MUSIK

Pungent Stench – Death Metal aus der morbiden Metropole

Es war 2006, Donauinselfest, und zwei Bands dominierten das Line-up der damals noch als "Planet Music" bekannten Bühne, die später zur Fm4-Bühne werden sollte und nie wieder eine solche Musik-Vielfalt haben sollte. Es waren Eisregen, mit ihren Splattertexten in deutscher Sprache, ein Feature das ihnen freilich einen Fixplatz auf dem Index in DE sicherte, und Pungent Stench, die heimischen Death Metal Veteranen, damals noch bei dem gigantischen Metallabel "Nuclear Blast" gesigned und on top of their game. Ein Konzert dieser Combo hatte ich zusammen mit Freunden bereits gesehen, weshalb wir leider nicht den gesamten Auftritt der Stenchigen blieben. Hätten wir gewusst, dass es sich um unser letztes Konzert der Band handeln würde, hätten wir sicher nicht so schnell die Insel verlassen. Doch im Nachhinein ist man immer schlauer.

Death Metal ist eines der Subgenres, von denen die meisten schon irgendwo mal was gehört haben, das dann aber im Endeffekt dann doch für Szenefremde eher eine schwammige Angelegenheit bleibt. Doch eines ist sicher, niemand vermutet, dass ein Urgestein dieser Musikrichtung seinen Ursprung hier, in Wien, hatte.

pungent stench1988 kamen die Herren Martin "El Concho" Schirenc (Gesang und Gitarre), Alex "Rector Stench" (Schlagzeug) Wank und Jacek Perkowsk (Bass) auf die Idee, eine Band zu gründen, die die Musiklandschaft im deutschsprachigen Raum zwar komplett kalt lassen würde, aber außerhalb doch deutliche Wellen schlug. Aber die Geschichte vom genialen Künstler, der innerhalb Österreichs ignoriert wird, bis er einen prestigeträchtigen Preis im Ausland gewinnt, ist ja leider keine einzigartige oder neue.

Was wirklich einzigartig war, war der Sound der Band. Rauh und gleichzeitig verspielt hatten sie einen Charme, der an eine der Gründerbands des Genres erinnert, Death. "Splatterday Nightfever" und "Daddy Cruel" waren, zum Beispiel, zum einen smarte Wortspiele, die aber auch den Charakter der Songs und eines Genres wiederspiegeln, das sich als selbst als dunkle Seite des Entertainments sieht. Als Gegengewicht zur "happy-go-lucky"-Musik.

Nun ist die Bandgeschichte nicht ganz ohne Turbulenzen vonstatten gegangen, die erste Bandauflösung fand im Jahre 1995 statt und so passierte es 2007, dass sich die Band nach Zerwürfnissen mit ihrem Label ein weiteres Mal trennte. Nun wird die Sache aber komplizierter, denn ob es sich hierbei um das endgültige Aus der Band handelte, oder lediglich die zweite Trennung, da scheiden sich die Geister. Wie es dazu kam? Um 2015 herum kündigte Sänger und Gitarrsit Martin Schirenc an, die Band mit neuer Besetzung und neuem Namen weiterzuführen: Church of Pungent Stench wurde geboren. Dies jedoch wurde vom ehemaligen Drummer und Gründungsmitglied Alex Wank angefochten, da er sein geistiges Eigentum von anderen unter falschem Vorzeichen beworben sah (sein Statement ist hier zu lesen). Es folgte ein Rechtsstreit und die Band nannte sich in Schirenc plays Pungent Stench um, wobei Wank bis zum heutigen Tag versucht gegen die Formation vorzugehen. Death Metal schützt halt doch vor Drama nicht.

Egal auf welcher Seite des Zauns man sich nun befindet, kann ich jedem nur raten zumindest einmal reinzuhören.

 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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