THEATER

Von untoten Kronprinzen und weißen Hirschen

Die Premiere startete wegen einer technischen Panne zwar leicht verspätet, das Warten hat sich aber ausgezahlt. Mayerling ist weniger Theater als Singspiel, Ernst Molden hat sich ganz auf seine Expertise im Wiener Lied verlassen. Die Lieder der Band zeigen das ganz eindeutig, im Stück braucht es ein bisschen Zeit, bis alles flüssig wirkt.

Doch spätestens bei Eva Maria Marolds erstem Lied wird klar: Hier passiert mehr, als sich ausgeht. Teilweise leider wirklich, manche Lieder sind nämlich so stimmgewaltig, dass der Rabenhof schon fast zu klein wirkt. Dafür ist alles sehr intensiv und glaubwürdig gespielt und einzelne Lieder haben auch richtige Ohrwurmqualität - angefangen bei Christoph Krutzlers unterhaltsam wiederkehrenden Ode an den Mond.

So viel einmal als Abriss der musikalischen Rahmenbedingungen von Mayerling. Inhaltlich gibt es da schon mehr: Im Wald von Mayerling geistert Manuel Rubey als exaltierte Version von Kronprinz Rudolf rund 100 Jahre nach seinem Tod herum und versucht noch immer den weißen Hirsch aus der Hubertussage zu töten. Gesellschaft kriegt er dabei vom Tiefgruber vulgo Gerald Votava, der die Geschichte eigentlich erst in Schwung bringt. Nachdem er nichts mehr zu verlieren hat, kommt er in den Wald von Mayerling, wird von Rudolf besessen und deshalb auch von der Jagd auf den Hubertushirsch. Wer nichts zu verlieren hat – und von der Polizei verfolgt wird – lässt sich schnell zu Dummheiten hinreißen und so hat der Tiefgruber sehr schnell eine Klosterschwester als Geisel genommen. Gespielt wird die von Eva Maria Marold und damit ist das Trio für die Jagd auf den weißen Hirschen komplett.

Der untote Rudolf bemüht sich permanent, die Jagd am Laufen zu halten während Tiefgruber und die Nonne sich immer besser kennen lernen. Allerdings nicht nur sich gegenseitig, sondern auch das Publikum lernt über diverse Lieder viel über die handelnden Personen. Zu denen übrigens auch die verfolgende Polizistin (Michou Friesz) und Christoph Krutzler als Förster gehören.

Die ganze Geschichte klingt jetzt entweder zu einfach oder zu kurz zusammengefasst und deshalb verwirrend, ungefähr so ist es auch im Stück. Einerseits ist der Inhalt nicht sonderlich schwer zusammen zu fassen, andererseits werden manche Lücken zwischen Liedern nur mangelhaft gefüllt. Ausgeglichen wird das aber wiederum über die Performance der Schauspieler, die in ihren Rollen komplett aufgehen.

Rubey verleiht Rudolf eine Präpotenz und sieht auf die anderen herab, als ob sein Schicksal – das des Untoten wohlgemerkt – das einzig relevante Geschehen auf der Bühne darstelle. Marold und Votava geben sich ihren Rollen hin, gehen als Charaktere eher auf die einzelnen Szenen ein, wirklich glaubhaft ist Votavas Besessenheit von Rudolf und der sich deshalb anschleichende Wahnsinn. Mangel gibt es dafür teilweise bei seinen Gesangseinlagen, bei manchen gleicht Eva Maria Marold dieses Manko aber extrem gut aus. Zu guter Letzt wird das gesamte Stück aufgelockert von Friesz und Krutzler, die als komisches Duo auch noch manche der einprägensten Lieder bekommen haben.

Insgesamt fällt Mayerling mit auch nur einer Stunde Spielzeit eindeutig in die Kategorie "kurzweilige Unterhaltung", macht das mit Humor und guter Musik. Molden ist damit eine Nachfolge für seine hochgelobten letzten Singspiele Hafen Wien und Häuserl am Oasch gelungen, Rabenhof-Chef Thomas Gratzer hat mit der Regie den Rest erledigt. Kurzum: für Zwischendurch eindeutig zu empfehlen. Es sei denn, man hat eine Abneigung gegen überdrehte, tot geglaubte Adelige.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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