MUSIK

Politisiertes Kabarett

Die größte Herausforderung an Comedy ist Stand-up. Sagen auch internationale Comedians und KabarettistInnen und man ist in Versuchung, das sofort zu glauben. Gleichzeitig ist es dadurch aber auch wesentlich unterhaltsamer, die Spontaneität erhöht den Unterhaltungsfaktor. Seberg ist ohnehin einer der Kabarettisten, die mehr auf direkte Kommunikation mit dem Publikum setzen und so auch einen höheren Anteil an Stand-up im Programm haben. Besonders geeignet sind dafür offene Programme, wie die Sonderaufführung SEBERG OFF MUSIC, die jetzt zum zweiten Mal im Theater Akzent stattgefunden hat.

sebergoffmusic

Das problematische an solchen Sonderaufführungen ist natürlich, dass man keine Terminempfehlung bei einer Rezension mitgeben kann, aber inhaltlich bieten sich wesentlich mehr Möglichkeiten, als bei einem vorgeschriebenen und eingeübten Programm. Das merkt man auch im Laufe der zwei Stunden. Grundsätzlich arbeitet sich Seberg an seinen typischen Themen ab, bleibt bei Politik, seiner Kindheit in Graz und teilweise Bundesländer-Stereotypen. Einiges wirkt, als ob es aus dem Publikum aufgenommen wird, nur wenige Gespräche mit Gästen werden nicht direkt genutzt.

NEU IM PROGRAMM: MUSIK
Dass vorgeschrieben wurde, ist allerdings logisch. Erstmals kombiniert Seberg seine Nummern nämlich auch mit Musik, eine vierköpfige Band sorgt für den richtigen Sound zu der Mischung aus Blues, Wienerlied und rockigen Anschlägen. Musikalisch kommt teilweise ein subtilerer Humor zum Tragen, zwischendurch wird der Protest aber auch schon mal brachial. Wobei der direkte Protest in Form von überspitzter Satire beim Publikum nicht unbedingt am allerbesten ankommt. Dafür fühlt sich ein grundsätzlich eher linkes bei einem grundsätzlich als Linken bekannten Kabarettisten wohl nicht aufgeschlossen genug. Die kurze, überraschte Stille, ist möglicherweise aber ohnehin die gewollte Reaktion. Leicht störend ist nur, dass nicht alle Nummern direkt ins Programm reinpassen, die Übergänge werden durch die improvisierten Witze teilweise in die Länge gezogen, sodass der Kontext zwischen Gesprochenem und Gesungenem teilweise fast schon verloren geht. Grundsätzlich gibt es aber schlimmeres, etwa wenn die Musik nicht gut wäre.


ZUM PROGRAMM
Inhaltlich überwiegt in der ersten Hälfte der Text, kurzes Stand-up, abarbeiten an Politik, Graz und grausamen Kindheitserinnerungen – offenbar haben Steirer einen nostalgischen Fetisch für Maggi-Würze – und ehrlich gesagt mehr Politik. Dabei geht es klarerweise auch um die erwartbaren Themen wie Polizeipferde oder das Schweigen des Kanzlers, positiv ist aber, dass einzelne Teile offenbar seit der ersten Aufführung Ende Oktober angepasst wurden. Teilweise muss allerdings auch bemerkt werden, dass eventuell das Feindbild der Regierung – von der ganzen Branche – zu stark gewertet wird. Bei allem Verständnis für Abneigung gegen Elisabeth Köstingers Umweltpolitik, ist sie trotzdem bei weitem nicht die erste, in deren Ressort sich der Widerspruch von Umweltschutz und Landwirtschaft trifft. Wer hier den Kürzeren trifft, sieht man seit Ewigkeiten in Österreich und auch in den meisten Bundesländern wird dieser Widerspruch in der Themenzusammensetzung gelebt. Zugegebenermaßen war das aber auch der einzige inhaltliche Kritikpunkt, ansonsten gibt es politisch viel sauber gearbeitete Satire und auch den gelesenen Entwurf eines kleinen Parodiestücks.

Nicht so sauber, beziehungsweise auch wieder mit etwas mehr Schweigen als die vorhergehende Stunde, war der Wiedereinstieg nach der Pause, bei dem Seberg den traditionellen, steirischen Jäger inklusive rassistischer Auswüchse gab. Klar, ein gutes Mittel zur Überspitzung und um Missstände in der österreichischen Mentalität aufzuzeigen, ein bisschen erinnern solche Nummern aber doch an den Villacher Fasching. Dafür geht die zweite Hälfte mit wesentlich mehr Musik weiter, inklusive Gastauftritt von Helmut Bohatsch, der ebenfalls aus "Soko Donau" bekannt ist.

Zusätzlich greift Seberg beim Politischen nicht nur auf Überspitzung und Satire zurück, sondern geht das Thema auch direkt an und liest die Rede, die MICHAEL KÖHLMEIER ANLÄSSLICH DER GEDENKFEIER für die Opfer des Nationalsozialismus geschrieben hat. Die Auflockerungen sind in der zweiten Hälfte so etwas schwieriger, mit Hilfe des Publikums und der Musiker funktioniert das aber ganz gut. Abgerundet wird der kurzweilige Themenwechsel mit einer musikalischen Satire auf Andreas Gabalier. Insgesamt war an der Menge des Zwischenapplauses immer wieder die wohlwollende Stimmung des Publikums zu merken, die Improvisation zahlt sich aus. Wer nächstes Mal also abseits der einstudierten Nummern was zum Lachen haben will und gern auch mal Mithilfe von Ironie den Frust über die Politik los wird, sollte Sebergs Termine also im Auge behalten. Nur falls es doch noch eine dritte Sondervorstellung von "Seberg off Music" gibt.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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