THEATER

Der diskrete Charme der smarten Menschen

diskretercharme01Schon beim Betreten des TAGs fallen die vielen wartenden Menschen am Eingang auf. Es ballt sich vor der Kassa, neugierig erfrage ich den Grund für den Stau. "Warteliste" ist die kurze, wie ernüchternde Aussage meines Gegenübers. Zum Glück habe ich bereits mein Ticket und beeile mich in den Saal zu kommen, denn es herrscht freie Sitzplatzzahl und da die Vorstellung restlos ausverkauft ist, gibt es einen dementsprechenden Run auf die besten Plätze.

Gut sitzend mit hervorragenden Blick auf das Geschehen, kann man bereits die Darsteller beobachten, wie sie sich in Dehnübungen probieren, umherlaufen, Piano spielen oder einfach starr in der Gegend herumstehen. Nachdem auch der letzte Zuschauer seinen Platz eingenommen hat, geht es los: Wir werden den einzelnen sechs Charakteren, mit offensichtlich französischem Touch, vorgestellt. Sie bilden einen Freundeskreis, welcher sich regelmäßig zum gemeinsamen Essen trifft und ein jeder bekocht die anderen (mal mehr, mal weniger). Unser Erzähler der uns durch den Abend führt ist ein charmanter Herr, der uns aber auch gleich versichert, dass wir ihm nicht alles glauben dürfen.

diskretercharme04Ed. Hauswirth und das Ensemble haben gemeinsam den Text zum Stück verfasst. Dieses ist angelehnt an den Film von Luis Bunuels "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" und wir werden auch genau in diesen Bobo-Chic hineingezogen. Der Mittelstand wird mit allerlei diversen Bühnenlichtern beleuchtet und durch den verbalen Schlagabtausch der Schauspieler nochmal erhellt. Wir spüren regelrecht die pochende Halsschlagader, welche bei jedem der Darsteller heftig pulsiert, während sie ihr Wutausbrüche bekommen und auf der Bühne auf- und abtoben. Die Konstellation der Verbindungen innerhalb der Gruppe verschiebt sich - Überraschung - auch ein Stück weit, was in den einzelnen Szenen mit Schmunzeln und Lachern im Publikum quittiert wird.

Überhaupt gibt es viel zum lachen, denn uns als Zusehern wird einiges geboten. Vom Bio-Essen mit besonderen Beigaben, hin zu verqueren Wertvorstellung und Problemen der einzelnen Personen, das Stück rechnet mit einigem ab und hält sich stets den Spiegel vor. Auch wenn mir das Stück, welches ohne Pause auskommt, verhältnismäßig lang erscheint, fühlt es sich dennoch an, als wäre es ein "Guss" und man dürfte nichts daran verändern. Mit dem Blick auf die Uhr im Anschluss wird mir auch meine Vermutung bestätigt, es dauert ca. 110 Minuten.

Am Samstag, den 18. März, besteht zum letzten Mal die Möglichkeit dies gelungene Stück "Der diskrete Charme der smarten Menschen" auf den Brettern des TAG zu sehen. Wer es nicht hin schafft, kann natürlich auch auf eine nochmalige Wiederaufnahme hoffen. Doch möchte ich niemanden wünschen so lange auf das Vergnügen warten zu müssen.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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