MUSIK

I See You - The XX

xxIm Januar dieses Jahres kam das neue Album der melancholischen Südwestlondoner heraus, welches bei den Kritikern gewohnt sehr gut ankam und bei den Fans einen weiteren Ehrenplatz in der Musiksammlung erhielt. Bevor es mit der Rezension über die neuen Songs losgeht, gibt es einen Umriss der Band für jene von Euch, die von ihr hier zum ersten Mal lesen.

Oliver Sim (Gesang, Bass), Romy Madley Croft (Gesang, Gitarre), Baria Qureshi (Keyboards, Gitarre) und Jamie Smith alias Jamie xx (Beats) stecken hinter dem kunstvollen Bandnamen, dessen Bedeutung subjektiv interpretierbar zu sein scheint. Sie stammen allesamt aus dem Bezirk Putney in Südwestlondon, wo sie zur Schule gingen. Genau dort begann ihre musikalische Karriere, als im jungen Teenageralter an den ersten Songs gebastelt wurde. Songs, die dem New Wave aus den 80ern angetan waren. Sie präsentierten ihre Stücke dem Londoner Publikum und Jahre später kamen sie beim Young Turks-Label unter. "Crystalised" verteilte sich rasend in vielen Blogs und Online-Features - sogar Suchmaschinen listeten sie als Konzerttipp.

Da ließ das Debütalbum nicht lange auf sich warten: 2009 kam "XX" und wurde noch im selben Jahr mit dem Mercury Prize ausgezeichnet. Es folgten Promo-Events und Tourneen. Dann folgte eine Schaffenspause. 2012 kehrten sie mit "Coexist" zurück und sicherten sich den 3. Platz in den europäischen Charts. Mit diesen beiden Alben feierten sie den GoldStatus sowohl in Europa als auch in den USA.

So viel zu deren Biographie, nun zum Kern ihres Erfolges: ihrer Musik. Viele von Euch kennen oder mögen sogar die Musikrichtung Minimalismus. Demnach wissen auch einige von Euch über die Varianten mit ihren vielschichtigen Nuancen Bescheid. Bei The XX sind dies filigrane Keyboard-Linien, beinahe zerbrechliche Beats und der fein abgestimmte Wechselgesang zwischen Romy und Sim.

In "I See You" wird es gefühlvoller als zuvor. Nackenhaarhauchgesang, subtile Gitarrenriffs und poppige Auflockerung dominieren die 10 Songs, die allesamt Künstlichkeit und Emotionalität; Wahrheit und Lüge verbinden. So finden sich Lovesongs wie bei "Say Something Loving" oder treibende Beats bei "Hold On". Man merkt, dass das Quartett zwar in gewohnter XX-Manier über Unsicherheiten in Liebesdingen singen, aber als gefestigtere und selbstsichere MusikerInnen auftreten - besonders Romy. In "Brave For You" klingt sie ungewöhnlich stark sowie entschlossen.

Tja, und es geschieht erneut. Dieser Widerspruch zwischen fragiler Lyrik und soundtechnischer Perfektion machen den Reiz dieser Band aus. Und dieser ist noch lange nicht übersättigt. Ein weiterer Grund, die Band zu mögen, ist ihre Bodenständigkeit. Beim Hören der Songs, auf Konzerten oder in Interviews sind die Leidenschaft und der Spaß an der Musik kaum zu überhören bzw. zu übersehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie seit 2013 ihre eigene Festival-Reihe "Night + Day" kuratieren. Zudem geben sie hin und wieder in intimeren Locations, wie zum Beispiel 2014 in der New Yorker Kunstgalerie Park Avenue Armory, kleine Konzerte für rund 30 oder 50 Gäste.

Also, lehnt Euch zurück, setzt die Kopfhörer auf und lasst die sanften Beats ein musikalisches Kopfkino veranstalten.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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