THEATER

Politik als Kabarett?

Parlamentsdebatten, Diskussionssendungen, Fernsehinterviews. Irgendwann denkt der Zuseher und die Zuseherin sich gar, dass Politik wohl nicht mehr allzu sinnvoll ist. Die Sätze wiederholen sich, die Inhalte scheinen immer weniger statt mehr zu werden. Doch mit ein bisschen Glück kommt der eine Moment, der zumindest für ein bisschen Versöhnung mit der Politik sorgt. Denn Politiker sind auch nur Menschen und manchmal kommt dabei einiges an Situationskomik heraus.

Die kann man auch sammeln und kuratieren und genau das haben Klaus Oppitz und Michael Nikbakhsh gemacht. "NIEMAND NENNT UNS MITZI" ist das Ergebnis. Zu sehen im Rabenhof und – sobald weitere Termine veröffentlicht werden – auch von Pinkafeld bis Wels.

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GESAMMELT UND SORTIERT
"Niemand nennt uns Mitzi" ist allerdings nur der Titel. Wer sich nicht daran erinnert, die Aussage stammt von der ehemaligen Finanzministerin Maria Fekter, die sich jahrelang gegen den Spitznamen "Schotter-Mitzi" wehrte. Es geht allerdings auch aktueller, keine Sorge. Im Gegensatz zu rein klassischem Kabarett mischen Nikbakhsh und Oppitz diverse Sparten des Humors und beschäftigen sich nicht nur mit dem humoristischen Erzählen von Anekdoten.

Stattdessen werden die Anekdoten von Politikern gemischt mit heiterem Zitate-Raten und eigenen sozusagen gespielten Geschichten. Der Fokus liegt aber auf der Politik. Jedes Zitat kommt mit einer Auswahlmöglichkeit und wer es war, bleibt tatsächlich dem Publikum überlassen. Kleiner Tipp für zukünftige Zuseher: es macht mehr Spaß herauszurufen und es zählt auch, aber die beiden haben wirklich viel Freude, wenn sie vorlesen dürfen.

Ein Großteil der Zitate wird mit Videos aufgelöst, was die Situationskomik dahinter wunderbar plakativ darstellt, wie man am Beispiel des Abgeordneten  OTTO PENDL  sieht. Und zumindest bei der Premiere reagierte das Publikum ausnahmslos wohlwollend darauf. Zugegebenermaßen muss man allerdings dazu sagen, dass das Premierenpublikum im Rabenhof oft zu großen Teilen aus KünstlerInnen und Medienmenschen besteht, das Wissen über Politik ist also halbwegs stark ausgeprägt.

EINE FRAGE DES INTERESSES?
Für politisch eher Beistehende bietet sich das Programm aber auch als guter Einstieg in das Themenfeld an. Von einfachen Versprechern über rein sinnlose Aussagen bis zu nennen wir es Botschaftsvermittlung – etwa, wie sehr die ÖVP auf Entlastung setzt, als ob Wiederholung eine Aussage verständlicher machen würde.

Oppitz und Nikbakhsh nutzten aber auch ihre Erfahrung, um sozusagen zu übersetzen und zu entschlüsseln. Michael Nikbakhsh ist Wirtschaftschef des Magazins Profil, Oppitz ist Teil der Kabarettisten Mastermind-Gruppe DIE TAFELRUNDE , die vieles an österreichischem Fernsehkabarett seit Jahren Mitgestaltet. Mit solchen Hintergründen lernt man schließlich einiges an Politik, versteht Kommunikationsmuster und kann die auch ganz gut erzählen. Ebenso baut man einen persönlichen Erfahrungsschatz auf, wie Politik und Diplomatie funktionieren. Und genau das macht den Witz des Abends aus. Schließlich geht es nicht nur darum, kleine Hoppalas herzuzeigen und PolitikerInnen teilweise jahrelang später vorzuführen. Sondern eben genau um die unterhaltsame Einordnung und damit auch ein bisschen um unterhaltsame Politikvermittlung.

Die nächsten Termine von "Niemand nennt uns Mitzi" sind am 28. Oktober und 9. November!

 

Wien. Mehr Kultur.
Mehr Stadt. Mehr etc.

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