THEATER

Ein Sommernachtstraum geschaffen für jede Jahreszeit

sommernachtstraum01Selten passiert es und doch kommt es vor: Das Burgtheater musste die für den 06.09.2017 angesetzte Premiere vom Sommernachtstraum verschieben.  Eine unangenehme Sache, doch der Regisseur Leander Haußmann nahm es gelassen, obwohl sein Stück die Saison-Eröffnung für das Haupthaus darstellt.

Bereits zum vierten Mal inszeniert er nun Shakespeares Sommernachtstraum samt Irrungen und Wirrungen und viel Liebelei. Der zweite Premieren-Termin fiel auf den 10.09.2017, einen Sonntag - und bescherte Wien dadurch gleich zwei Erstaufführungen an großen Häusern. Zuletzt war Leander Haußmann 1994 am Burgtheater mit dem Stück "Drei Schwestern" vertreten. Er wird gern als Querkopf beschrieben und so könnte man auch munkeln, dass die verspätete Premiere ein inszenierter Teil des Gesamtkonzeptes sei. Denn immerhin wird auch im Stück eine verpatzte Theateraufführung auf die Bühne gebracht.

Doch der Reihe nach: Es beginnt zaghaft, mit einem schlichten braunen Karton auf der Bühne. Aus diesem springt ein kecker Puck, im grünen Strickgewand. Sogleich will er uns mit einem bekannten Spruch aus einem anderen Stück in die Irre führen, doch winkt alsbald ab – und erntet erstes Gelächter. Dieses zieht sich immer wieder durch den Abend und bettet das Stück in eine wohlige Atmosphäre ein. Oftmals bleibt dem Zuschauer aber auch einfach nur der Mund offen stehen, ohne dass ein Ton über die Lippen kommt. Denn Herr Haußmann zieht an allen Burg-Registern und verwendet viel Technik. Ein fliegender Puck und sich geisterhaft bewegende Elemente sind da noch die kleinsten Überraschungen. Dem Auge wird so einiges geboten: hervorquellendes Kunstblut, aus mehreren Leibern, schemenhafte Gestalten auf dem roten Bühnenvorhang sowie diverse Projektionen.

Mal munter und flott und dann wieder etwas langatmiger und düster – aber immer im Hippie-Flair. Der Sommernachtstraum zeigt sich in vielen Facetten und macht dabei, in der Vielzahl der Szenen, eine gute Figur. Es wehen die Schlaghosen genauso über das Parkett,  wie die schimmernden langen hin und her geworfenen Haare von Lysander und Demetrius. Natürlich darf auch der nachträglich eingebaute Witz, zur verspäteten Premiere, nicht fehlen. Überhaupt sind viele kleine, feine Bemerkungen enthalten und auch sprachliche Schmankerl, wie der Ausruf Lysanders zu seiner Angebeteten Hermia, "Schleich dich... nachts in den Wald". Die Pause zwischen den Worten ist bewusst gewählt und wer den Ausruf kennt, weiß zu schmunzeln.

Ansonsten verläuft die Handlung in gewohnten Bahnen, Puck vertut sich mit der Wunderblume bei den Augenlidern, der zueinander gehörenden Paare, Zettel verwandelt sich in einen Esel und darf dennoch in den Genuss erotischer Liebkosungen kommen und auch die liebevoll, bunt zusammengewürfelte Theatertruppe hat ihren Auftritt.
Über allem liegt ein Zauber, auch wenn das Stück schon mehrfach gesehen wurde, so wirkt diese Inszenierung erfrischend. Die Magie geht auch nicht verloren, als die normalerweise im Hintergrund arbeitenden Bühnenhelfer ihren Auftritt bekommen und den Zauberwald zerlegen.

Leander Haußmann hat es geschafft, Verspätung hin oder her, einen gefälligen Sommernachtstraum auf die Beine zu stellen und wir sind froh, dass er den Wiener Sommer in den Herbst hinein verlängert.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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