MUSIK

Musik aus Leidenschaft

Jazz hat oft ein leicht angestaubtes Image, man denkt eventuell an ein Saxofon, einen Bass und ein Klavier. An leichte Hintergrundmusik, die gut in eine Cocktailbar passt. Aber manchmal geht es auch anders, wie die Band Killah Tofu zeigt.

"Scarraphon" ist das zweite Album der Band, ehrlich muss man aber sagen, dass sie live noch besser als auf der Platte sind. Abgespielt ist SCARRAPHON eine spannende Mischung, Jazz-Elemente werden teilweise elektronisch verfremdet, und wahrscheinlich sind die Aufnahmen auch nicht genau so, wie sie durchgedacht waren. Denn die Improvisation macht einen Großteil der Musik von KILLAH TOFU aus.

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In der Eigenschätzung genau zu 40 Prozent. Das kann auch gut stimmen, weil beim Release-Konzert konnte ich bei vielen Songs erkennen, um welche vom Album es sich handelt. Aber dann. Normalerweise gibt es bei einem Konzert Zwischenpausen, Wechsel zwischen Liedern und kleine Momente der Stille. Nicht bei Killah Tofu. Jede Lücke wird zum Experimentieren verwendet; Besonders Michael Naphegyi am Schlagzeug spielt mit den unterschiedlichen Hats und Sticks, sodass es nie komplett leise wird. Leise ist eher das Publikum, das reagiert und auch die kleinen Aspekte wahrnehmen will – ganz ehrlich, ich habe schon lange nicht mehr ein so konzentriertes Publikum gesehen.

Das kann auch daran liegen, dass es kaum Texte gibt, Naphegyi spielt mit Aaron Steiner am Keyboard und Joachim Huber am Bass einfach zusammen und konzentriert. Allen dreien ist währenddessen der Spaß an der Improvisation anzumerken, einzelne Blicke während des Spielens wirken deshalb ein bisschen wie Insider-Jokes.

Wobei natürlich keiner behaupten will, dass der Spaß von Musikern an ihrer Arbeit die Qualität der Musik schmälern würde, ganz im Gegenteil. Ein Vorteil daran ist, dass die drei schon seit fünf Jahren miteinander spielen und deshalb wissen, wer wie reagieren wird. Laut Eigendefinition, nicht von mir interpretiert. Interessant sind daran die unterschiedlichen Hintergründe, Elektronik-Jazz würde man da bei keinem als Ergebnis erwarten. Eigentlich haben die drei nämlich mit Rock, Rap und Hip-Hop begonnen, sind aber jetzt doch irgendwie bei den Jazz-Anlehnungen gelandet.

Gastauftritte

Verstärkung haben sich die drei aber trotzdem noch extra geholt. Und zwar von Eveline Schmutzhard, die teilweise doch auch eine Stimme hinzufügt und von Lukas Schiemer wird zwischendurch auch noch der Sound des Saxophons hinzugefügt. Beides schadet nicht und sorgt für zusätzliche Abwechslung, beides wird auch vom Publikum positiv aufgenommen.

Kurz gesagt hört man bei Killah Tofu, wie Musik als Gesamtkunstwerk betrachtet werden kann und ein Konzert eine akustische Gesamtshow sein kann. Bühnenspektakel sind dabei nicht nötig, auch einen richtigen Spannungsbogen gibt es nicht. Dafür gibt es dazwischen eben keinen Abfall, Längen und Höhepunkte der Lieder folgen dem natürlichen Rhythmus der drei und teilweise auch den Reaktionen des Publikums.

Bei einem fertigen Album geht das natürlich nicht, das musikalische Können hört man dort (oder auch über Spotify) aber genauso raus. Und ein bisschen mehr vertäglicher zum Nebenhören ist es auch. Also für die, die Musik lieber als Nebenbeschäftigung sehen. Allen anderen kann man eigentlich nur empfehlen, zum nächsten Konzert zu gehen.

Zum Beispiel zum nächsten Konzert im  DAS DORF am 04. Mai. Außerdem gibt es mit BUS REPAIR auch schon die erste Single-Auskopplung.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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