AUF REISEN

Post aus: Krakau (Winter)

Nachdem meine Kollegin Luisa Lutter schon dort war, will ich  ihren Artikel natürlich nicht doppeln. Wer sich an ihre Tipps hält, sieht alles Wichtige. Die Tuchhallen, die Basilika Maria, den Bahnhof, den Wawel (Krakaus Burg), das jüdische Viertel Kazimierz. In jeder Stadt gibt es aber immer noch mehr zu entdecken. Hier also die Ergänzungsliste, was man in Krakau auch noch gemacht und gesehen haben muss:

Spazieren gehen
Meine absolute Lieblingsbeschäftigung in jeder Stadt. Krakau ist dafür besonders geeignet, denn vom Bahnhof kommend sieht zuerst alles wie die Miniaturversion einer Jugendstilstadt aus.  Der Bahnhof selbst ist wunderschön, direkt auf der anderen Seite des Basztowa (quasi der Ring von Krakau) ist das Theater, das ebenfalls aus der Wiener Gründerzeit stammen könnte. Zumindest bis zur Universität sollte jeder weitergehen, am Weg liegen das Florianstor und die Kirche St. Anna.

Die andere Möglichkeit wäre natürlich durch die Innenstadt zu gehen, hier liegen die Tuchhallen und die Basilika Maria; Je weiter man in das Zentrum kommt, desto älter werden auch die Häuser. Älter als der Wawel ist aber kaum etwas, immerhin stammen Teile der Burg aus dem 10. Jahrhundert. Der Wawel hat aber wiederum seine eigene Geschichte.

St. Peter und Paul
Die BASILIKA MARIA am Hauptplatz ist zwar sehr schön, mir persönlich aber etwas zu kitschig. Rot, Blau, Schwarz und Gold sind mir einfach zu viele Farben, um eine mittelalterliche Kirche zu bemalen. Wesentlich schöner fand ich die St.-Peter-und-Paul-Kirche, die an der südlichen Hauptstraße Grodzka steht. Schon beim Tor empfangen einen Statuen der Apostel, im Stil der Renaissance geht es innen weiter. Im Gegensatz zu vielen anderen Krakauer Kirchen haben Kunst und Architektur hier aber den Raum, um für sich selber zu wirken. Schlicht und dadurch beeindruckend entsteht so in der Peter-und-Paul-Kirche eine andächtige Stimmung, die in Krakaus Kirchen selten ist. Neu ist die Möglichkeit, die Gruft anzusehen, anstelle von Gebeinsammlungen kann man das frisch renovierte Fundament der Kirche ansehen. Särge sind in der Gruft aber nur vereinzelt zu finden.

Kirchen
Generell sollte man sich aber auch einige andere Kirchen ansehen. Prinzipiell lässt es sich auch gar nicht vermeiden, da an jeder zweiten Straßenecke eine steht. Kitsch beziehungsweise überladene Bilder und Statuen sind in Krakau das Hauptmerkmal der religiösen Praxis. Ebenfalls eine weitere schöne Ausnahme ist die Dominikanerkirche bei der Grodzka. Sie ist eine der größten römisch-katholischen Kirchen in der Stadt und auch eine der wenigen, in der dem Kitsch Grenzen gesetzt sind.

Der Wawel
Krakaus Burg – mit dem klingenden Namen Wawel - am Südende der Altstadt ist ein Sammelsurium der Epochen. Teile der Kirche stammen aus dem 10. Jahrhundert, mit der Zeit sind immer mehr verschiedene Gebäude dazugekommen. Der Übersichtlichkeit halber stimme ich Luisa zu und empfehle eine Führung, andernfalls ist ein oberflächlicher Eindruck das Maximum der Möglichkeiten. Im Alleingang ist allerdings Vorsicht angebracht, die angeschriebene Drachenhöhle haben wir nämlich auch zu dritt nicht gefunden. Kernstück der Burg ist wieder einmal eine Kirche, die Mischung der Jahrhunderte ist in dieser ganz besonders stark zu sehen. Leider aber wieder: roter, schwarzer, weißer und grüner Marmor, riesige Bilder, Statuen und unzählige Touristen machen die Kirche zur kitschigen Touristenattraktion.

Shoppen
Wer macht das nicht auf Reisen? Einfach um bei einem neuen Kleidungsstück zu sagen, dass es aus dem Ausland ist, oder zumindest, um Souvenirs zu besorgen. Mitbringsel gibt es in rauen Mengen in den Tuchhallen am Hauptplatz, beim Wechselkurs ist aber Vorsicht geboten. Ein Euro ist derzeit rund 4,2 Sloty wert, vieles wirkt beim umrechnen deshalb auf den ersten Blick billiger, als es ist.

Für exzessives Shopping ist die Galeria Krakowska gleich beim Bahnhof zu empfehlen. Bei Bedarf lässt sich in dem Einkaufszentrum locker ein Tag totschlagen, den Wechselkurs kann man hier getrost vergessen – das Preisniveau ist großteils dasselbe wie in Österreich. Außer man zahlt mit Karte, dann kann der Wechselkurs mancher Geschäfte hier doch noch einen finanziellen Vorteil bringen.

Essen in Kazimierz
Polnisches Essen ist ganz in Ordnung, es wird aber schnell eintönig. Gefüllte Teigtaschen machen den Hauptbestandteil vieler Gerichte aus, egal ob gebacken oder gekocht, mit Fleisch oder Gemüse gefüllt. Die beliebteste Version heißt Pierogi und egal, wie gut sie sind: Ab dem zweiten Tag wird es langweilig.

Essen ist in Krakau relativ billig, auch eine gute Hauptspeise kostet maximal zehn bis fünfzehn Euro. Die „klassische polnische Küche“ – also Teigtaschen mit Teigtaschen und Sauce – prägt die Altstadt, zum Essen empfehle ich deshalb einen kleinen Umweg. Das jüdische Viertel Kazimierz ist ein voller Restaurants, Clubs und Bars und entwickelt sich gerade ein bisschen zum Hipsterviertel. Deshalb sind die dortigen Angebote (zum Beispiel im „Qrudo Food & Wine“) sehr lecker, ein bisschen ausgefallen und auch halbwegs preiswert. Lustigster Aspekt des Essens: bestellen auf Polnisch – einen schöneren Lachanfall, als beim Versuch Polnisch zu sprechen, gibt es kaum.

Im Großen und Ganzen sind das die wichtigsten Ergänzungen. Kernstück jeder Reise ist es natürlich einfach durchzugehen, sich Dinge anzusehen und nicht Zuhause zu sein. Krakau ist dafür besonders geeignet. Eine Sache darf nur nicht vergessen werden: Es ist im Winter wirklich kalt. Dass Polen kälter als Österreich ist, ist kein Witz. Dafür gibt es überall (in jedem noch so winzigen Lokal und auf allen großen Plätzen) Glühwein. Mit Zimt, Orangen, Nelken und Honig. Der wärmt dann. Oder Krakau muss für den Sommerurlaub herhalten. Da gibt’s dann wahrscheinlich noch viel mehr zu sehen, weil man nicht alle zwei Stunden ins Warme muss. Eine Reise wert ist es aber eindeutig. Egal wann.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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