AUF REISEN

Post aus: Görlitz

g4Görlitz verbindet viele spannende Fakten auf kleinem Raum, auch wenn sie in der Oberlausitz wiederrum die größte Stadt ist. Seit 1945 ist die Lausitzer Neiße, welche direkt an Görlitz vorbei zieht, die natürliche Grenze zu Polen. Nach Kriegsende konnten die Bewohner aufatmen, der größte Teil der Häuser blieb unbeschädigt. Dresden würde wohl ähnlich schön aussehen wie Görlitz, wenn die Stadt nicht alles abbekommen hätte. Auch heute noch entdeckt man in Görlitz keine Bausünden in der Altstadt, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es über 4.000 denkmalgeschütze Häuser gibt. Man wandelt durch kleine Gassen und entdeckt Renaissance-Gebäude, sowie Gründerzeithäuser und Barockbauten. An die kurzen Wege gewöhnt man sich bereits am ersten Tag des Besuches und lernt sie sehr zu schätzen. In kürzester Zeit kann man per pedis sämtliche Sehenswürdigkeiten besichtigen, wie zum Beispiel die St.Peter- und Paulskirche, deren zwei Türme einen hohen Widererkennungswert haben und als Wahrzeichen das Stadtbild deutlich mitprägen. Weitere Türme sind der Nikolaiturm und der Dicke Turm sowie der Reichenbacher Turm, alle drei sind ehemalige Wachposten und wurden von den Wächtern früher auch bewohnt. In der Peterskirche gibt es in regelmäßigen Abständen Orgelkonzerte zum Lauschen. Ein klangvolles Ereignis, dass man nicht verpassen sollte.

g2Die Qualitäten der Stadt haben es wohl auch einen anonymen Spender angetan, welcher seit 1995 große Geldbeträge überweist und dadurch Restaurierungen und Erneuerungen im Kunst und Kulturbereich ermöglicht. Die Stadt profitiert von diesen Zusatzgeldern enorm, doch heuer wird die letzte Zahlung getätigt. Dies wird wohl einen Einschnitt in der Verteilung von Förderungen etc. mit sich ziehen, jedoch wurde das Geld jeher gut genutzt und so erfreut man sich an allem was damit geschaffen wurde.

Etwas außerhalb von Görlitz (und ohne Spenden auf die Beine gestellt), ist die Kulturinsel Einsiedel, die nicht nur für Kinder ein absolutes Highlight ist. Hier gibt es neben neun bewohnbaren Baumhäusern allerlei geheimer Pfade und auch spielerisches Gelände, was mit tollen und fantasiereichen Holzkonstruktionen bebaut wurde. Man sollte unbedingt einen ganzen Tag einplanen und Entdeckerdrang im Gepäck haben. Obwohl dieser vor Ort auch ganz von selbst aufkommt. 

Nicht verpassen sollte man auch das Heilige Grab, welches den Kreuzweg mit den Leidensstationen Christi zeigt und mittlerweile zum Touristenmagneten mutierte, da die Nachbauten, bei variierenden Angaben, zwischen 1481 und 1504 errichtet wurden. Auch der historische Nikolaifriedhof zählt zu einer der Sehenswürdigkeiten, hier lässt es sich ganz entspannt schlendern und das satte Grün genießen. Dabei nicht unbeachtet lassen sollte man das Grab von Jakob Böhme: Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“, zudem war er Mystiker und Theosoph. Seine Texte in „Aurora oder Morgenröte im Aufgang“ zeugen von interessanten Ansichten und Böhmes religiöse Erfahrungen. Weswegen er zu Lebzeiten mit einem Schreibverbot belegt wurde, welches im späteren Verlauf aber wieder erlassen wurde.

g1Nach einer ersten Stadterkundung sitzt es sich besonders schön bei Sonnenschein am Neiße-Wehr mit der Vierradenmühle. Hier hat man Blick auf den polnischen Teil der Stadt, kann sich aber auch der deutschen Seite zuwenden. Überhaupt hat Görlitz eine Hand voll wirklich schöner Cafés und Restaurants. Besonders angetan hat es mir ein kleines Café namens Herzstück. Es wird von einer jungen, sehr sympathischen Frau betrieben, die gerne einen Plausch mit ihren Gästen hält und wie nebenbei mit ihrem kleinen Team die leckersten Kuchenvarianten zaubert und auch g‘schmackige Sommerdrinks im Angebot hat. Durch das Café zieht sich ein Retro-Charme mit Lampen und Sesseln aus Omis Wohnzimmer, im hinteren Bereich stehen dazu sehr passend mehrere Nähmaschinen - die Dame des Hauses bietet Kurse im Nähen und Schneidern an. Sehr schön ist auch die minikleine Terrasse, auf welche man sich mit seinen auserwählten Leckereien aus der Vitrine und dem Lieblingsheft aus dem großen Stapel zurück ziehen kann und die Zeit gut und gerne vergisst. Aber warum auch nicht, man ist ja auf Kurzurlaub. Drei Tage sind völlig in Ordnung, zwar nicht ausreichend, aber um einen soliden Grundeindruck zu erhalten schon mal sehr gut. Dass jeder Besucher wiederkommen mag ist fast schon selbstredend. Uns geht es nicht anders und wir freuen uns bereits jetzt auf ein herzliches, erneutes Willkommen in dieser feinen Stadt.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top