MUSIK

Single vs. Album

"Hey, hast du schon das neue Album von XY?"
Wann habt ihr diese Frage das letzte Mal gehört? Ist schon länger her, oder? Das Internet hat uns viele nette Alternativen gebracht, die es nicht mehr zwingend notwendig machen, zum Musikhändlerindividuum unseres Vertrauens zu pilgern, um die neuesten Musikergüsse unserer Lieblingsband oder unserer Lieblingsmusiker*innen zu kaufen.

SinglevsAlbumStattdessen gibt es Musikplattformen wie iTunes, auf denen wir Musik erwerben können, eine riesige Anzahl von halb legalen Konvertern, die es ermöglichen, dass man sich einzelne Titel direkt von YouTube herunterlädt und dazu noch genügend Streamingdienste, wie Spotify, die selbst das Herunterladen unnötig machen. Macht alles ziemlich bequem und einfach.

Könnt ihr euch noch erinnern, als man ganze CDs erworben hat und meist doch nur drei von dreizehn Liedern gut fand? Natürlich, Ausnahmen bestätigen mal wieder die Regel.

Durch das Neuaufsetzen meines Laptops und einer Kette unglücklicher Zwischenfälle, war ich letzte Woche ohne einen Großteil meiner Musik. Alleine. Auf mich selbst gestellt, sozusagen. Doch nicht ganz alleine, das Meiste meiner neueren Musik war verschwunden, doch die älteren Alben waren noch da, was mich dazu brachte eine ältere CD der "Killers" zu hören - und zwar ganz! Es gibt auf dieser CD zwei Lieder, die ich mir stundenlang auf Wiederholung anhören könnte, dazu noch ein paar die mich an früher erinnern und daher auch ganz nett sind und dann gibt es Neuentdeckungen, in die ich frischverliebt bin, weil sie mich wieder und wieder bezirzt haben, bis ich mich ihnen doch ergab.

Was lassen wir uns also alles entgehen, bloß weil wir uns nicht auf das erste Mal hören verlieben?

Doch dieses Wählerisch-Sein ist ein Markenzeichen unserer Generation und bezieht sich nicht nur auf Musik. Dating-Apps schaffen es, dass man relativ leicht und schnell sehr viele Leute kennenlernen kann. Mit Glück ist irgendwann die oder der "Richtige" dabei, doch mit der Zeit findet man heraus, dass es vielleicht doch nicht ganz so gut passt.

Es kommen unbequeme Angewohnheiten oder Eigenheiten ans Tageslicht und will man wirklich den harten Weg gehen und mit den bereits ausgeteilten Karten weiterspielen oder holt man sich nicht lieber neue, weil in der großen, weiten Welt bestimmt jemand wartet, der noch viel besser zu einem passt?

Doch mit Beziehungen ist es wie mit Alben. Man mag sich vielleicht in die Fröhlichkeit und Lockerheit einer Person verlieben und dann feststellen, dass dieses entspannte Verhalten auch auf die Haushaltsführung und das Einhalten von Terminen zutrifft. Um sich nicht weiter ärgern zu müssen, wird die Beziehung ad acta gelegt und nach gefühlten tausend weiteren Dates, trifft man nun wirklich die oder den Eine*n. Zumindest denkt man das, bis sich herausstellt, dass sie oder er keine Allgemeinbildung hat, sich die Zehennägel nicht schneidet und somit geht das ganze Spiel wieder los.

Es heißt nicht, dass man sich in diese Schwächen oder Kontrapunkte genauso verliebt, wie in die positiven Eigenschaften, doch sei gesagt, dass kein Mensch perfekt ist und wirklich vieles Gewohnheit und gemeinsames An-sich-arbeiten ist. Außerdem kommen mit der Zeit nicht nur schlechte Aspekte zu Tage, sondern auch Gründe, die einem wieder vor Augen führen, wieso es doch die richtige Wahl war.

Während Spotify mit dem Spruch wirbt: "Manche Sachen überspringst du lieber. Auch manche Songs", geht es bei Menschen doch darum unbekannte Seiten zu entdecken. Statt also immer weiterzuschalten und sich das Beste überall herauszupicken, zahlt es sich auch einmal aus einer Platte eine Chance zu geben und sich auf das ganze Paket einzulassen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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