THEATER

Freiwilliges Training der Bauchmuskeln

Sowohl das Theater als auch das Improvisationstheater haben in Wien eine lange Tradition. Einmal monatlich kann man im TAG den SchauspielerInnen auf der Bühne beim Theatersport (so lautet der Fachbegriff für diese Art von Improvisationstheater) zu sehen, sich vor lauter Lachen den Bauch halten und die Tränen aus den Augenwinkeln wischen.

sportvorort0101

"Sport vor Ort" nennt sich das Ganze, und was das Team während der Vorstellung leistet, ist auch Hochleistungssport: Sie tanzen, singen, laufen und bieten auch sonst alles, was das Herz begehrt. Moderiert wird das Spektakel von Jim Libby, einem Urgestein der Wiener Improvisationsszene. Obwohl man die Moderation wohl eher als Motivation bezeichnen kann, wenn sich unter anderem alle ZuseherInnen mit Kniebeugen anfangs aufwärmen.

Zu Beginn wird der Ablauf erklärt: Zwei Teams zu je drei Personen treten in kurzen Sketches, die meistens in etwa drei Minuten dauern, gegeneinander an. Teilweise gibt es auch längere Sketches, die von allen gleichzeitig gespielt oder improvisiert werden. Jim Libby gibt das Setting für die Sketches vor und involviert dabei immer aktiv das Publikum, zum Beispiel improvisierten sie das Musical "Schönwetter", das auf einer Terrasse sowie im Dschungel spielen sollte, das Fortbewegungsmittel Traktor und eine lila Unterhose enthalten sollte. Oder wenn in einem anderen Sketch zwischen zwei Sprachen ständig hin und her gewechselt wird und die SchauspielerInnen dann auf einmal "Französisch" sprechen müssen, was natürlich nicht wirklich das Französische ist, sondern nur Floskeln, die sich wie diese Sprache anhören. Wer besser war, wird durch den Applaus des Publikums entschieden.

Genau diese Faktoren machen "Sport vor Ort" so besonders und dessen Reiz aus. Es ist eine Interaktion aus SchauspielerInnen, Moderator, Publikum, Musiker (der auch improvisiert) und dem Lichttechniker. Improvisationstheater ist schnell, kurz und entsteht im Moment. Handlung muss sich schnell entwickeln und rasch auf den Höhepunkt zu steuern, sonst beginnt das Publikum unruhig zu werden. Etwas ältere Personen könnten hier Probleme haben mitzukommen. Ebenso gibt es teilweise popkulturelle Anspielungen, die nicht allen ein Begriff sein müssen.

sportvorort0202

Im anschließenden Gespräch an "Sport vor Ort" sagte mir Jim Libby, dass es beim Improvisationstheater vor allem ums Zuhören gehe und darum "Ja" zu sagen; sich darauf einzulassen, was das Gegenüber macht. Und das hat man gemerkt: Die SchauspielerInnen reagieren alle irrsinnig schnell auf die Aktionen des anderen. Wirklich anmerken tut man ihnen nicht, dass sie keinen vorgefertigten Dialog aufsagen. Nur manchmal nimmt man wahr, dass sie kurzfristig etwas verwirrt sind und nicht genau wissen wo sie hin müssen. Das macht sie aber nur noch sympathischer und die Vorstellung vermutlich auch lustiger. Ob das Publikum denn schon einmal schlecht drauf gewesen sei und nicht mitgemacht habe? habe ich Jim Libby gefragt. Nein, das sei noch nie passiert. Früher oder später sei es immer gut drauf und voll dabei.

Das Schöne an dieser Vorstellung ist, dass man es sich theoretisch jeden Monat ansehen könnte und immer etwas Neues sehen würde. Unterschiedliche SchauspielerInnen, – insgesamt sind es in etwa 20 oder 21, die zur Verfügung stehen – verschiedene Sketches, aber immer jede Menge Spaß.

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

Back to Top