AUF REISEN

Post aus: Iran

Es ist 4.30 Uhr, als wir im Iran landen. Die Uhr wird zweieinhalb Stunden vorgestellt, die Jahreszahl zurück, wir sind im Jahr 1397. Der Flughafen ist bis auf die Mitreisenden unserer Maschine leer. Der Pass wird kontrolliert, unser Fahrer gefunden und schon sind wir im Hotel.

Shiraz, unser erstes Ziel auf der Reise, die so manche meiner Blickwinkel auf dieses Land verändern wird. Davor hatte ich keine richtige Vorstellung vom Iran, hin und wieder wird in den Medien berichtet, meist Negatives. Alkoholverbot, Kopftuchpflicht für Frauen und ein strenges Regime – Tatsachen, die mit diesem Land verbunden werden.

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Shiraz ist bekannt für seine botanischen Gärten. Viele Bäume, wunderschöne Blumen, in der Mitte eine Wasserquelle und rundherum viele begeisterte Iraner*innen, die bestückt mit ihren Selfiesticks alles genau aufnehmen. Für sie ist dies ein besonderer Ort. Außerhalb der Stadt gibt es nur Wüste, es gleicht einem Wunder, dass diese Gärten so saftig grün sind.

Iran ist auch ein Land der Literatur. Zwei große Poeten, Hafis und Saadi, stammen von hier. Sie beide haben in Shiraz eine Gedenkstätte, die sehr gut besucht wird. Junge und alte Iraner*innen pilgern zu ihren Idolen, um dort ein paar Verse zu singen oder Freunde zu treffen. Immer öfter werden wir angesprochen. "Welcome to Iran!", diesen Satz können hier die meisten. So fangen Gespräche an. Die einen fragen, woher wir sind, andere wollen ein Foto mit uns machen. Sobald eine Familie weg ist, kommen die Nächsten. Iraner*innen sind sehr offen, sehr kommunikativ, wollen reden, auch wenn die Englischkenntnisse knapp sind.

Am verwinkelten Bazar, auf dem man zwischen Stoffen und Gewürzen wahre Schätze finden kann, suchen wir ein empfohlenes Kaffeehaus. Wir fragen zwei junge Frauen, ob sie es kennen, sie sind sich nicht sicher und fragen sich durch diverse Stände und führen uns schlussendlich wirklich zum Ziel. Ein Nein kennen Iraner*innen nicht. Sie wollen, fast könnte man meinen, müssen helfen. Es ist ihre Art, die Kultur, nach der sie leben.

Weiter geht die Reise durch die Wüste. Unser Fahrer, der den iranischen Fahrstil beherrscht, bringt uns sicher von Ort zu Ort. Selber fahren ist unmöglich. Der iranische Straßenverkehr ist ein wirres und doch koordiniertes Zusammenspiel verschiedenster Autos aus den 1980er Jahren, das von einem Hupkonzert begleitet wird.

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Wir sind in Yazd, dessen Altstadt von Lehmbauten dominiert wird. Auf mehreren Dächern befinden sich kleine Cafés, die einen wunderschönen Ausblick bieten. Um einen herum erstrecken sich Lehmhäuser und wunderschöne Moscheen. Wir sitzen mit einem köstlichen Tee auf einer dieser Terrassen, der Muezzin durchbricht mit seinem Abendgebet die Stille und ein Gefühl der Freiheit kommt auf. Und das in einem Land, welches widersprüchlicherweise von Einschränkungen und Regeln geprägt ist.

Ein Highlight in Yazd ist das Zurchāneh. Dabei handelt es sich um eine Sportraum, in einem ehemaligen Eisturm, in dem sich Iraner treffen, um zu beten und dann gemeinsam Sport zu machen. Aufgebaut ist das ganze wie eine kleine Arena. Am Rand sitzen die Zuschauer (meist Touristen) und in der Mitte bewegen sich sportliche Männer jeden Alters. Es werden mit schweren Holzkeulen oder Metallketten hantiert. Dazu gibt es einen Kommentator, der mit einer Trommel und Gesang den Takt angibt. Testosteron liegt in der Luft und durch das Anfeuern, wenn einer der Sportler in der Mitte steht, kommt ein Gefühl der Gemeinschaft auf.

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Unser Fahrer bringt uns nach einem nächtlichen Sandsturm, zu unserem letzten Ziel, Isfahan. Isfahan ist die Touristenstadt Irans. Bekannt ist diese für Ihren riesigen Hauptplatz (siehe erstes Foto im Artikel), welcher vom Bazar, zwei Moscheen und dem Ali Quapu Palast umrandet wird. Gras erstrecken sich auf diesem Platz, auf dem Iraner*innen mit Freunden und Familie auf ihren Perserteppichen picknicken.

Der Bazar ist riesig, misst Kilometer. Schnell verlieren wir die Orientierung, finden so aber kleine Wege und neue Schätze. Hier wird Safran verkauft, dort ist ein Teppichgeschäft oder jemand handelt mit bedruckten Stoffen. Eine atemberaubende Atmosphäre von Zufriedenheit, Respekt und Freundlichkeit ist nicht nur am Bazar, sondern in ganz Iran spürbar.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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