THEATER

One, two, three, four – Von der alten in die neue Bewegung

Im WERK X wird das Publikum noch bis 24. Jänner bei "Swing: Dance to the Right" dazu eingeladen, einen schwungvollen Trip mit Stationen in Hallstatt, Wien und auf dem Südpol zu machen. Das folgenschwere Gepäck an Worten wird dabei nach und nach entladen, bis ein Funken Emotion übrigbleibt.

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Die Zettel der geheimen und exklusiven Volksbefragung der ersten Publikumsreihe bleiben das ganze Stück über auf der Bühne. Zunächst werden sie entfaltet, zerknüllt, später wird achtlos auf ihnen herumgetreten und dann – endlich – beginnt das Aktionstheater-Ensemble in ihren Slim-Fit-Anzügen zu tanzen! Wie schön, welch Katharsis!

Sie haben uns doch versprochen, verkündet Martin Hemmer, nach einem Rechtsruck in Österreich, würde man die Tanzschuhe auspacken und was Lockerleichtes spielen! Was aus diesem durch zusammengebissene Zähne hervorgepressten Versprechen entstanden ist, ist ein eng verwobenes Netz aus nervösen Geistern, stark choreografierten Ritualen, den Kampf, gehört und der Befürchtung, nicht verstanden zu werden. Das Motiv, das uns von Anfang an begleitet, ist der einsame Pinguin, der sich von der Gruppe trennt, einfach so, um in eine andere Richtung zu wandern und schlussendlich ohne den Schutz der anderen zu erfrieren.

werk02Das Kollektiv aus fantastischen fünf Schauspielerinnen und Schauspielern bricht während des Stücks sukzessiv auf, um Geschichten und Erlebnisse, die an der Oberfläche meist situationskomischen Charakter haben, zu offenbaren. In der Gruppe werden diese dann durch den Fleischwolf von Ansichten und Meinungen gedreht – kein Stein bleibt da auf dem andern. Und Zeit zu reflektieren auch nicht, weil immer wieder getanzt wird. Berichtet ein Individuum von einem traumatischen Erlebnis, wird die Situation zwangs-aufgelockert durch simultanen Swing, den es durchzuhalten gilt. Zwangs-Katharsis sozusagen, wie anstrengend! Nicolaas van Diepens maschinell-motivierende Darstellung erinnert wegen ihrer sprachlichen und körperlichen Ausführung an gewisse NLP-trainierte Politiker und ihre unbehagliche Komik.

Da ist es nämlich egal, was gesagt wird, solang es mit Schwung passiert: Von der alten Bewegung in die neue, one, two, three, four, five, hebt man das eine Bein, schlägt es irgendwo anders ein. Eines aber ist sicher: Der Einschlag passiert, auch wenn man nicht weiß, wo.

Susanne Brandts Performance einer geschlagenen und mit Wortschleudern ausschlagenden Frau geht besonders unter die Haut, denn hier gibt es keine Gnade mehr, nur noch Provokation, an der sie sich leibt. Da wird alles, was man so vom mittig-rechten Rand aufschnappt, rausposaunt. Dazwischen finden auch die bösen "Glutamate" ihren Platz, denn daran sind natürlich die Ausländer schuld.

Gegen Ende des knapp 70-minütigen Stückes, das mit größtenteils großartiger Musik und eingängigen Tanzeinlagen gespickt war, franst es sich leider ein wenig aus. Das Motiv des einsamen Pinguins bleibt genauso einsam im Raum stehen wie das Tier selbst. Die emotionale Rede am Schluss hat durch den recht abrupten Übergang in die Zielgerade nicht mehr die nötige Reichweite. Pitsch, patsch, pitsch, patsch, so ganz schließt sich da nicht der Kreis.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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