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Post aus: USA

usa01Ist es dein feuchter Hipster Traum die Westküste Amerikas zu erkunden? Sehnst du dich nach Portland und der Ursprungsfiliale von Starbucks? Sagst du gerne Sachen wie: Einen Venti Caramel Light Skinny Soy Milk Frappuccino With Whipped Cream bitte? Dann lies nicht weiter. Denn hier findest du nur Tipps, die dir nicht weiterhelfen werden: den National-Park-Roadtrip-Guide zur Westcoast von Amerika, der deine Familie mit Fotos von endlosen Weiten vor Neid erblassen lässt.

Vancouver - San Francisco - Lake Tahoe - Lassen National Park - Redwood National Park und Fern Canyon - Oregon Sand Dunes - Sea Lion Cave - Seattle - Vancouver Island - Vancouver

Eine Reise beginnt doch meist auch für Planungsmuffel mit der Festlegung einer Route und Buchungen der Airbnbs für längere Aufenthalte, Flüge und Mietwägen, im Vorhinein, da sich vor allem für letztere gute Deals finden lassen. Deshalb voran etwas Organisatorisches. Ich würde jedem raten, der einen Trip in die USA plant, besonders früh mit der Mietwagensuche zu beginnen, da, wie in unserem Fall diverse zusätzliche Gebühren, wie die young drivers fee (unter 25), die one way fee (da wir das Auto nicht am selben Ort, nicht einmal im selben Staat, zurückgaben), berechnet worden wären, denen wir dank geschickter Buchungen teilweise entgehen konnten. Da wir nur in den größeren Städten, in denen wir länger blieben, Airbnbs buchten, kümmerten wir uns um die Reservierung von Motels am Weg meistens am selben oder am Tag davor. Für Buchungen über das Internet wird eine Kreditkarte benötigt, sonst kann auch mit einer normalen Bankomatkarte Geld behoben werden.

usa02Am ersten Juli (Canada Day!!) ging es von Wien über Toronto nach Vancouver, wo wir, angekommen und glücklich nach einem 24h Trip, trotz der Feierlichkeiten gleich einschliefen. Vancouver erkundet man am besten mit dem Rad, denn hier gibt es auch in kleinen Gassen in Downtown viele Überraschungen zu entdecken. Besonders schön, wenn auch oft crowded, ist es den Indoor-Markt in Granville Island zu besuchen und die Musik am Pier mit kleinen Köstlichkeiten zu genießen. Und immerhin gibt es dort die besten Donuts der Welt! Die Halbinsel kann gut per Rad oder mit einem Spaziergang entlang der Seepromenade des False Creeks erreicht werden. Sehr schöne Ausflugziele sind auch Strände entlang der English Bay oder die Halbinsel Stanley Park, wohin im Sommer scheinbar die braungebrannten durchtrainierten halbnackten Bewohner Vancouvers pilgern, um sich zur Schau stellen, aber sehr selten um schwimmen gehen.

usa03Die Seite bored in Vancouver ist bei einem kurzen Aufenthalt sehr zu empfehlen, da sie kurzfristige Hinweise auf lokale Events wie Konzerte, Foodmarktes, Schauspiele und vieles mehr gibt. Im Zeitraum unseres Aufenthalts fand beispielsweise von 9.-10. Juli das super süße Wiener Dog Racing statt.

Am nächsten Tag ging es per Flugzeug weiter nach San Francisco und dazu muss gleich gesagt werden: San Francisco ist kalt. Der Katalog lügt mit seinen sonnigen Bildern! Also fuhren wir vom Flughafen noch kurz in die Purisima Creek Redwoods Open Space Preserve, durch die eine kurvige Bergstraße an den berühmten Redwood-Bäumen vorbeiführt.

Nachdem wir dem Nebel am zweiten Tag nicht entkommen konnten, klapperten wir alle touristischen Attraktionen (Golden Gate Bridge, Twin Peaks, Lombard Street, Cable Cars) ab, verbrachten noch am Fishermans Wharf und Pier 39 (In N Out Burger!!) einen entspannten Nachmittag und sahen den Vorbereitungen zur Fouth of July Celebration zu. Man muss zur Verteidigung sagen, dass es in San Francisco wunderschöne Strände gibt, man sieht sie nur nicht wegen des Nebels. Auf jeden Fall einen Besuch wert ist aber der etwas abgelegene China Beach. Am Abend gab es noch das riesige 4th of July Feuerwerk, das eine halbe Stunde dauerte, was selbst eingefleischte Patrioten nach 15 Minuten dazu verleitete einen Blick auf die Uhr zu werfen.

Der nächste Stopp, Lake Tahoe, ist ein 497 km² großer (vergleiche mit Wien: 414,6 km²) See, der zwischen Nevada und Kalifornien in einem Bergtal liegt, kurz: Das Paradies auf Erden. An dem über steile Bergstraßen zugänglichen Gewässer, in dessen ihn umgebenden Kiefernwäldern Hotels stehen, liegen einige der schönsten Sandstrände der Welt. Ein Ort um Kanu fahren, zu entspannen, wandern zu gehen und am glasklaren kalten Wasser die Welt um sich zu vergessen. Im Winter eröffnen dort einige der beliebtesten Skipisten der Gegend.

usa05Über Nevada gelangten wir schließlich zum Lassen National Park, einem vulkanischen Gebiet, das sich durch brodelnde Schlammlöcher und ätzenden Schwefelgeruch bemerkbar macht. Hier kann man in den Ranger Stations eine Ranger Quest aufnehmen, was besonders für Familien spannend ist, da man viel über die Ökologie und Vegetation der National Parks lernen kann und man, falls es geschafft wird, alle Punkte des Rangerhefts auszufüllen, den Titel Junior Ranger erhält. Das wurde uns von einer Familie, die sich gerade auf der Quest befand, uns nach einer drei stündigen Wanderung am Weg zurück adoptierte und mit dem Auto zur Ranger Station brachte (wir waren zu faul zurückzugehen), erklärt. Dabei noch eine Warnung: Die einzigen Radiosender, die man hier empfängt, sind Country, Christian Radio und etwas, das klingt als würde es aus dem nächsten Trailer Park gesendet werden, nennen wir es Opinion Radio.

An dieser Stelle des Artikels will ich auch eine kurze Schweigeminute einlegen, um einem Ort meines Herzens zu Gedenken. Susanville, der Albtraum jedes Reiseführers: Durch eine flache Einöde führt eine Asphaltstraße entlang von austauschbaren Fastfood Ketten, überdimensionierten Liquor Stores, Pick-up-Truck Händlern und Waffengeschäften. Laut Wikipedia ist der größte Arbeitgeber das örtliche High Desert State Prison mit 1.200 Angestellten und 4000 Insassen.

Das Motel, indem wir nach einer Fehlbuchung (Unwollen des Besitzers) in Chester eincheckten (YOUR NOT IN MY BOOK MAN, YOU GOTTA CALL ME; YOU CANT JUST SHOW UP) wurde von einem zahnlosen alten Mann geführt und sah aus, als würde es jeden Moment und wenn nicht gleich, dann in den nächsten Tagen, implodieren.

usa09Der betrunkene Obdachlose der seinem Unmut über die Welt laut schreiend (wörtlich FUUUUCK) auf dem Parkplatz des Motels über eine Stunde zwischen drei und vier Uhr nachts freien Lauf ließ, vervollständigte nur den Charme des lieblichen Örtchens am Rande Nevadas.

Dann ging es zurück zur Küste. Der Highway 101 bietet die Zeit und Atmosphäre, die schlechtesten Teenagemusikgeschmacksünden, die man noch auf dem iPod hat, oder die furchtbarste Mainstream Pop Musik, die man besitzt, zu hören und laut mitzusingen, während man die kurvigen Berg- und steilen Küstenstraßen entlangfährt. In Mitten des Redwood National Parks, in dem man wiederum von gigantischen Zedern und Redwoods umgeben ist, liegt der Fern Canyon in der Nähe des Gold Bluff Beachs. Hier wurden unter anderem Szenen für die Urwald-Kulisse aus Jurassic Park gedreht und an den endlosen, menschenleeren Stränden leben Rothirsche in freier Wildbahn. Hier gibt es einige Hiking-Trails entlang der Strände und durch den Canyon, die ausnahmslos sehr empfehlenswert sind.

Etwas weiter nördlich und bereits in Oregon angekommen, sticht der Oregon Dunes National Park mit seinen riesigen Wanderdünen hervor. Hier lassen sich in den diversen Shops rund um die Dünen Sandbuggys und Sandbords ausborgen. Wir entschieden uns für zweiteres, da diese nur 7$ pro Stunde kosten. Sandbords sind wie unlustige Snowboards, da man auf dem Boden, sobald man die Unterseite mit Wachs eingerieben hat, so gut wie keine Haftung hat. Wenn man, wie ich, schon an sich kein guter Snowboarder ist, wird Sandborden hauptsächlich stehend cool aussehen. Die weiten Dünenlandschaften und Meeresstrände sind jedoch wunderschön und auch einen Besuch wert, wenn man sein Sandboard nur als Rodel benützt.

usa11Über den Olympic National Park, seine urwäldliche Schönheit und majestätischem Ausblick auf Mount Olympus, machten wir uns, mit ehrfürchtigen Stops bei den Schichtvulkanen Mt. Rainer und Mt. St. Helens auf den Weg nach Seattle.

Seattle war eine Stadt zum Verlieben. Neben dem Seattle Meowtropolitain, das im Sturm mein Katzenliebhaber-Herz eroberte, gibt es dort eine große Auswahl an möglichen Aktivitäten. So gibt es dort Fußball (ja, richtig gelesen!) und Baseball Spiele (Go Mariners!), einen wunderschönen Universitätscampus, für Technikbegeisterte Führungen durch das Boeing Werk und seattle's most boring exhibit, eine Tunnel-Bohr Ausstellung. Am Pike Markt kann ein weiterer Indoor Fisch Markt und die erste Starbucksfiliale bestaunt werden. Ein guter Tipp ist es, einen Besuch der Space Needle durch die Aussicht vom Columbia Tower zu tauschen, da dort wesentlich weniger Menschen unterwegs sind und man gleichzeitig einen Blick des Dropbox Headquarters erhaschen kann.

Mit der Fähre machten wir uns schließlich auf zum letzten Stop der Reise, Vancouver Island. Wir hatten das Glück dabei gratis bei der Überfahrt eine Familie vorbeziehender Buckelwale zu sehen.

usa14Die im Westen Vancouvers gelegene Insel ist ein Paradies für alle Naturbegeisterten.

Die Städte im Westen sind sehr touristisch, dort gibt es aber auch viele Möglichkeiten Dinge zu tun, surfen zu lernen und essen zu gehen. Beispielsweise ist es anderweitig fast unmöglich, sich in Vancouver Island ein Kanu auszuborgen, da sie scheinbar davon ausgehen, dass jeder sein eigenes hat. Wir wohnten in der Mitte der Insel in Port Alberni und wurden dort von Jenny (Air Bnb Jennys Garden Nook) und ihren Katzen Mittons, Buttons und Kittens liebevoll aufgenommen und versorgt. Besonders zu empfehlen sind auf der Insel die langen Strände in Tofinos und eine Höhlentour in den Horn Lake Caves mit anschließendem Kanuausflug.

Der Westen der USA ist mit seinen interessanten Metropolen, bergigen Nationalparks, endlosen Weiten und schnell wechselnden Vegetationen ein Refugium für all jene, die ihre Seele baumeln lassen, sich zurücklehnen und das Leben genießen wollen. Ich würde den Roadtrip jedem herzlich empfehlen, denn westcoast ist bekanntlich best coast.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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