MUSIK

Der laute Abschied aus dem Parlament

Matthias Strolz hat etwas mehr als fünf Jahre im Parlament verbracht. Zum Abschied hat er nicht nur eine teilweise sehr emotionale Rede gehalten, sondern auch eingeladen. Zu seinem Konzert mit Kurt Razelli. Das ist zwar mittlerweile vorbei, das Album "LOST IN SPACE" gibt es aber immer noch und es wird wohl auch Strolz' politisches Erbe immer ein bisschen beeinflussen.

matthiasstrolz album normal

Eine der ersten größeren und langfristig haltenden Geschichten über Matthias Strolz war sein KASTANIENGEDICHT. Große Angst vor Public Shaming hat man bei ihm also noch nie erkennen können. Genauso war schon früh klar, dass Strolz' emotionale Reden im Parlament einen bleibenden Eindruck hinterlassen werden und sowohl bei Satire als auch bei Publikum beliebt waren. Zumindest spricht die Anzahl und Art der Einbindungen bei Willkommen Österreich dafür – was auch nicht jedem Politiker auf eine derart wohlwollende Art vergönnt ist.

Vielleicht auch deshalb ist Kurt Razelli auf Strolz aufmerksam geworden. Begonnen hat Razelli schon vor der Rücktrittsankündigung – der erste Strolz-Remix ist vier Jahre alt. Mit dem Rücktritt Ende dieses Septembers wurde ein offizielles und ganzes Album daraus. Teilweise gab es die Lieder eben schon, teilweise wurden sie anlässlich des Rücktritts eigens produziert.

POLITISCHER NACHLASS
Zumindest für Strolz wird das Album wohl auch rückblickend seine politische Karriere zusammenfassen. Natürlich kann das positiv besetzt sein, immerhin sind die einzelnen Lieder schon alleine aufgrund der Titel sozusagen Ausrufezeichen für seine politischen Schwerpunkte – Rauchen, Hypo, Europa, alles ist dabei. Zur Erklärung: es geht um das bereits beschlossene Rauchverbot, das die neue Regierung wieder abgeschafft hat, um den Hypo-Alpe-Adria-Skandal und um die Notwendigkeit des europäischen Zusammenhalts. Gleichzeitig kann es aber auch vorkommen, dass das Album zu Ratlosigkeit führt. Paradekommentar, den ich dazu gehört habe, war: "Ich weiß wirklich nicht, warum er das gemacht hat. Er hat doch einen wirklich guten Ruf gehabt."

Die Frage nach dem Warum führt aber ohnedies zu nichts, solange man sie nicht direkt stellt. Wird also nichts. Was man trotzdem machen kann, ist überlegen, wie die Musik ist. Da gibt es bei der Urteilsfindung aber Probleme. Zum Beispiel weil Remixe ja keine eigene Musikgattung sind, in was soll der Stil oder Rhythmus also eingeordnet werden? Die Lösung wäre dann einfach das, was man an Vergleichsmaterial kennt. Razelli mischt dabei zwischen Hip-Hop-mäßigem und quasi Disco, der Hip-Hop-Anteil überwiegt aber. Wobei Hip-Hop. Viel elektronische Musik, wobei eben nicht Techno. Eher stark auf den Rhythmus und Beat konzentriert, aber schon auch teilweise fast tanzbar – was für mich persönlich immer ein wichtiges Kriterium ist, ob mir Musik gefällt.

Im Vergleich zu vielen anderen ist das Album damit eine Mischung zwischen Politik- und Gesellschaftskritik, unterlegt von Elektro mit starkem Rhythmus. Das funktioniert, wird nur bei gewissen persönlichen Ausflügen eher schwierig. Die Parlamentsschwerpunkte sind bekannt, Rauchen, die Hypo und auch Pilot meines Lebens sind manchen wohl schon bekannt. Dazu kommen noch neu zusammengestellte Texte, beispielsweise über das Bildungssystem oder auch einfach nur auf einer metaphorischen Ebene wie in "Lost in Space". Problematisch wird es nur bei ganz persönlichen Aspekten, so im Lied "Mein Klostertal". Strolz (und Razelli) versuchen damit einen Einblick in die Person Strolz, heraus kommt aber eine seltsame Auflistung von Gegenständen, Orten und Erinnerungen, die eigentlich sehr wenig aussagt. Positiv erwähnt werden muss aber, dass es nur bei dem einen Lied so ist. Der Rest hört sich gut an, ist witzig, politisch und manchmal bleibt ein Ausschnitt sogar als Ohrwurm hängen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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