THEATER

Theater-Nachwuchs in der Drachengasse

dracheJährlich lädt das Theater Drachengasse zum Nachwuchs-Wettbewerb für Jungtheaterschaffende ein. In diesem Rahmen wurden vier Einreichungen zum Thema „Willkommen in meinem Schutzraum“ ausgewählt, um den meist internationalen jungen Theaterensembles und ihren neuesten erarbeitenden Werken eine Bühne zu bieten. Der Wettbewerb ist empfehlenswert für jeden, der sich mit den Ideen Junger Ensembles auseinandersetzen möchte, oder DramaturgInnen beim scouten des jungen Nachwuchs beobachten will. Am Ende gewann dieses Jahr die Form über den Inhalt.

Die vier Stücke "Lichtet jeden Anker", "You're just jealous/das Gegenteil von gut", "Fieber fressen" und "Die großen Kinder unserer Zeit" wurden aus den Einsendungen des diesjährigen Nachwuchswettbewerbs ausgesucht, um 16 Tage lang in der Dachengasse gespielt zu werden. Die Einreichenden erhielten für ihre Projekte jeweils 5.000 Euro um diese zu realisieren, als Coach wurde ihnen die Regisseurin Katharina Schwarz zur Seite gestellt. Die zwei Besten wurden am 18. Juni abschließend mit einem von einer Fachjury (Kira Kirsch – künstlerische Leiterin brut; Bettina Hagen – Kuratorium der Stadt Wien; Ernst Kurt Weigel – Leitung Off-Theater und das.bernhard.ensemble) bestimmten Wettbewerbspreis (5.000 Euro) und einem – via Wahlkarten nach den Vorstellungen ermittelten – Zuschauerpreis (1.000 Euro) prämiert.

Das siebenköpfige Team von "Lichtet jeden Anker" schicke drei JungschauspielerInnen, um, in fünf kurzen Szenen auf einem schulterhohen Plateau mit Kletterausrüstung ausgestattet, eine Reise zum innersten Schutzraum zu versuchen, Geschichten der Eltern aufarbeiten und zu diskutieren, was eine post-migrantische Wirklichkeit sein kann. Das Spiel wurde von einer Nebelmaschine und den Nebel brechenden Taschenlampen atmosphärisch unterstützt, wodurch ein überzeugendes Gefühl der Enge, wie man es aus Höhlen kennt, erreicht werden konnte.

Die drei DarstellerInnen von "You're just jealous/das Gegenteil von gut" schlachteten in primärfarbenen Regenmänteln die Probleme von (freundschaftlichen) Beziehungen und Rollenbildern aus, Text und Darstellung waren dabei geprägt von pointiertem Witz, welcher das Publikum immer wieder auflachen ließ und dem Trio wohl zu Recht den Publikumspreis einbrachte. Interessant ist an dem Team auch der junge Autor Stefan Hornbach, dessen Stück "Über meine Leiche" den Osnabrückner Theaterpreis gewann, zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen wurde und im Moment auch am Deutschen Theater Berlin und Wiener Burgtheater produziert wird.

„Fieber fressen“ versuchte durch philosophische Annäherungen an Byung Chul-Han Themen wie Authentizität, Rassismus, das "Regime des Positiven" und Gewalt am Theater zu erforschen. Folglich sollte dort, wo "So tun als ob" Grundlage ist, Authentisches geschaffen werden, um einen "Ort zu finden, an dem sich Performende und Publikum tatsächlich berühren". So eine Suche nach Authentischem ist aber im Medium des Theaters von Grund auf schwierig, da Dargestelltes in seiner Form nie das Medium der Darstellung verlassen kann – und auch Authentizität, die wiederholt reproduziert wird (wenn auch an jedem Abend unterschiedlich), wiederum Spiel ist. Abgeschlossen wurde das Stück von Gesang, der vielleicht den direktesten und berührendsten Moment des Stücks hervorrief.

"Die großen Kinder unserer Zeit" war ein wortstarkes Stück, das von den beiden SchauspielerInnen Nehle Breer und Silvan Frick auf überzeugende Weise dargestellt wurde. Diese glätzten mit Bühnenpräsenz und sprachen das rhythmisierte Stück perfekt getaktet ineinander. Der Text selbst war thematisch kaum innovativ: Krise des Individuums und der wohlstandsverwöhnten Studenten, Sinnlosigkeit des Lebens, Sinnentladung der Inszenierung, Bunker in der Schweiz, Überhöhung und Ironie. Das Ganze wurde Lotz ähnlich mit heroischer Musik untermalt, auch die goldenen Lorbeerkränze muteten ironisch an, während Breer eine überdimensionierte goldene Fahne schwenkte. Das Stück erhielt den Jurypreis, wohl wegen der Form und guten Darstellung des Stücks.

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top