AUF REISEN

Post aus: Rom

Ich bin ein Sonnenmensch. Meine Freunde hassen das manchmal, weil mich das in den ersten Frühlingswochen unerträglich glücklich macht. Deshalb habe ich mich schon seit Mai auf diese vier Tage gefreut. Bisher war das Wetter ja nicht wirklich vielversprechend, also habe ich auf Italien gesetzt. Bella Italia, wo die Sonne immer scheint. Und wie sie scheint, wie ich jetzt dank meines ersten Sonnenbrands in diesem Jahr beweisen kann.

rom01Das alles verstärkt das Urlaubsgefühl, das Rom vermittelt. Alleine im Forum Romanum kann man gut und gerne fünf bis sechs Stunden herumspazieren und dabei vor dem inneren Auge die alten Palast-, Tempel- und Wohnanlagen wieder auferstehen lassen. Bei den Palastanlagen ist das teilweise schwierig, immerhin gehen die übrigen Fundamente auf Kaiser Augustus zurück. Wobei Fundamente fast das falsche Wort ist, schließlich geht man auf den meterhohen Resten und sieht in alte Gärten und Badeanlagen hinab. Gleichzeitig muss man sich aber vorstellen wie die Ruinen neben einem ebenfalls einige Meter weit hinauf gingen und einen unbegreiflich großen Palast entstehen lassen. Ist schwierig, aber all die Archäologen werden mit ihren Berechnungen wohl Recht haben. Wesentlich einfacher geht das mit der Vorstellung  auf dem alten Hauptplatz. Säulen, Hausteile, Statuen – im Verhältnis zu dem was da war, ist dort definitiv mehr stehen geblieben. Außerdem fällt es mir leichter auf Säulen hinaufzusehen und mir den zugehörigen Tempel vorzustellen, als in einen alten Garten hinunter und mir die Badeanlagen dort vorzustellen.

Gut und dann gibt es noch das Kolosseum. Das auch alt und beeindruckend ist und alles was man erwartet. Außerdem steht direkt neben dem Forum der große Siegespalast, den Viktor Emanuel nach der Vereinigung Italiens und dem Sieg über Österreich bauen ließ. Jetzt kann man natürlich sagen, dass es irgendwo anders auch große Paläste mit viel Marmor und Prunk und Statuen gibt, aber ganz ehrlich: Nein. Zumindest in Europa können alle anderen sich das Abschminken. Dieses Kriegsdenkmal und viele andere Gebäude sind geprägt von einem Größenwahn der Herrscher, dass die Hofburg im Vergleich wie ein Pferdestall wirkt. Und der Vorteil an dem Kriegsdenkmal (eigentlich seltsam, dass es ein Denkmal ist) ist, dass man hinauf gehen kann und eine großartige Aussicht über die Stadt hat.

rom02Abseits davon ist Rom noch vielfältiger. Bunte Märkte wechseln sich mit kleinen Seitengassen, dem Tiber, der seine türkis-grünen Wasserschlaufen durch die Stadt zieht, und antiken, päpstlichen und napoleonischen Palästen ab. Der Palast auf dem Quirinal – einem der sieben Hügel Roms – etwa ist von der Vorderseite beeindruckend, fast noch spannender ist aber die Rückseite. Vom Seiteneingang dort sieht man im Innenhof nämlich nur Palmen soweit das Auge reicht. Auch ein Faktor, der sehr beim Urlaubsgefühl hilft und die Stadt in den Hintergrund rückt.

VERGISS SEHENSWÜRDIGKEITEN
Rom ist aber sowieso voll mit versteckten Entspannungszonen. Direkt im Zentrum gibt es immer wieder Parks in Innenhöfen und auch die Tiber-Insel ist eine Idylle in der Stadt – inklusive Anglern. Gut, natürlich nicht mit der begrünten Donauinsel vergleichbar, aber dort beginnt der Urlaub dann so richtig. Von der Altstadt über die Insel geht es nämlich direkt nach Trastevere. Das Viertel vermischt Toskana-Gefühl  mit Hipsterbars, Kirchen mit Touristenströmen und Straßenverkäufer mit offenen Haustüren, durch die man Familien beim Kartenspielen im Wohnzimmer zusehen kann. Gleichzeitig ist Trastevere momentan ein beliebtes Ausgehviertel und tatsächlich sehr geeignet um bis zwei Uhr morgens im Freien zu sitzen und Cocktails zu trinken.

Für das schlechte Gewissen, das sich wegen der mangelnden Kultur meldet, kann man am nächsten Tag den nördlich angrenzenden Vatikan besuchen. Zur passenden Uhrzeit ist es sogar beim Petersplatz angenehm ruhig, für das vatikanische Museum sollte man sich aber besser vorher online Tickets besorgen (sonst weiß man nicht, dass sie manchmal den ganzen Tag geschlossen sind).

rom04Die übrigen Sehenswürdigkeiten sollte man auch lieber mit Vorsicht genießen. Der Platz vor dem Trevibrunnen sorgt für klaustrophobische Anfälle unter freiem Himmel, die spanische Treppe ist ein Hürdenlauf zwischen herumsitzenden Touristen und durch den Pantheon spaziert eine Schlange von Touristen auf einem vorgegebenen Pfad. Zumindest auf persönlicher Sicht kann ich nur sagen: da ist gutes Timing nötig, wenn man dort entspannt sein will.

Wie bei allen Städten kommt es aber auf den Zeitraum an. In wenigen Tagen sollte man Sehenswürdigkeiten auslassen. Besonders weil Rom so viel Geschichte beherbergt und man ohnehin an jeder Straßenecke Ausgrabungen, Kirchen, Paläste, Statuen und weiß der Kuckuck was entdecken kann.

Und einmal sollte man sich auf der Tiberinsel zum Kaffeehaus zu setzen und den Straßenmusikanten zuzuhören. Was Rom deshalb auf jeden Fall kann, ist Urlaubsgefühl vermitteln. Rom ist warm und schön und tatsächlich so sehenswert, wie immer alle sagen. Schon allein deshalb sollte man die Stadt einmal im Leben entdecken. Am besten mit viel Zeit, dann gehen sich Entspannung und Sehenswürdigkeiten aus. Oh und für den Kaffee in der Pause: manchmal ist es nicht mehr ganz so schön, aber finanziell zahlt es sich definitiv aus, den einen Block weiterzugehen. Neben dem Kolosseum gibt es nämlich die Regel, dass jeder Gast bestellen muss. Pizza teilen ist also nicht drin. Aber: Wer will schon Pizza teilen?

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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