AUF REISEN

Post aus: Bozen

Das etc. Magazin hat sich für ein verlängertes Wochenende eine Auszeit genommen und in den Bus nach Bozen gesetzt. Da wir nachts ankamen, konnte man noch nichts von der Schönheit erahnen, in welche Bozen eingebettet ist. Denn die kleine Stadt liegt inmitten der Dolomiten und idyllischer Weinhänge. Doch dass die Stadt ihre Reize hat, konnten wir bereits auf den ersten Blick erkennen, denn auch des Nachts ist sie hell erleuchtet und präsentiert sich dem nächtlichen Spaziergänger sprichwörtlich im "schönen Schein".

bolzano01Als Unterkunft kam uns die Gastfreundschaft einer Freundin zu Gute. Es ist immer ein Geschenk, wenn man eine Stadt mit einem Insider erkunden und zudem noch "authentisch" wohnen kann. Nach einem langen Ausschlafen am ersten Tag ging es sogleich auf Erkundungstour der fünf Stadtteile. Donnerstags eignet sich wohl generell gut zum Stadt entdecken, es ist noch nicht zu touristisch auf den Straßen und man hat die Gehwege für sich. Wir schlenderten durch die kleinen Gässchen und es fühlte sich so an, als würde jeder Weg zum Obst- und Gemüsemarkt auf dem gleichnamigen Obstplatz führen. Dieser findet täglich, außer sonntags, statt. Hier kann man frische und regionale Produkte erstehen und es ist die absolute Miniversion von unserem, uns so gut bekannten Naschmarkt.

Da wir uns natürlich wie Einheimische verhalten wollten, kamen wir auch nicht um den obligatorischen "Mittags-Apero" herum. Apérol Spritz scheint in Bozen mit seinen ca. 105.000 Einwohnern wohl DAS Getränk zu sein und neben den orange leuchtenden Gläsern sahen wir mittags nur vereinzelt kleine Chipskörbchen auf den Gastrotischen stehen. Ein tolles Lokal, in welchem wir auch unseren ersten Spritzer tranken und welches unweit des Marktes liegt, heißt "Fischbänken" und hat mit all seinen Farben, Schirmen und Schmuckaccessoires einen stark südländischen Touch. Hier sitzt es sich herrlich entspannt auf den kleinen Hochstühlen. Chips werden kostenlos zu den sehr schmackhaften Drinks gereicht. Der Alltagsstress fiel spätestens in diesem Moment von uns ab. Leicht angetüdelt setzten wir unseren Stadtspaziergang fort und machten kurze Zwischenstopps in den Laubengängen, mit den niedlichen Geschäften. Supermärkte für kleine Snacks gibt es nur vereinzelt und wir fanden in ganz Bozen nur Geschäfte von der Spar-Familie.

bolzano02Bozen ist, bei schnellen Schritten, wahrlich an einem Tag zu begehen. Doch bietet es sich an, sich Zeit und einfach treiben zu lassen. Immer gut im Gepäck zu haben ist der JOSEF Guide, ein toller Stadtführer mit 120 Orten und Insider-Tipps. Von Essen, Shopping und Kultur bis hin zu Natur im Umland ist alles dabei. Toll, ist auch der Fakt, dass der Reiseführer in drei Sprachen geschrieben ist und man die Wahl zwischen deutsch, englisch und italienisch hat. Überhaupt ist die Stadt mit ihrem Mix aus Sprachen wahnsinnig spannend. Den ganzen Tag über hört man ein buntes Durcheinander und fängt selber an zwischen den Sprachen zu switchen.

Wir bekamen spontan noch den Tipp uns das Museion anzusehen, da es an diesem Tag ab 18 Uhr kostenfrei zugänglich war. Dort gibt es regelmäßig hippe und vielseitige Ausstellungen. Ein Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall und im Anschluss nicht den Apérol Spritz auf der ebenerdigen Terrasse des Museums vergessen.

Wir entschieden uns dazu bei dem strahlenden Wetter, noch einen Spaziergang am Talferbach entlang zu machen. Folgt man dem Flussverlauf, so gelangt man zur großen Liegewiese und quasi freiem Wohnzimmer aller Bozner. Wer etwas Abkühlung braucht, kann einen Schlenker in Richtung Stadtinneres machen und dort dem Südtiroler Archäologiemuseum einen Besuch abstatten. Hier liegt "Ötzi - der Mann aus dem Eis" und man kann durch ein DIN A4 großes Fenster in die Kühlkammer schauen.

bolzano04Wer es noch kälter braucht, kann eine der drei zur Verfügung stehenden Seilbahnen nutzen und auf einen der umliegenden Berge fahren. Da Bozen in einem Talkessel und auf 265 Metern über dem Meeresspiegel liegt, hat man eine herrlichen Blick auf die Stadt in Höhen von 1000 bis 1400 Metern. Hier wird einem ein wunderbarer Ausblick auf die Dolomiten, umliegende Hänge, Wiesen und Berge präsentiert. Die kühle Bergluft im Nacken und die schattigen Wälder spenden definitiv  ein wenig Abkühlung.

Apropos Abkühlung: Für die beste Eisdiele in Bozen muss man ein klein bisschen laufen, doch lohnt sich der Aufwand allemal. In dem Eissalon Avalon bekommt man verrückte Eissorten und natürlich auch klassische, allerdings mit einer Geschmacksexplosion im Mund, die so schmackhaft ist, dass wir gleich noch eine weitere Kugel bestellen. Praktisch sind die kleinen Lichter, welche hinter den wabenartigen Schildern an der Wand befestigt sind. Je nach dem ob sie an sind oder nicht, weiß man direkt, ob das Eis verfügbar ist.

bolzano03Abends einkehren kann man wunderbar im Batzenhäusl. Mit etwas Glück ergattert man einen der traumhaften Plätze unter den lila farbenden Blüten, welche in alle Richtungen zu wachsen scheinen. Hier verweilt so mancher kurz, um zu mindesten ein Foto zu machen. Das Essen ist zudem nicht nur eine Freude fürs Auge, sondern auch noch für den Gaumen. Zum Ausklang des Tages empfiehlt es sich ein paar Schritte weiter zu gehen und ins Pims einzukehren. Die Drinks sind ein Wahnsinn und erfreuen auch den Geldbeutel. Wer noch einen kleinen Nachtsnack möchte, dem empfehle ich die Süßkartoffelpommes für ca. 4€. Ein wahrer Genuss und die Sauce darf man dazu auch noch selber wählen.

Nachdem wir bereits am ersten Tag so viel in Bozen erlebten und sahen, entschieden wir uns dazu, den kommenden Tag in Meran zu verbringen. Der Zug fährt täglich mehrmals und bringt einen für 5 € und in 40 Minuten in die Nachbarstadt. Es gibt eine gemütliche Therme, in welcher wir den halben Tag verbrachten. Allerdings erst nachdem wir mit dem Panoramalift einige Höhenmeter überwunden hatten und dann einen Spaziergang zur Seilbahn Hochmuth machten. Es empfiehlt sich gleich zu Beginn ein Kombiticket zu erstehen. Oben erwartet dann das Restaurant Hochmuth seine Gäste und verköstigte auch uns mit feinstem Kaiserschmarren. Wieder runter vom Berg ging es dann endlich in die Therme. Für 22€ inklusive Sauna ist man dabei und kann das vielfältige Angebot nutzen. Nach den Saunaaufgüssen wird stets eine riesige, frische Obstplatte hingestellt, natürlich zur freien Entnahme. Es gibt sogar einen extra Eisraum, in dem man sich herrlich abkühlen kann nach den diversen Saunen. Besonders gut gefiel mir die Heu-Sauna. Hier atmet man den Duft von frischem Heu ein, sitzt bei angenehmen Temperaturen auf Holzbänken und schaut parallel dazu ein Video wie Heu geerntet wird.

Zurück in Bozen überkam uns die Bettschwere und wir ließen das Feiern und Erkunden der Bozner Clubszene ins Wasser fallen. Am folgenden Tag erwachten wir erfrischt und nach einem ausgiebigen Frühstück daheim (Achtung! Die Frühstücksangebote sind in Bozen sehr mau bis gar nicht vorhanden) entschieden wir uns einen der umliegenden Wanderpfade auszutesten. Die Auswahl ist riesig und jeder sollte für sich und seine Anforderungen einen passenden heraussuchen. Wir kauften unterwegs noch Snacks und Proviant und schauten uns auch den Sonnenuntergang von oben an. Nicht umsonst wird das Alpenglühen auch gerne als Postkartenmotiv verwendet.

Abends lockte uns dann noch das sagenumwobende Nadamas in seinen Schanigarten. Hier trifft sich ein jeder Nachtschwärmer. Bei dem ein oder anderen Bier oder Spritzer vergisst man völlig die Zeit und da es noch immer herrlich warm ist, kommt es uns schon wie eine laue Sommernacht vor.

Glücklich spazieren wir wieder nach Hause, verlaufen usn ein-, zwei-mal in den vielen Seitenstraßen, doch finden sicher nach Hause, denn in Bozen kann man nicht verloren gehen. Abschließend können wir jedem diese süße Stadt nur noch mal jeden ans Herz legen. Bozen ist ideal für eine kleine Flucht aus dem Alltag. Es kommt mit viel Charme daher und wer das Kleinstadtfeeling mag, wird sich hier sicherlich wohl fühlen.

Beschriebene Orte mit Adressen:
Fischbänke: Dr.-Josef-Streiter-Gasse, 39100 Bolzano
Museion: Piazza Siena, 1, 39100 Bolzano
Eissalon Avalon: Corso della Liberta 44, 39100 Bolzano
Batzenhäusl Andreas-Hofer-Straße, 30, 39100 Bozen
Pims: Maria-Delago-Platz 6, 39100 Bolzano
Sessellift meran: Via Galileo Gallilei 40, 39012 Merano
Nadamas: 43/44, Obstplatz, 39100 Bozen 

 

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