AUF REISEN

Post aus: Sarajevo

Wienähnliche Bezirke mit mehrgeschossigen Wohnbauten umschließen den berühmten Pigeon Square, der aus eingeschossigen Häusern besteht. Es wirkt, als wäre der Osten im Westen eingepackt.

Sitzt man auf diesem Platz mit einer heißen Schokolade oder einem bosnischen Kaffee, original aus einem Kupferkännchen, fühlt man sich gar nicht bloß zwei Flugstunden von Zuhause entfernt, sondern wie im tiefen Herzen des Orients. Frisches Obst lockt bei vielen Ständen und Kirche folgt auf Moschee, von der unweit eine Synagoge steht. Eine Stadt zwischen Himmel und Hölle, so kommt es einem vor, wenn man durch die Straßen von Sarajevo schlendert. Alles wirkt friedlich, kulturelle Vielfalt und das ohne lange Anreise, doch sieht man genauer hin, ist die gesamte Stadt vernarbt von ihrer jüngsten Kriegsvergangenheit.

sarajevo01Fast kein Haus, das keine Einschusslöcher aufweist und selbst im Stadtzentrum kann es passieren, dass ein Gebäude leersteht, nur noch Fassade und Bäume statt der ehemaligen Bewohner.

Normalerweise sind Ruinen etwas Zeitfernes für uns. Wir können sie betrachten und nur spekulieren, über frühere Epochen und ihre Gepflogenheiten, doch die Ruinen in Sarajevo sind "frisch". Die 1990er haben Mahnmäler hinterlassen und machen klar, dass Krieg nicht ein abstraktes Wort ist, das ein Geschehen bezeichnet, das irgendwann vor mehr als 200 Jahren oder irgendwo am anderen Ende der Welt stattgefunden hat oder stattfindet.

Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Österreich zum Beispiel, hat die Geldknappheit des Landes dazu geführt, dass der narbenlose Zustand nicht wiederhergestellt werden konnte, sondern ein mahnender Finger in der Architektur beinahe jeden zweiten Hauses sichtbar bleibt.

Auch die zahlreichen Museen der Stadt setzen sich auf unterschiedliche, aber immer informative und schockierende Weise mit den Gräueltaten der Jugoslawienkriege auseinander. Besonders zu empfehlen ist das Museum der Verbrechen gegen Menschlichkeit und Genozid, das nicht nur viele Exponate ausstellt, sondern auch Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Die Eintrittspreise sind überall sehr gering, sodass es auch mit einem knapperen Budget möglich ist, sich mehrere Museen anzusehen. Jedoch sei gewarnt, dass mehr als eines pro Tag psychisch schon schwer zu ertragen ist.

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Abseits von seiner düsteren Vergangenheit, bietet Sarajevo freundliche Menschen und eine schöne Natur. Einen Häuserblock neben der geschäftigen Hauptstraße, kann man zum Beispiel unter den Bäumen einer Allee dem Fluss Mijacka entlangspazieren oder am Schlossberg im Vidikovac essend oder trinkend, einen Überblick über die Stadt genießen und abends einen schönen Sonnenuntergang sehen. Außerhalb der Stadt ist es außerdem möglich, einen Spaziergang mit der Erkundung der Bob-Bahn von den Olympischen Winterspielen 1984 zu verbinden. An einem heißen Sommertag bietet der Wald eine angenehme Erfrischung und die besprühte Bahn einen fabelhaft-bunten Kontrast zu dem Grün der Bäume.

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Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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