THEATER

Nenzing - Fünf Tage Verzauberung

llnenzing02Wie jedes Jahr wurde auch heuer wieder das traditionsreiche Luaga & Losna Spektakel begangen. Mittlerweile ist es das 28. Internationale Theaterfestival in Folge sowie die 21. DramatikerInnenbörse. Ein Fest für alle Sinne, denn neben zahlreichen Theaterstücken gab es auch allerhand Lesungen und spannende Inszenierungsgespräche am Abend, zu denen Wein und kleine Mahlzeiten gereicht wurden. Die Künstlerische Leitung übernahm auch dieses Jahr wieder Johannes Rausch, der wieder sein Haus zur Verfügung stellte und es somit zum Knoten- und Austauschpunkt werden ließ, der Festivalclub hat mittlerweile Tradition.

In den fünf Tagen, die das Festival jedes Jahr geht, werden täglich zwei Kinder- und Jugendstücke gezeigt und zusammen mit den eingeladenen Autoren schauen wir uns diese allesamt an. Zwischendrin kommen die Autoren auch zu Wort: Jeder von ihnen hat seine eigene Lesung mit anschließender Besprechung. Die Autoren geben sich gegenseitig Tipps und "wir", die 4-5 jungen StudentInnen, welche ebenfalls stets mit von der Partie sind und die Autoren mit verteilten Rollen und dank kurzer Vorstellung ihrer Person in die Lesung einführen, helfen mit wo wir nur können. Die Moderation dazu wird zuverlässig von Gerhard Ruiss geleitet. Er pickt Stilblüten heraus und schafft es auf charmante Weise, jeden der lauschenden Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

llnenzing03Ganz neu ist seit diesem Jahr der Workshop für das Kritikenschreiben für das Kinder- und Jugendtheater. Ein kuratierter Workshop, welcher das Ziel beinhaltete junge Journalisten mit der Thematik des Kindertheaters vertraut zu machen. Es wurden heuer zwei Jungjournalistinnen ausgewählt und ich hatte die Ehre, eine von ihnen zu sein. Die Leitung übernahmen Dr. Manfred Jahnke von der LMU in München sowie Heinz Wagner, den einige Leser sicherlich vom Kinderkurier kennen. Beide stecken vollends in der Materie und sensibilisierten Nina Litman und meine Person für das Kritiken schreiben. So gibt es nun dieses Jahr zum ersten Mal einen Rückblick und viele verschiedenen Einblicke in die diversen Stücke.

llnenzing04Ein jedes war auf seine Art inspirierend und führte uns in eine andere Welt. Wer denkt Kindertheater kann nur mit Seifenblasen, lachenden Gesichtern und bunten Farben, irrt sich gewaltig. Der künstlerische Anspruch ist enorm und die Messlatte wird mit jedem neuen Stück meistens noch ein Stückchen höher gelegt. Wer Kindern Theater näher bringen möchte, benötigt viel Fingerspitzengefühl und ein gutes Gespür für spannende Geschichten. Doch damit ist es nicht getan, Kinder mögen es, wenn sie gefordert werden, dies fördert ihr künstlerisches Bewusstsein, niemand setzt voraus, das nur gelacht werden darf im Theater. Aktuelle Thematiken werden genauso aufgegriffen und nur anders darstellerisch umgesetzt. Zu den Vormittagsveranstaltungen kommen regelmäßig viele Kindergartengruppen, aber auch Schulklassen. Bei dem Blick auf das Programm wird ganz deutlich, dass die Geschichten Hand und Fuß haben und nicht immer leichte Kost sind, so etwa wie bei der Aufführung von "GrenzenLos". Das Theaterensemble Traumbaum beschäftigt sich mit der Frage, wo das „Dort“ ist und wo ein „Hier“ beginnt. Gegensätze werden beleuchtet, aber auch Gemeinsamkeiten erkannt. Eindrucksvoll ebenso die Inszenierung von der One-Woman-Show mit Elisabeth Nelhiebel unter dem Titel "Krieg. Stell dir vor, er wäre hier", nach einem Essay von Jane Teller. Während bei manchen Aufführungen voller Körpereinsatz unumgänglich ist, gibt es wieder andere, wie z.B. "Hands Up!", in denen aller Zauber nur mit den Händen vollführt wird und ein Paar Augen und kleinen neckischen Details, welche die Phantasie beflügeln. Auch ein russisches Ensemble war zum wiederholten Male in Nenzing zu Gast und verzauberte besonders die kleinsten Gäste mit einer Performance ohne Worte.

llnenzing05Die Woche verfliegt nur so und zwischen all den Theaterbesuchen, Lesungen, Textbesprechungen und Inszenierungsgesprächen bleibt kaum Zeit für die Kritiken, welche wir verfassen sollen. Die Woche entpuppt sich wieder einmal als voller Erfolg und als ein bereichernder Aufenthalt. Man trifft auf viele, spannende und beeindruckende Persönlichkeiten und wünscht sich eigentlich währenddessen schon ein Revival des Festivals. Leider muss bis kommendes Jahr gewartet und die Vorfreude geschürt werden, „gut Ding will Weile haben“, so geht doch ein altes Sprichwort? Wenn dem noch so ist und es kommendes Jahr wieder so zauberhaft und produktiv wird, dann kann ich abschließend nur sagen: Ich warte gerne, sehr gerne!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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