THEATER

Schausturm

schausturm04Ein jeder hat irgendwelche Herzenswünsche, ob nun groß oder klein. Manche erfüllen sich diese eher, andere lassen sich Zeit oder warten gar zu lang. Im Falle von Miriam Ohlmeyer und Kieana Shirzadeh Semsar erfüllten sich die beiden Theater-, Film- und Medienwissenschaftsstudentinnen ihren Traum schon in jungen Jahren, zwischen Bachelorarbeit und normalem Alltagswahnsinn. Sie stemmten heuer ihre eigenes, freies Theaterkollektiv aus dem Boden und tauften das ganze Unterfangen auf den klangvollen Namen "Schausturm". Diesen steuerte eine Freundin bei und er gefiel den beiden auf Anhieb so sehr, dass kurz darauf bei einem Bekannten das Logo in Auftrag gegeben wurde. Heraus kam eine wundervolle Komposition, die verspielt aber auch elegant aussieht, eine gelungene Mischung, welche die zwei Persönlichkeiten auch gut widerspiegelt.

Mit dem Theater in der Drachengasse hat das Kollektiv "Schausturm" einen spannenden und guten Kooperationspartner gefunden, welcher seine Türen gern öffnet und frischen Wind durch die Räumlichkeiten wehen lässt.

schausturm01Das erste Stück ist bereits in eifriger Vorbereitung und die Proben derweil in vollem Gange. Dies alles passierte in rasender Geschwindigkeit und die zwei blicken schon jetzt auf einen bewegten Start zurück, der von der passenden Stücksuche über eine Theaterbühne und natürlich bis hin zu den geeigneten Schauspielern reicht. Der aktuelle Cast besteht aus 15 Leuten, die sich teilweise schon aus früheren, gemeinsamen Produktionen kennen. Die Wahl des Stückes barg kein großes Diskussionspotential mehr, da Miriam und Kieana bereits seit langem klar war, dass es Max Frischs Werk "Andorra" werden soll. Für ein Erstlingsstück hat dies natürlich eine besondere Gewichtung und umso spannender war die Tatsache, dass sie sich genau dieses heraus suchten. Sie beschrieben ihre Wahl als einen Mittelweg, da sie ihre Zuschauer weder berieseln wollen, noch übertheatralisch bedeutungsschwanger daher kommen möchten. So wurde es ein gesellschaftskritisches Stück, das sein Publikum fordert und auf Identitätsfindung, Antisemitismus und Rassismus aufmerksam macht und mit seiner Handlung auch klar aufzeigt, wie Beeinflussung Vorurteile heraufbeschwören kann. Für all jene, denen Max Frischs "Homo Faber" präsenter im Gedächtnis ist, helfen wir an dieser Stelle gern auf die Sprünge: Andri aus "Andorra" ist die zentrale Schlüsselfigur und befindet sich in der unglücklichen Situation, dass er der uneheliche Sohn des Lehrers Can und einer schwarzen Ausländerin ist. Er wird in seiner Heimat als jüdischer Pflegesohn ausgegeben. Die Dorfbewohner erkennen zunehmend in Andri "jüdische" Züge und obwohl er durch seinen Vater von seiner wahren Identität erfährt, hält er an dem Glauben fest, Jude zu sein. Dies gipfelt nicht nur in einer verzwickten Liebesgeschichte sondern auch in einer schrecklichen Ermordung, in deren Mitte die Wesensveränderung der Betroffenen stehen, Andri mitsamt der andorranischen Stimmen in seinem Kopf, sowie die Frage des "Anderssein". Diese Aspekte werden von "Schausturm" filetiert und vor dem Auge des Zuschauers, in mehrere Bilder zerlegt, dargestellt.

schausturm03Geprobt wird an diesen einzelnen Bildern zur Zeit noch sehr eifrig und mehrmals die Woche. Es muss an unzählig vielen Einzelheiten wie Licht, Requisiten und Positionsaufstellungen gedacht werden. Dabei ist nicht nur ein gewisses Koordinations- und Durchsetzungstalent gefragt, sondern auch das Motivieren will gelernt sein. Doch Kieana und Miriam überzeugen mit Gelassenheit und der nötigen Portion Mut sowie Tatendrang im Gepäck, sodass wir auf einen spannenden Abend à la Frisch schon jetzt neugierig sein dürfen.

Bei wem Interesse geweckt wurde, Aufführungstermine sind an folgenden Tagen: 28.6.2016 um 20 Uhr | 29.6.2016 um 20 Uhr | 30.6.2016 um 20 Uhr im Theater Drachengasse.

 

 

 

 

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