MUSIK

Smut Kingdom - Das Unerwartete

smutonlineAls ich das letzte Mal von einer Wiener Deathmetal Band berichtete, die auszog, um die Welt zu erobern, sich dann aber schrecklich verkrachte, dachte ich, dass sich das Thema Pungent Stench damit erledigt hatte. Immerhin waren zum damaligen Zeitpunkt bereits mehr als 10 Jahre vergangen, in denen sich außer Rechtstreits nicht viel getan hat. Die genaue Erklärung, wie die Veränderung zustande kam, erschließt sich mir nicht ganz, nur dass die Musikrechte jetzt anscheinend wieder an Martin Schirenc (Gesang, Gitarre) und Alex Wank (Drums) zurückgingen (ich wusste überhaupt nicht, dass sie diese bis jetzt gar nicht besessen hatten). Doch manchmal geschehen einfach Zeichen und Wunder, oder wie Jeff Goldblum einst in Jurassic Park sagte: "Life, uh, finds a way!"

DIE VORGESCHICHTE
Nachdem das Album zirka elf Jahre auf einer Festplatte versauerte, erblickte Pungent Stenchs siebtes (oder inklusive Session- und Split-Alben neuntes) Album "Smut Kingdom" doch noch auf dem Label Dissonance Records, das graue Tageslicht des Jahres 2018. Und was für eine Teufelsbrut uns hier beschert wurde. Vom Klangbild hat sich bei den Herren, eigentlich logischerweise, nicht allzu viel verändert, jedenfalls nur Positives. War der Vorgänger etwas zu glatt, so kombiniert "Smut Kingdom" die rohe Brutalität der Werke der 90er Jahre, mit dem ausgefeiltem Songwriting nach 2000. Eine wirklich gute Mischung, the best of both worlds.

DAS ALBUM
Doch jetzt erstmal zu den Eckdaten: Der Tonträger kommt mit insgesamt zehn Titeln daher und kommt auf eine Gesamtlaufzeit von 48 Minuten. Alles in allem ein guter Schnitt. Die Thematiken auf dem Album sind auch breit gefächert. Von aztekischen Splattereinlagen bis zu humorvoller Kritik am islamischen und christlichen Fundamentalismus, oder Verneigungen vor Horrorfilmklassikern, ist hier alles vertreten. Wobei ich finde, dass die Islamkritik am schlechtesten gealtert ist, sie zeigt sich doch durch eine eher naive Herangehensweise, der das Alter des Albums zugrundeliegt. Andere Bands - wie zum Beispiel Nile - haben schon elaboriertere Stücke zu dieser Thematik herausgebracht. Musikalisch sagt einem gleich der Opener "Aztec Holiday", wo die Reise hingeht. Groovige Riffs von rostigen Gitarren und aggressives Drumming verleihen dem Song eine Kopfnickqualität der Sonderklasse, für mich auf jeden Fall ein Highlight vom Album. Noch ein Anspieltipp von mir ist gleich der nächste Track "Persona Non Grata". Hier geht es weitaus flotter zu und es ist eindeutig erkennbar, dass hier irgendwer äußerst unerwünscht ist.

FAZIT
Das Album ist in seiner Gesamtheit eine gelungene Überraschung und eine toller Throwback in alte Zeiten, aber auch eine Entwicklung in neue Bereiche ist erkennbar. Die Kritik der Fachpresse ist daher auch entsprechend positiv ausgefallen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist auch, dass durch den Release von "Smut Kingdom" auch einige stark vergriffene ältere Alben von Dissonance Records wieder neuaufgelegt wurden und man sich jetzt nicht mehr entscheiden muss, ob man sein Haus oder das ein oder andere Organ verkauft, um sich diese leisten zu können. Ich kann es nur empfehlen!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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