MUSIK

Erdiger Rock aus der Post-Monarchie

wrench headerEigentlich ist Rock aus den heimischen Gefilden eine wirklich coole Sache: es gibt einem das Gefühl, dass auch in Österreich in Sachen Musik mehr möglich ist als Wanda und Gabalier. Doch zu oft verstricken sich hier sehr talentierte Künstler so sehr darin, authentischer Rock'n'Roll zu sein, dass die eigentliche Musik auf Grund solcher Verkrampfungen auf der Strecke bleibt – Mit einem enttäuschten Seufzer legt man dann das zunächst vielversprechend aussehende Album doch wieder zurück. Das ist allerdings glücklicherweise bei den Dead End Friends nicht der Fall, hier wirkt nichts übermäßig bemüht und daher unsicher, die Band „ist“ einfach nur und gleitet auf psychedelischen Wellen dahin, wobei sie dabei auch nicht Ausflüge in die durchaus härteren Gefilde des Doommetal scheut, was bei einem Fan der härteren Gangart wie mir, natürlich gut ankommt.

Die Gitarren sind mal dreckig verzerrt, mal verträumt melodiös und machen in Kombination mit dem aggressiven Schlagzeug, Lust auf mehr (kein Wunder, dass der namensgebende Schraubenschlüssel vom Albumcover derartig rostig daherkommt!). Auch die raue Stimme des Sängers fügt sich in dieses stimmige Gesamtpaket. Mal eine herrliche „fuck-it“ Attitüde, mal nachdenklich-melancholische Parts machen das Album insgesamt zu einer Erfahrung mit Roadtrip-Charakter. Kein Wunder, dass die Herren von den Dead End Friends im letzten Jahr auch die einzigartigen Red Fang supporten durften (Als ich die Bandcamp-Seite der Band zu Recherchezwecken aufsuchte, musste ich übrigens doch sehr schmunzeln beim Titel „Blur ist Scheisse“ vom selbst-betitelten Debüt der Grazer, der übrigens auch ein sehr anhörbarer Song ist).
Das Album „Wrench“ (engl. „Verrenken“, aber auch „Schraubenschlüssel“, daher das Cove) wirkt auf mich sehr selbstsicher und authentisch und kommt mit seinen sieben Songs auf 43 abwechslungsreiche und genüssliche Minuten. Mein Fazit ist daher, dass es ein empfehlenswerter Release für alle Stoner-Rock Fans ist, an dem sich einige andere Bands eine Scheibe abschneiden können. Ich will mehr solche individualistische Musik, jenseits von Supermarkt-Rock und Radio-freundlicher Lyrik. Ich würde mich sehr freuen, die Herren mal bei einem Konzert der Rock-Veranstaltungsreihe „Roadtrip to Outer Space“ in der Arena, bei der sie sich sehr zuhause fühlen dürften, sehen zu können. Keep it up Dead End Friends!
Anspieltipps meinerseits sind eindeutig der Song „Cocaine“ und das chaotische „Fall of the Wall“, wer auf langsamere Nummern steht, sollte sich „No Exit“ zu Gemüte führen.

wrench band
Links zur Band:
https://deadendfriendsmusic.bandcamp.com
https://www.facebook.com/friendsenddead/ 


 

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