AUF REISEN

Post aus: Italien

Wer zögert nicht gern das Unausweichliche ein bisschen hinaus? ... und noch ein klitzekleines bisschen mehr. So ging es auch mir, als ich aus dem Fenster blickte und ernüchternd feststellte: jetzt ist Herbst! Es regnete zwar nicht, aber dieser leichte Schleier lag bereits über allem. Es missfiel mir. Zum Glück habe ich in einem Sommermonat Geburtstag und einen schlauen Freund, der mitdenkt. So kam es, dass ich zwar aus dem Fenster blickte, aber dennoch beschwingt sein konnte. Mir stand ein Urlaub bevor - mein Geburtstagsgeschenk. Es sollte ins sonnige Italien gehen, zu der Familie meines Freundes. Pizza, Pasta, Adriaküste und dolce vita - ich bin dabei!

Die App versprach kuschelige 20 bis 23 Grad vor Ort. Temperaturen, mit denen man definitiv arbeiten kann und die mich hoffnungsvoll nochmal Kleider aus den Kisten holen ließ.

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Die Anlaufstation: Senigallia, eine beschauliche Ortschaft an der Adria mit rund 44.000 Einwohnern. Also wunderbar überschaubar und gemütlich. Wir kamen an einem Samstagabend an und hatten dadurch gleich die Chance, das Nachtleben etwas kennenzulernen. Da wir zudem das große Glück besaßen und direkt am Fiume Misa wohnten, waren wir innerhalb von zwei Gehminuten in der Innenstadt.

Der Fiume Misa ist ein unaufgeregter Kanal, der sich friedlich durch die Stadt schlängelt. Ebenfalls friedlich, aber sehr viel stimmungsvoller geht es am Wochenende am "Al Foro Annonario" zu. Hier trifft sich die Jugend. An Markttagen durch die üppige Ware kaum wiederzuerkennen, verwandeln sich die alten Mauern am Wochenende zu einem beliebten Hotspot. Es gibt viele Bars und wir hatten sogleich den richtigen Riecher und wählten das Caffè Ghinelli. Die Barkeeper wissen, was sie tun. Die Karte ist überschaubar und dennoch für österreichische Verhältnisse unfassbar preiswert. Kurzum: Wir waren restlos begeistert. Wer danach noch tanzen gehen möchte, kann dem Drang ums Eck in der Diskothek "gratis" nachgehen. Eine unauffällige Tür mit angeschraubten Leuchtelementen, verkündet schon von Weitem, dass man hier richtig ist.

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Ungewohnt für mich war der Tagesablauf. Normalerweise gehe ich den ganzen Tag auf Erkundungstour und kehre in gemütliche Lokale ein, die mir auf dem Weg begegnen. Doch da die Familie meines Freundes vor Ort lebt und man sich ja auch im Urlaub gerne fremden Traditionen anpasst, aßen wir Frühstück, Mittag und Abendbrot daheim. Das erforderte einiges an Planung und Geschick, wenn man trotzdem einige Sehenswürdigkeiten besichtigen wollte.

Bekannt ist die Festung "Rocca Roveresca di Senigallia". Mit 4 Euro Eintritt ist man dabei und wird durch die unterschiedlichsten Ebenen dieser ehrwürdigen Gemäuer gelotst. Die Festung wurde ab 1480 gebaut und besitzt eine tolle Terrasse, dank der man über Senigallia schauen kann.

italien01Besonders angetan war ich von dem "La Belle Epoque Cafe", wo man zum Aperol Spritz am Nachmittag gleich noch eine kostenlose Schieferplatte mit Schinken und Käse gereicht bekommt. Ebenfalls zu empfehlen ist das süße Surfer-Café "Cabot Cove - Outdoor Sport Cafè". Hier bekommt der angehende Surfer nicht nur all seine Ausrüstung, sondern auch guten Kaffee und tolle Cocktails und Snacks.

Es empfiehlt sich übrigens wirklich die Autofahrt auf sich zu nehmen und die Grotte di Frasassi zu besichtigen. Man bekommt die ganze unterirdische Pracht, welche die Natur zu bieten hat, präsentiert. Einzigartige Formationen, gigantische Stalaktiten und ebenso atemberaubende Stalakmiten hängen und stehen von den Decken. Unbedingt eine Kamera mitnehmen, es gibt einiges zu fotografieren. Man kann zwischen unterschiedlichen Führungen wählen und sogar auf mehrstündige Expedition gehen.

Natürlich konnten wir es zudem nicht lassen und mussten uns in die Fluten stürzen. Einmal von den Wellen erfasst, fühlte es sich gar nicht mehr so klirrend kalt an. Sogleich versammelte sich eine kleine Gruppe, bestehend aus charmanten, älteren italienischen Damen, am Strand und rätselten, ob wir nun Niederländer oder Deutsche seien. Denn nur diese zwei Nationen würden zu dieser Jahreszeit noch solche Flausen im Kopf haben.

Wir schmissen beim Herauskommen lachend unsere Köpfe in den Nacken und ließen die Herbstsonne unsere Körper schnell wieder aufwärmen. Ja, genau so haben wir uns eine kurze Verlängerung des Sommers vorgestellt. Und wenn ich den Sommer noch ein klitzeklein wenig weiter verlängern möchte, obwohl ich schon wieder längst daheim in Wien bin, dann mische ich mir ein Glas Aperol Spritz und sehe beim Schwenken darin die flammend untergehende Sonne. 

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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