AUF REISEN

Post aus: Nepal

nepaleinsWer von Nepal hört, hat unweigerlich flatternde Gebetsfahnen und den Mount Everest im Kopf. Bilder, die zwar stimmen und nicht wegzudenken sind, aber dass dieses Land noch so viel mehr zu bieten hat, erfuhren wir auf unserer zwölftägigen Reise. In Auszügen möchte ich euch davon hier berichten.

Trotz angekündigter Monsunzeit wagten wir uns in das Land und erlebten einen wahren Schauer an Eindrücken, jedoch keinen Regen. Nepal punktet mit viel Grün für das Auge und freundlichen Menschen an jeder Ecke. So viel sei schon einmal vorab verraten.

Nepal stand nicht unbedingt ganz oben auf unserer Liste zum Reisen, doch nachdem wir ein super Angebot im Internet fanden stand für uns fest: Einen kleinen Teil des Sommers verbringen wir dort. Unglücklicherweise erkundigten wir uns erst nach euphorischem Buchen, wie denn die Wetterlage zu dem Zeitpunkt dort so aussieht. Ein kurzer Blick ins Internet genügte und es stellte sich heraus, dass die Regengüsse zwischen Juli und Mitte September ihre Hochphase haben. Genau der Zeitraum, in den natürlich unsere Reise fiel. Wir deckten uns demnach eifrig mit Regenponchos ein und auch ein neuer wetterfester Rucksack wurde geholt. Dann ging es los. Mit einem langen Aufenthalt in Abu Dhabi erreichten wir, bei einer reinen Flugzeit von knappen 13 Stunden, endlich Katmandu. Und natürlich: ganz überraschenderweise regnete es. Wir wurden zum Hotel gefahren und schliefen sofort ein. Der nächste Morgen barg dann Überraschendes: Der Regen hatte sich verflüchtigt und an dessen Stelle war ein strahlender Sonnenschein getreten. Ein idealer Start in den Tag und um ein neues Land von seiner besten Seite kennenzulernen.

Leider lockt Katmandu optisch nur bedingt mit Reizen. Es ist eine graue Stadt mitsamt einem undurchsichtigen und chaotischen Autoverkehr und die Abgase erschweren das Atmen erheblich. Es ist empfehlenswert, einen Mundschutz zu kaufen, so wie es viele Einwohner auch tragen. Wem die Stadt zu viel ist und es einem nach Grün verlangt, der sollte in den „Garden of Dreams“ einkehren und dort die Zeit verbringen, auch wir bekamen in diesem charmanten Fleckchen Grün die Zeit wunderbar rum. Das Café bietet eine Vielzahl an traumhafter Schmankerl und überhaupt scheint hier kurzzeitig die Zeit stillzustehen.

Trotz des ersten Eindrucks waren wir guter Dinge, denn unser Fremdenführer war ein charmanter und lustiger Kerl, der zudem gutes Deutsch sprach. Er zeigte uns „Swayambhunath“ – ein Tempelkomplex, welcher westlich in Katmandu auf einem Hügel errichtet wurde und in der Mitte einen buddhistischen Stupa beherbergt. Zur Begriffsklärung: Ein "Stupa" ist eine heilige Stätte bzw. Tempel und zudem Repräsentant vom Geiste Buddhas. Da die Buddhisten diese Orte ehren, werden Stupas traditionell nur im Uhrzeigersinn umrundet. Hier hängen - ganz traditionell - viele bunte, wehende Gebetsfahnen und auch das Auge Buddhas schaut groß und wachsam auf einen herab. Wer ein Stupa umkreisen möchte, sollte dies entweder drei, acht oder einhundertacht Mal tun. Dies ist rituell begründet und vor allem ältere Menschen tummeln sich gerne dort und man sieht sie emsig ihre Runden ziehen. Dies ist vielleicht auch einer der Gründe, warum Nepalesen auch im hohen Alter oftmals so fit sind. Bei der Umrundung diese Art nähert man sich Buddha an und erlangt auf spirituelle Art einen Bezug. Niemand weiß genau, was sich in einem Stupa verbirgt, da diese komplett geschlossen sind und keinen Eingang besitzen. Doch es gibt zahlreiche Entstehungsgeschichten und ab und an sind wohl Knochen von besonders verehrten Mönchen enthalten oder aber auch eine Seerose, da dort zuvor an Stelle der Stupa ein Teich gewesen sein sollte. Die Mythen lesen sich wunderbar und auch wir lauschen unserem Guide andächtig bei seinen Erzählungen und blicken dabei über die Skyline der Stadt mit all ihren wehenden Fähnchen. Auf unserer Reise machten wir an diversen Stationen halt, die Aufzählung aller würde eine schier endlos lange Erlebnisberichterstattung mit sich führen, doch ich möchte mich auf wesentliche Highlights beschränken, welche besonders die spannende Andersartigkeit dieses Landes von dem gewohnten europäischen Standard abhebt.

nepalzweiEindrucksvoll war auch die Geschichte hinter den jungen Kumari Göttinnen, diese gelten als Inkarnation von der hinduistischen Schutzgöttin Taleju. Um eine Kumari zu werden, müssen die kleinen Mädchen besondere Prüfungen durchstehen und dürfen zudem nur aus der Goldschmiedekaste der Newari kommen. Das Kastensystem ist in Nepal noch stark spürbar, jedoch ist eine Überschneidung möglich und viele Menschen arbeiten zusammen, auch wenn sie verschiedenen Kasten angehören. Unser Guide erzählte uns, er könne den Menschen an der sprichwörtlichen Nasenspitze sowie an der Gesichtsform ansehen, aus welcher Kaste sie entstammen. Wir blieben die ganze Zeit über skeptisch und merkten schnell, dass das Thema ein starkes Diskussionspotential zwischen uns bereit hielt. Doch zurück zu den Kumaris und die Geschichte hinter der großen Anbetung der Kinder-Göttinnen: Taleju wurde der Legende nach vor langer Zeit von einem König gierig und unsittlich angefasst, was sie so sehr erzürnte, dass sie schwur, fortan nur noch in der Gestalt eines unschuldigen Kindes in Erscheinung zu treten. Kumari kann man nur eine bestimmte Zeit lang sein, spätestens die Menstruation beendet das Göttinnendasein und es muss eine Neue gefunden werden. Dafür müssen die potentiellen Kandidatinnen 32 sehr strikte Kriterien erfüllen können. Makellose Schönheit und rabenschwarze Augen und Haare zählen ebenso dazu wie der Fakt, dass man in dem jungen Kinderalter noch nie geblutet haben darf. Sobald auch nur das Blut des kleinsten Kratzers die Haut durchdringt, verliert die erwählte Kumari ihren Status. Zu bestimmten Tagen und Zeiten erscheint sie am Fenster ihres Palastes und segnet die Menschen. Normalerweise verlässt sie die Räumlichkeiten nie und wird von Privatlehrern unterrichtet. Verliert eine Kumari ihren Status, kehrt sie in den Schoß der Familie zurück, leider bekamen wir nicht heraus, wie es einer ehemaligen Göttin im gewöhnlichen Alltag ergeht und ob sie sich wieder eingliedern können. Doch ist es für diese Frauen schwer einen Mann zu finden, da ein alter Mythos besagt, dass den Männern, die eine ehemalige Kumari zur Frau nehmen, kein langes Leben beschert ist.

Voll Staunen und offener Münder saugten wir all die Geschichten auf, von denen es wahrlich mehr als genug gibt, denn die gesamte hinduistische Kultur ist auf den Festen tausender Götter und Göttinnen erbaut. Sie gliedern sich so nahtlos in den Alltag ein, sodass man nach wenigen Tagen in Nepal vergisst, wie es sich eigentlich anfühlt, ohne "Götter-Anbetungen" um sich herum zu leben.

Krishna, Vishnu, Shiva, Brahma und Ganesh gelten als die wohl bekanntesten Götter. Wobei Ganesh einer der Beliebtesten ist, da er als Vertreiber von Hindernissen und als Glücksbote gilt. Zudem wird er als Gott der Weisheit gefeiert, was ihn besonders bei Studenten sehr interessant macht.

Buddhismus und Hinduismus sind eng verzahnt miteinander und um all die feinen Unterschiede heraus zu filtern, bedarf es wohl eines eigenen Studiums. Innerhalb von zwei Wochen bekamen wir nur einen vagen Einblick in die ganze Bandbreite dieser zwei Glaubensrichtungen. Dieser gefiel uns aber im Großen und Ganzen außerordentlich gut und verleitet dazu, sich näher mit den Kulturen und Traditionen auseinander zusetzen.

Am Ende der Reise gab es zum Glück auch noch einmal leichte Kost in Form von einem Elefantenausritt in einem der National Parks. Hierbei ging es durch den grünen Dschungel Nepals und man konnte den Blick von oben schweifen lassen. Ein besonderes Erlebnis mit Langzeitspaß, da wir uns noch den ganzen nächsten Tag die Blätter und Äste aus den Haaren klaubten. Eine Dschungeltour ist absolut lohnenswert und mit etwas Glück erhascht man einen Blick auf Nashörner oder gar einen der seltenen Tiger. Zum krönenden Abschluss gönnten wir uns zu zweit einen Flug über das Himalaya Gebirge mit „yeti airlines“ und sahen so den Mount Everest und all die umliegenden Berge aus nächster Nähe. Ein beeindruckendes und im Gedächtnis bleibendes Erlebnis, denn ich glaube nicht, dass ich speziell dem Mount Everest jemals nochmal so nahe sein werde, geschweige denn die Spitze sehen werde. Nepal wird uns sicherlich nochmals willkommen heißen können, denn wir haben noch lange nicht alle Göttergeschichten erfahren und alle Tempel besucht. Doch war es ein herrlicher erster Trip um einen Einblick in diese Region zu gewinnen, die ich nebenbei bemerkt, gern jedem ans Herz legen möchte.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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