entgehen lassen. Leider auf Kosten der Umsetzung.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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