THEATER

badluck

badluckSieben junge Menschen versammeln sich im Keller des Hamakom Theaters auf einer kleinen Bühne, der jüngste von ihnen tritt hervor. Von ihm werden wir später erfahren, dass sein Name Tarek Alghamian ist und er vor kurzem begonnen hatte, als Buchhalter in der syrischen Hauptstadt Damaskus zu arbeiten. Er spricht fließend Englisch und stellt die in einem Sesselkreis um ihn herumsitzenden Anderen mit Namen vor.

Hayder Munsed und Hayder Al Chagovi zeigen daraufhin den Ankündigungstrailer ihrer 2014 konzipierten Performance "Bad Luck" und beginnen über die Schwierigkeiten der irakischen Film- und Theaterarbeit zu sprechen, die von Bombenanschlägen bedroht seit 2011 illegal verrichtet werden musste. Über die acht zentralen Fragen ihres Stücks (wie: „Wie möchtest du sterben?“) erzählen die beiden – und bald auch die Übrigen – Episoden aus ihrem Leben, wie es sich durch den Krieg schlagartig veränderte und über die Gründe ihrer Flucht und verbinden sie performativ mit Zitaten aus Bad Luck.

Viele sprechen arabisch, das von Alghamian simultan übersetzt wird, oder englisch und deutsch und unterstreichen ihre Aussagen und Geschichten durch Videos, Fotos und Beschreibungen. Salah Al Omar erzählt von IS Gefangenschaft, Mohamed Abram von mit Snipern besetzten Gebieten; sie sprechen von Kontrollen, Bombenanschlägen und der Bedrohung ihres Lebens; dass es in Damaskus schon fast alltäglich ist, wenn Häuser und kulturelle Stätten weggebombt werden, und was passiert, wenn ein Freund oder Familienmitglied betroffen ist. Fast resigniert schildern sie, wie sie ihre Familien zurücklassen mussten und vertreten Meinungen über den IS, Islam und Assad, die keineswegs beschönigt oder neutral sind und auch vor dem Hintergrund der Performance und der Einstreuung von Zitaten betrachtet werden müssen. Aber es gibt auch ermunternde Momente. So erzählt Wael Ibraheem persönliche Anekdoten über das Alltagsleben, die Kultur und von der Liebe. Zwischendurch singt die junge Sängerin Noor Al Khoury und begleitet sich später auf der Gitarre.

Dem Hamakom ist es in Koproduktion mit dem Salon 5 mit dieser Zusammenstellung gelungen, die Flüchtenden nicht auszustellen, oder sie durch einen fremden Text etwas chorisch nachsprechen zu lassen. Stattdessen finden die Flüchtenden eine Möglichkeit ihre Stimme zu erheben, eine Meinung zu äußern und können Anliegen anhand einer selbst geschaffen Performance öffentlich ausdrücken. So werden Flüchtlingsbilder, die durch Printmedien in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben werden hinterfragt, dekonstruiert und kritisiert. Wer sich mit Schicksalen, Alltäglichkeiten und Realem konfrontierten und den Begriff des Menschsein überdenken möchte, sollte diese Performance dringend sehen.


Weitere Termine sind am 19.05 und 25.05.2016 um 20:00 Uhr, der Eintritt ist, bis auf eine freiwillige Spende zu Gunsten der performenden Flüchtlinge, frei.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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